Feudenheim - Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienst finden Bomben und Granaten in der Au / Arbeiten gehen weiter Auf der Suche nach der Gefahr aus der Vergangenheit

Von 
Roger Scholl
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Bergungsgrube in der Feudenheimer Au. Hier suchten die Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdiensts nach Bomben und Granaten. © privat

Dass in der Feudenheimer Au unter der Erde gefährliche Hinterlassenschaften aus der Vergangenheit verborgen sind, war klar. Die Luftbilder, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen wurden, zeigen deutliche Bombentrichter, und auch so mancher Feudenheimer erinnert sich noch genau an die tiefen Krater, die das Land damals durchzogen. Alois Putzer etwa, der Vorsitzende des Vereins für Ortsgeschichte, hat sie selbst gesehen als Kind. Vor dem Bau der 26 Kleingartenparzellen, die dem geplanten Radschnellweg weichen mussten, waren daher die Spezialisten des baden-württembergischen Kampfmittelbeseitigungsdiensts (KMBD) auf dem rund 7300 Quadratmeter großen Areal im Einsatz. Dass sich ihre Arbeit gelohnt hat, zeigen die brisanten Funde, die die Experten aus dem feuchten Erdreich bargen: zwei Phosphorbomben, zwei Stabbrandbomben und eine Wurfgranate - nebst Waffenschrott und Bombensplittern, Infanteriemunition und Artilleriekartuschen.

Nur einen Meter unter der Erde

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Die Teile lagen teilweise nur einen knappen Meter unter der Erdoberfläche - und sie waren brandgefährlich: Die Stabbrandbomben waren scharf, die Wurfgranate erwies sich bei der Untersuchung der KMBD-Spezialisten noch als funktionsfähig, die beiden Phosphorbomben waren völlig intakt. Sämtliche Kampfmittel nahmen die Experten aus Stuttgart - mit aller professionellen Sorgfalt - mit, sie wurden entschärft und vernichtet.

Die Suche auf dem rund 7300 Quadratmeter großen Gelände begann zwei Wochen vor Weihnachten, die Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes stützten sich bei ihrer Arbeit auf die Auswertung von Luftbildaufnahmen, derzeit sind rund 90 Prozent der Fläche bereits untersucht und frei von Bomben und Granaten. Gearbeitet wurde mit einer Fünf-Kanal-Sonde und einem Positionierungssystem, um verdächtige Stellen anhand der Luftbilder möglichst genau zu lokalisieren. Damit die Oberflächen auf dem Areal effizient untersucht werden konnten, mussten vorab 30 Zentimeter des Erdreichs abgetragen werden, einzelne Verdachtsfälle bargen und identifizierten die Experten dabei direkt. Bereiche, die für die Sonde unzugänglich waren, durchkämmten sie mit einer Handsonde nachträglich genauer, sie wurden vorsichtig unter Fach-Aufsicht abgetragen.

Übrig blieb bislang ein circa drei Meter breiter Streifen entlang des Feldwegs zwischen der bestehenden Kleingartenanlage und den neuen Parzellen, er soll dann bis spätestens Anfang Februar ebenfalls untersucht werden. Um diese knapp 800 Quadratmeter eingehend zu inspizieren und dort möglicherweise verborgene Kampfmittel zu bergen und zu entschärfen, wird der Bauzaun dort für einen Tag abgebaut.

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Sind diese Arbeiten dann abgeschlossen, sind auch die bauvorbereitenden Maßnahmen in diesem Bereich beendet. Unabhängig davon hat die Stadt laut Buga-Gesellschaft bereits mit der strukturellen Erschließung der schon kampfmittelfreien Flächen begonnen, so etwa mit dem Bau der Wege dort, die auch als Baustraßen genutzt werden sollen. Nach den aktuellen Planungen solle der Bau der neuen Parzellen jedenfalls Ende März abgeschlossen sein, sofern es das Wetter zulasse.

Weitere Einsätze erforderlich

Die Einsätze der Spezialisten des baden-württembergischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes in der Au sind damit freilich noch lange nicht abgeschlossen. Ganz gleich, ob beim Bau der Trasse des künftigen Radschnellwegs, der Anlage des Sees oder möglicher Standpfosten einer Seilbahn, immer werde vorher jede einzelne Fläche sorgfältig untersucht und mögliche gefährliche Relikte aus der Kriegszeit gesichert, geborgen und entschärft. Diese Arbeiten werden allerdings jeweils erst unmittelbar vor Beginn der einzelnen Baumaßnahmen angegangen.

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Dass sie notwendig sind, hat der aktuelle Einsatz bewiesen. Die Luftangriffe der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs in diesem Teil der Stadt hatten vornehmlich ein strategisches Ziel, wie Alois Putzer vom Geschichtsverein weiß: „Sie sollten sämtliche Transportwege hier unterbrechen“, das betraf sowohl die Riedbahn als auch den Kanal und den Flugplatz Neuostheim. Auch die Flak-Stellung in Feudenheim sei damals unter Beschuss genommen worden. Die Gefahr aus der Vergangenheit - sie ist noch immer nicht gebannt. 

Redaktion Lokalredaktion, Koordinator Stadtteilseiten