Flüchtlingshilfe - 2012 schuf Uwe Lieser eine Begegnungsstätte in Mundenheim / Jetzt in Ruhestand Wohnungssuche für Geflüchtete schwierig

Von 
Sophia Gehr
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Ludwigshafen. Vor acht Jahren lautete das Ziel, eine Beratungs- und Begegnungsstätte in unmittelbarer Nähe zu den Sammelunterkünften in Ludwigshafen zu schaffen. „Die Geflüchteten, die im Rampenweg untergebracht waren, sollten zu Fuß zu einem Treffpunkt gelangen können, an dem sie sich mit anderen austauschen und Hilfe bekommen“, sagt Uwe Lieser. Seit der Gründung 2012 leitete er das Café Asyl im Gemeindezentrum der Christuskirche in Mundenheim. Nun hat sich der 64-Jährige in den Ruhestand verabschiedet.

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„Es ist Teil der kirchlichen Arbeit, Geflüchtete zu unterstützen“, so der Religionspädagoge und Sozialarbeiter im Gespräch mit dieser Redaktion. „Aber die Kultur aus Solidarität und Respekt, die sich in unserem Café entwickelt hat, lässt auch mich nicht unberührt.“ Nach der Flüchtlingswelle in den Jahren 2015/16 kamen weit über 100 Menschen aus aller Welt in das Mundenheimer Gemeindehaus. Und auch im vergangenen Jahr suchten noch etwa 20 Geflüchtete wöchentlich die Beratungsstelle des Cafés auf.

Die Aufgaben der Hauptamtlichen und der aktuell 14 Ehrenamtlichen hätten sich natürlich verändert, so Lieser. „Am Anfang ging es darum, den Menschen Orientierung zu geben und die Sprache zu lernen“, erzählt er. „Viele brauchten Kleidung oder auch ein Kinderbett. Wer flieht, hat außer einem kleinen Rucksack oft nichts bei sich.“

„Immer wieder Vorbehalte“

Mittlerweile gehe es um Integration. Das Café Asyl unterstützt die Geflüchteten etwa bei der Wohnungssuche oder der Bewerbung auf einen Arbeitsplatz. „Das ist nicht immer einfach“, sagt Lieser. „Momentan suchen viele Familien einen günstigen Wohnraum. Dabei werden ihnen immer wieder Vorbehalte entgegengebracht.“ Die Geflüchteten brauchen also besonders hierbei weiterhin Unterstützung. „Ohne hauptamtliche Leitung ist das Café Asyl nicht zu schaffen“, so Lieser.

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Seine Stelle ist für den 1. April zur Wiederbesetzung ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist ist bereits abgelaufen. „Wir sind nun dabei, die Gespräche zu organisieren“, sagt Dekanin Barbara Kohlstruck auf Nachfrage. „Mit Uwe Lieser geht viel Erfahrung und Wissen verloren, und seine Kontakte müssen erst wieder aufgebaut werden. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Ehrenamtlichen die Kontinuität beim Café Asyl aufrechterhalten können.“

Mit dem zweiten Lockdown musste die Begegnungsstätte erneut schließen. „Für die Geflüchteten ist die Pandemie extrem belastend“, so Lieser. Bei vielen gehe es unter anderem um die Verlängerung ihrer Aufenthaltserlaubnis. Und die Kommunikation über Telefon oder E-Mail erschwere die Hilfe der Ehrenamtlichen. „Außerdem leben die Familien in den Unterkünften auf engstem Raum“, berichtet Lieser. „Hier können die Abstands- und Hygiene-Regeln kaum eingehalten werden.“ Lieser will der Flüchtlingsarbeit weiter verbunden bleiben – in welcher Form das passieren wird, müsse er sich noch überlegen. (Bild: Uwe Lieser)

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