Gastronomie - Weihnachtsmarkt vor der Rhein-Galerie ruht seit Anfang November / Kritik an Bürokratie bei Staatshilfen Winterdorf-Betreiber hofft auf März und April

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Julian Eistetter
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Der Zugang zum Winterdorf ist mit Bauzäunen verschlossen. © Thomas Rittelmann

Ludwigshafen. Das Ludwigshafener Winterdorf ist über weite Strecken der kalten Jahreszeit ein Geisterdorf geblieben. Nachdem der kleine Weihnachtsmarkt vor der Rhein-Galerie im Oktober unter strengen Hygieneauflagen öffnen konnte, war Anfang November wieder Schluss, als die Corona-Fallzahlen in der Stadt und in ganz Deutschland rapide anstiegen. Seitdem stehen die Buden verlassen auf dem Platz der Deutschen Einheit. Und seitdem nagt ständige Ungewissheit an Betreiber Ralf-Peter Nickel.

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„Am Anfang hieß es, die Schließung gilt für einen Monat. Dann ging auch im Januar nichts. Jetzt hoffen wir auf Ende Februar, März vielleicht. Wir wissen es nicht. Keiner weiß es“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Das ständige Vertrösten geht dem Schausteller auf die Nerven. „Hätte ich am Anfang gewusst, dass wir in drei Monaten noch hier sitzen, hätte ich das Dorf abbauen lassen. Aber es gibt ja immer nur kurzfristige Entscheidungen“, bemängelt der Unternehmer.

So entstehen für das ausgestorbene Winterdorf weiter monatliche Kosten. „Wir hatten Aufbaukosten, Stromkabel mussten verlegt werden, wir haben ein Toilettenhäuschen angemietet sowie die Stellflächen“, erklärt Nickel. Das allein seien rund 100 000 Euro, die man „nicht hätte ausgeben müssen“. Der optimale Zeitpunkt zum Abbau sei mittlerweile jedoch auch verstrichen. Inzwischen hofft Nickel zumindest darauf, im März und April noch zwei Monate öffnen und etwas Umsatz generieren zu können. „Wenn wir das Signal bekommen, benötigen wir acht Tage Vorlaufzeit. Dann kann es losgehen“, so Nickel.

„Alles wird hinausgezögert“

„Nachvollziehbar ist es für mich ohnehin nicht, dass wir unseren Außenbereich schließen mussten, während die Schulen und Kitas teilweise geöffnet blieben“, sagt der Schausteller. „Kinderkarussell geht nicht, aber Schulklasse?“, äußert er sein Unverständnis.

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Daneben kritisiert Nickel den bürokratischen Aufwand bei der Beantragung der Staatshilfen. „Zunächst mal kann man die Anträge nicht selbst ausfüllen, sondern muss das über ein Steuerbüro machen lassen. Immer fehlt irgendwas, alles wird hinausgezögert, dann gibt es Softwareprobleme“, so Nickel. So sei von der Novemberhilfe bislang nur eine Abschlagszahlung erfolgt. „Das entspricht noch lange nicht dem, was es hätte sein sollen“, sagt er.

Dementsprechend seien die Taschen leer. „Um unsere Rechnungen zu begleichen, brauchen wir das Geld vom Staat“, betont Nickel. „Es geht hier ja nicht nur um das Winterdorf. Es war das ganze Jahr nichts. Kein Stadtfest, keine Messen.“ Dennoch ist Nickel optimistisch. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es am 1. März weitergehen kann.“ Ein ausgeklügeltes Corona-Konzept mit Trennwänden und Online-Registrierung gibt es im Winterdorf jedenfalls. „Ich hoffe für alle Kollegen, dass es bald wieder etwas vorangeht.“

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Redaktion Reporter Region, Koordinator Neckar-Bergstraße und Ausbildungsredakteur