Klimaschutz - Vorstandschef Martin Brudermüller erklärt, wie BASF Kohlendioxid einsparen will / Kritik an Strompreis-Gestaltung „Wir brauchen eine radikale Reform“

Von
Bettina Eschbacher
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Martin Brudermüller sieht die BASF in einer Vorreiterrolle mit ihren Plänen zur Reduzierung des CO-Ausstoßes. © Andreas Pohlmann

Ludwigshafen. BASF und Siemens Energy planen gemeinsame Pilotprojekte, um neue kohlendioxid-arme Technologien zu entwickeln und umzusetzen. Dem Chemiekonzern und dem Spezialisten für Energietechnologie geht es vor allem darum, diese neuen Entwicklungen möglichst schnell in der Breite, also in Großanlagen, anwenden zu können. Eine wichtige Rolle soll dabei das BASF-Stammwerk in Ludwigshafen spielen, angepeilt sind dort Projekte für die Wasserstoffproduktion, Wärmepumpen und zur Aufrüstung des Stromnetzes.

Neue Technologien gesucht

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Die BASF sieht sich in der Chemiebranche als Vorreiter beim Thema CO2-Reduzierung, genannt Carbon Management. Sie will bis 2030 die Treibhausgas-Emissionen auf dem Niveau von 2018 stabil halten, aber gleichzeitig die Produktion deutlich steigern. Das bedeutet nach BASF-Angaben, dass die Emissionen um voraussichtlich 30 Prozent je produzierter Einheit gesenkt werden. „Das ist sehr ambitioniert“, betonte Vorstandschef Martin Brudermüller bei einer digitalen Veranstaltung des Mannheimer Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Um Produktionsprozesse zu entwickeln, bei denen weniger Kohlendioxid anfällt, braucht es neue Technologien – die stecken meist aber noch in der Entwicklungsphase, müssen aber möglichst schnell auf den industriellen Großmaßstab umgesetzt werden.

Schließlich, darauf weist auch ZEW-Präsident Achim Wambach hin, zählt die Chemie innerhalb der Industrie zu den größten Verursachern beim CO2-Ausstoß. Und die Europäische Union macht mit ihrem Green Deal Druck: Das Programm für mehr Klima- und Umweltschutz sieht vor, in der EU bis 2050 alle Treibhausgase zu vermeiden oder auszugleichen und so klimaneutral zu werden. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen um mindestens 55 Prozent sinken im Vergleich zu 1990.

„Umfangreich“ sei das Programm, sagte Brudermüller, einige der Ziele wertet er eher als „Träume“. Denn die große Frage, sei doch jetzt: „Wie machen wir das denn?“ Europa müsse darauf achten, bei aller Regulierung international wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein Alleingang Europas bringe wenig, darin zeigten sich Brudermüller und Wambach einig.

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Für die CO2-Reduzierung in der BASF sieht Brudermüller neben dem Einsatz neuer Technologien einen weiteren Lösungsweg: So will BASF den Einsatz fossiler Brennstoffe reduzieren. Denn die Chemieproduktion erfordert viel Energie – und die soll mehr und mehr aus erneuerbaren Quellen kommen. „Elektrifizierung ist ein großes Thema für uns“, so Brudermüller. Doch mahnte der BASF-Chef bessere Rahmenbedingungen an: Noch fehle es an der Infrastruktur, um riesige Strommengen nach Ludwigshafen zu bringen.

Vor allem aber sei der deutsche Strom im internationalen Vergleich viel zu teuer, auch wegen der EEG-Umlage. „Wir brauchen eine radikale Reform zur Umlegung der Stromkosten“, sagte Brudermüller beim ZEW. Eine solche Reform hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in dieser Woche angekündigt, um Wirtschaft und Verbraucher bei den Strompreisen zu entlasten.

Redaktion Bettina Eschbacher hat bei der BASF volontiert und ist seit 1996 Redakteurin beim Mannheimer Morgen/Südhessen Morgen - zuerst als Lokalredakteurin in Lampertheim, seit 2002 als Wirtschaftsredakteurin. Zu ihren Themen-Schwerpunkten zählen die Bau- und Servicebranche mit regionalen Unternehmen wie HeidelbergCement, Bilfinger und Diringer & Scheidel, der Handel, das Verlagswesen, Ausbildung und Bildung sowie die Arbeitswelt und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.