Ost/Feudenheim - Frauenfasnacht als Sitzungsfilm mit den besten Szenen der vergangenen Jahre / Närrische Tüte für Zuschauerinnen Frauenfasnacht: Der „Hockdown“ im Lockdown

Von 
Katja Geiler
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Die Präsidentin der Frauenfasnacht, Irmi Benz, moderierte die „ausgefallene“ Sitzung. Im Vordergrund ist die Fasnachtstüte zu sehen. © Katja Geiler

Die Frauenfasnacht Feudenheim (FFF) ließ in diesem Jahr zwar ihre eigentliche Sitzung ausfallen, dafür gab es einen gebührenden Ersatz: den „Hockdown im Lockdown“. Dabei handelt es sich um einen 90-minütigen Film mit Szenen aus den Sitzungen der letzten Jahre. Das Video war gegen ein Entgelt vom schmutzigen Donnerstag bis Fastnachtsdienstag zu sehen. Um die Stimmung anzukurbeln, gab es für die Online-Teilnehmerinnen eine Tüte mit besonderem Inhalt, darunter Sektchen, Kurze, Knabberzeug, Deko und ein Einkaufswagenchip mit Mini-Klorolle.

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„Eigentlich hatten wir mit 50 bis 60 Tüten gerechnet und waren vom Ansturm überwältigt. Bei 300 wollten wir stoppen, da wir schon dreimal nachgekauft hatten und echt am Limit waren. Es kamen noch ein paar Nachzügler, die wir noch beliefern konnten“, meinte Präsidentin Irmi Benz. Auch die Herstellung des Chips mit Klorolle hatte es in sich, Norbert Dreher druckte diese nämlich mit einem 3D-Drucker aus, jeder Druck dauerte 25 Minuten.

Den Anstoß zur Hockdown-Idee gab ein Zoom-Meeting im Januar. Schließlich stöberte der FFF-Kameramann Andi Förter in seinem Archiv, die Mitglieder suchten sich ein paar lustige Szenen aus, und schließlich schnitt Christine Hettinger nach Hollywood-Manier einen Film zusammen. Neu hinzu kam die Moderation mit Irmi Benz und Philipp Keller als Barkeeper.

Schwierige Zeiten

Im Hockdown war der Lockdown das vorherrschende Thema. „Ich meide die Waage wegen extrem steigender Zahlen“, so die Präsidentin, die auch mal mit dem Nudelsalat in einer Tupperschüssel abends draußen umherläuft, um das Gefühl zu haben, auf dem Weg zu einer Party zu sein. Gefilmt wurde von der fiktiven Figur „Herbert“, der öfter mal aufs Korn genommen wurde, im wahren Leben handelte es sich um Harry Tröndle. Weniger komisch waren die Themen in der neu aufgezeichneten Büttenrede (ohne Bütt) von Marianne Rohde. „Wir feiern vor dem Bildschirm zuhaus’, damit wir in Corona-Zeiten das Virus nicht auch noch weiterverbreiten.“

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Dieses Jahr gibt es kein Feedback des Publikums, „kein Raunen, kein Lachen, keinen Tusch“, den spielte Rohde auf dem Keyboard. Vor einem Jahr habe noch niemand über Homeschooling nachgedacht, außerdem sitzen wir nun „vorm Laptop in Jogginghosen.“ Ein Lob ging an die Ärzte und Pflegekräfte, sie seien „nicht hoch genug zu ehren.“

Dass aber Kunst und Kultur gänzlich am Boden liegen, sei schwer zu ertragen. Immerhin habe Corona auch Mängel aufgedeckt, wie zum Beispiel die schlechten Zustände in der Fleischindustrie und der niedrige Stand der Digitalisierung. Trump, der „Populist und Spalter“, die „ewig Gestrigen und Rechtsextremen“ bei den Querdenker-Demos im Sommer, der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, „mehr als ein Sündenfall“ – für alle Ereignisse fand Rohde die passenden Worte. Zum Schluss klang sie versöhnlich und wollte einfach „wieder zum Frisör“.

Prinzessin im Bademantel

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Vom Sofa aus, mit Bademantel und Narrekapp, grüßte die ehemalige Stadtprinzessin 2018, Miriam Frank: „Wir Närrinnen sind niemals leise, feiern Fastnacht nur auf unsre Weise.“ Die Reise durch die letzten Jahre der FFF begann mit dem Motto „Broadway“ von 2015, und zuletzt sangen die Damen der FFF mit den Töchtern Mannheims „O, Monnem is schää“ bei der Piraten-Sitzung im vergangenen Jahr im Bonhoefferhaus. Auch ein Auftritt von Sigi Gauch durfte nicht fehlen, sie empfahl, den Gürtel enger zu schnallen.

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Der Erlös geht an Frauen in Not, das Frauenhaus Heckertstift und das Fraueninformationszentrum FIZ.

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Freie Autorin Ich arbeite hauptsächlich für die Redaktion Ludwigshafen, bin aber auch zwischendurch in Mannheim unterwegs. Am liebsten schreibe ich über kulturelle Events wie Lesungen, Theaterstücke oder Konzerte. Auch wenn es um Tiere geht, bin ich gerne mit dabei, ich habe einen Hund und einen Hasen. Außerdem bin ich ein großer Sixties-Fan und führe auf Instagram einen Vintage-Blog unter miss_marble_arch.