Ost/Feudenheim - Foto-Ausstellung von Udo Uhrig in Epiphanias beleuchtet Geschichte des historischen Brunnens Die Auferstehung eines Denkmals

Von 
Sylvia Osthues
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Die Bilder zwischen Udo Uhrig und Dorothee Löhr zeigen den Aufbau und den Standort des Brunnens beim Theodor-Fliedner-Haus und seine Kopie am Marktplatz in Feudenheim. © Sylvia Osthues

Brunnen schmücken den öffentlichen Raum in Feudenheim, darunter sechs historische. Sie sind selbstverständlicher Teil des Stadtteils und der Stadtteilgesellschaft. Bei den Bürgern haben sie einen hohen emotionalen Stellenwert. Gleichwohl kennen viele Menschen ihre Geschichte nicht mehr. Eine Fotoausstellung von Udo Uhrig in der Kulturkirche Epiphanias über den denkmalgeschützten Renaissance-Brunnen, der jetzt im Garten des Theodor-Fliedner-Heimes steht, beschreibt seine Entstehung und Geschichte.

Bilder von Vater und Sohn

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Udo Uhrig hat sich – wie sein Vater Adam Uhrig vor ihm – mit dem historischen Brunnen und seinen wechselnden Standorten beschäftigt. Auf 22 Bildern – gerahmte Fotografien im Format 20 mal 30 Zentimeter – präsentiert Udo Uhrig die Auferstehung eines Denkmals. Das erste Bild vom historischen Brunnen, der anfangs in der Eberbacher Straße stand, wurde in den 19 20er/30er Jahren von seinem Vater gemacht. Es folgen eine Tuschezeichnung und ein Linolschnitt. Adam Uhrig, der beim Telegraphenbauamt in Mannheim arbeitete, hatte mit 18 Jahren außerdem ein Riesen-Abendmahlgemälde für die Johanneskirche erstellt und später eine Dreiflügel-Krippe aus Sperrholz, mit buntem Drachenpapier unterlegt und entsprechend beleuchtet für den neuen Altar.

Udo Uhrig, gelernter Kaufmann und Fotograf, der einen Fotoladen in Feudenheim hatte sowie als Foto-Labortechniker und Polizeifotograf tätig war, ist gleichsam in seine Fußstapfen getreten. Seit zwei Jahren ist er nun im Ruhestand und hatte Zeit, in sein Archiv zu schauen. „Früher gab es in Feudenheim viele Brunnen.“ Sie sind seit der Ortsgründung bis heute sowohl Orte der Trinkwasserversorgung als auch kunstvoll gestaltete Objekte der Stadtteil-Identität. Der Brunnen in der Eberbacher Straße stand, wie alle Brunnen, an der Grenze zwischen zwei Grundstücken, so dass beide Nachbarn Wasser schöpfen konnten. Es handelt sich um einen Jochbrunnen mit Querbalken. „Als Entstehungszeit glaubt ein Betrachter die Zahl 1589 auf dem Sandstein erkannt zu haben“, so Uhrig. Mit der Eingemeindung Feudenheims (1910) und dem zwei Jahre später folgenden zentralen Wasseranschluss seien die Brunnen verfallen.

Um den Renaissance-Brunnen an der Eberbacher Straße zu erhalten, wurde dieser 1961 abgebaut und im Garten des neuen Gemeindehauses der Johanneskirche (Bonhoefferhaus) wiederaufgebaut. Ein Bild in der Ausstellung zeigt die starken Männer des Gesangvereins Teutonia, die eine Rampe über die Straße zwischen dem Gemüsegeschäft in der „Scheuer“ und dem Hausneubau bauten, um die schweren Steine in den Garten beim Bonhoefferhaus zu transportieren.

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Ein Jahr nach dem Wiederaufbau des Brunnens stellte das Denkmalamt der Stadt erhebliche Schäden am Gestein fest.

Dreiviertel der Steine wurden durch Kopien ersetzt. Gleichzeitig errichtet wurde auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus eine Kopie des Brunnens, der seitdem jedes Jahr vor Ostern von den Landfrauen mit bunten Ostereiern geschmückt wird. Wegen des 2020 begonnenen Baus eines neuen und größeren Gemeindehauses war da kein Platz mehr für den Brunnen, der nun einen neuen Standort im Garten des Theodor Fliedner-Heimes fand.

Vor allem Ältere freuen sich

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„Der Standort des Brunnens ist jetzt öffentlicher als vorher“, freute sich Pfarrerin Dorothee Löhr. Man wollte bei der Einweihung das bekannte Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ – weil an der Grenze zwischen Feudenheim und Wallstadt – singen, was wegen Corona nicht möglich war. Deshalb sind die Gemeindeglieder mit dem Posaunenchor vom Marktplatzbrunnen über den Friedhof zum Brunnen gezogen.

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Die Pfarrerin ist „froh, weil so eine noch engere Verbindung zwischen der Theodor-Fliedner-Stiftung und der Gemeinde ist“. Vor allem Ältere freuten sich über dieses Symbol von Alt-Feudenheim. Familie Uhrig sei chronistisch seit vielen Jahren für den Stadtteil unterwegs. Den Vorschlag von Udo Uhrig über eine Ausstellung als Gesamtdokumentation habe sie gern aufgenommen.

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