Zick-Zack-Kurs keine überzeugende Strategie

Thomas Schrott zur Aufhebung der Ausgangssperre

Von
Thomas Schrott
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Welch eine rasante Kehrtwende. Sie erinnert an eine Fahrt mit der Achterbahn. Noch am Freitagnachmittag drohte den Ludwigshafenern eine Bewegungssperre über einen Radius von 15 Kilometern hinaus. Gerade einmal vier Tage später sieht die Welt völlig anders. Die Bürger können nun wieder nachts auf die Straße und müssen auch keine Maske mehr in Teilen der Innenstadt tragen.

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Bei allem Verständnis, dass am Freitag eine große Gefahr durch stark verbreitete Virusmutationen in der Asylunterkunft befürchtet wurde: Das Verhalten der Stadtspitze wirkt sehr sprunghaft und hektisch. Ein schneller Zick-Zack-Kurs ist kein Beleg für eine überzeugende Strategie. Zumal eine Sperre von 15 Kilometern eh wenig Sinn gemacht hätte, weil sie in dem dicht besiedelten Ballungsraum mit Zigtausenden von Pendlern nicht zu kontrollieren ist und Mutationen bereits in der gesamten Metropolregion nachgewiesen waren.

Ungereimtheiten gibt es auch bei der Entscheidung am Dienstag, die Allgemeinverfügung aufzuheben. Noch am Montag hatte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck auf Bedenken der Krankenhäuser zu einer Lockerung hingewiesen und auf eine einheitliche Vorgehensweise in der Vorderpfalz gedrängt. Einen Tag später entscheidet die Verwaltung, ohne ein Gespräch am Donnerstag abzuwarten. Gleichwohl bleibt inhaltlich der Beschluss zur Beendigung der Ausgangssperre richtig. Angesichts allgemein stark gesunkener Inzidenzzahlen und der Gerichtsentscheidung in Baden-Württemberg wäre es den Bürgern kaum zu vermitteln, warum linksrheinisch eine andere Regelung gilt als direkt auf der anderen Rheinseite.

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