Feudenheim: Anne Chaplet liest im Literaturkeller des Buchladens Ein rätselhafter "Schrei nach Stille"

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Christina Altmann

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Man muss ihr einfach nur zuhören, sich dem Fluss ihrer leisen Stimme hingeben und ihre bildhaften Schilderungen verfolgen - vom Weg eines Wassertropfens, der durch das Dach und die Ritzen des Holzbodens bis in den Keller dringt, oder vom Rachefeldzug eines Mannes, den die unsägliche Lust an der Vernichtung der gefräßigen Schnecken in seinem Garten gepackt hat: Anne Chaplet schreibt seit zehn Jahren Kriminalromane. Ihr neustes Werk "Schrei nach Stille" stellte sie nun im Literaturkeller des Feudenheimer Buchladens vor, ohne ihrem gebannt lauschenden Publikum zu verraten, worum es darin geht.

Liebe, Tod und Schicksal

"Vertrauen Sie mir einfach", sagte Anne Chaplet gleich zu Beginn. Und so blieb nichts anderes übrig, als sich beruhigt einzulassen auf die promovierte Politikwissenschaftlerin, Lektorin und Rundfunkmoderatorin, die eigentlich Cora Stephan heißt. Allein ein paar Andeutungen zum Inhalt gab sie preis: Es gehe um Liebe und Tod und um das Schicksal eines Menschen, das zutiefst beängstige und verstöre, verriet sie. Nur erahnen ließ sich das aufkommende Unheil, das im Haus der Sophie Winter seinen Anfang nimmt.

Es stürmt und regnet, und die hohen Bäume, die das Haus nahezu ersticken, biegen sich gefährlich; eine Tanne stürzt um und begräbt die Protagonistin unter sich. Natürlich wird sie gerettet - von Paul Bremer - dem Serienhelden Chaplets, der ebenso wie die Frankfurter Staatsanwältin Karen Stark durch all ihre Krimis geistert. Dieses Mal kommt noch ein dritter "Held" hinzu: Kommissar Giorgio DeLange aus dem Frankfurter Polizeipräsidium, ein Chauvi und alleinerziehender Vater zweier halbwüchsiger Töchter, der sich von den anderen beiden völlig unterscheidet, wie die Autorin erklärte.

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Die Handlung dieses siebten Werkes spielt sowohl im kleinen Kaff Klein-Roda, als auch in Frankfurt - zwei Welten, die in ihrem ganzen Konfliktpotenzial aufeinanderprallen: Sophie, eine Dokumentarfilmerin und Schriftstellerin, hat sich aus der Gefahr aber Freiheit der Stadt in die Geborgenheit aber Kontrolle des Landlebens geflüchtet, wo sie ihre Erlebnisse aus dem revolutionären Jahr 1968 verarbeitet.

Nur episodisch lässt Chaplet in ihr neues Werk blicken, offenbart lediglich einen fließenden Schreibstil, der ebenso atmosphärisch wie intensiv ist: Sophie kommt nach einer Lesung in ihr einsames Haus zurück und "es empfängt sie ein Geruch, der ihr die Kehle zuschnürt". Damit endete die Autorin ihre Lesung und hinterließ eine drückende Spannung, die sie mit einer humorisch-morbiden Szene aus ihrem inzwischen neu aufgelegten zweiten Krimi "Wasser und Wein" zu kompensieren suchte.