Fasnacht - Großer Rat der Ludwigshafener Karneval-Vereine bietet Online-Programm / „Notfallausrüstung“ für zuhause Wein und Hütchen aus der Tüte

Von 
Dirk Timmermann
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Der Dämmerumzug ist traditionell einer der Höhepunkte der Ludwigshafener Fasnachtssaison. 2021 wird es ihn wie im Vorjahr nicht geben. © Thomas Rittelmann

Ludwigshafen. „Wenn du nicht zur Fasnacht kommst, dann kommt die Fasnacht zu dir.“ So ließe sich die diesjährige Kampagne zusammenfassen, die unter dem Eindruck der Corona-Pandemie steht. „Öffentliche Veranstaltungen, Straßenumzüge, Sitzungskarneval – all das kann und wird es nicht geben“, sagt Christoph Heller (Bild), Präsident des Großen Rats der Ludwigshafener Karneval-Vereine. Dem Dachverband gehören zwölf traditionsreiche Gruppen der Stadt an – von Rheinschanze über Eule, Klotzgrumbeer, Farweschlucker bis zu Munnemer Göckel. Was „Karneval zuhause“ bedeutet, wird beim Blick auf die neuartigen Angebote von Großem Rat und Mitgliedsvereinen erlebbar: Onlinebasiert, aber auch mit bewährten Mitteln versuchen sie, ein Gefühl von Fasnacht in die heimischen Wohnzimmer zu transportieren.

CD mit Stimmungsmusik

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So erhalten die Mitglieder des Karnevalvereins Rheinschanze jeweils eine Flasche Sekt, Konfetti sowie eine CD mit Stimmungsmusik. Der Große Rat bietet für die eigentlich heißen närrischen Tage bis Aschermittwoch eine „Notfallausrüstung“ für elf Euro an. Dazu zählen Dubbeglas, eine Flasche Pfälzer Rieslingschorle, Fasnachtshütchen, eine rote Nase und Brausetabletten gegen einen Kater.

Großer Rat

Der 1956 gegründete Große Rat ist die Dachorganisation der Ludwigshafener Fasnachter. Ihm gehören zwölf Vereine an.

Christoph Heller ist seit 2019 Präsident. Der CDU-Kommunalpolitiker ist auch Ortsvorsteher der Südlichen Innenstadt.

Eine „Notfallausrüstung“ für die heißen närrischen Tage unter anderem mit Dubbeglas, Pfälzer Rieslingschorle und Fasnachtshütchen ist ab Donnerstag, 11. Februar, beim Großen Rat für elf Euro erhältlich.

Der Große Rat sammelt noch Spenden, die den Jugendgruppen der Vereine zugute kommen.

Die größte Corona-bedingte Neuerung heißt jedoch „Fasnacht in der Cloud“. Dabei kommen bewährte und weniger bekannte Fasnachter zu Wort. Wer immer sich berufen fühlt, kann humoristische Beiträge einsenden, die auf dem Webportal beim Großen Rat veröffentlicht werden. Wichtigste Spielregel laut Präsident Heller: „Die Clips müssen jugendfrei sein!“ Singen in der Badewanne sei kein Problem, „solange der Schaum alles bedeckt.“ Ansonsten ist vom „Kalauer im Bett“ bis zur „Büttenrede im Wohnzimmer“ alles willkommen. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) hat bereits einen Beitrag zugesandt, auch der katholische Dekan Alban Meißner.

Abgerundet wird das digitale Format mit dem „Flachwitz des Tages“ zur Stimmungsaufhellung in manchmal deprimierenden Zeiten. Darüber hinaus bietet „Fasnacht in der Cloud“ die Möglichkeit, eine Spende zu leisten. Der Erlös kommt der Jugendarbeit der Vereine zugute und wird am Aschermittwoch übergeben. Angesichts der Einschränkungen sei es schwierig, „Mitglieder bei der Stange zu halten“, weiß Heller, und gerade die Kinder- und Jugendarbeit benötige Unterstützung.

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Beim Blick auf die Liste der Veranstaltungen, die der Pandemie zum Opfer fielen, kommt Wehmut auf: „Seit vierzehn Jahren beginnt die Kampagne mit der Straßenfasnacht am ersten Samstag nach dem 11.11.“, berichtet Heller, der nicht nur Ortsvorsteher in der Südlichen Innenstadt ist, sondern auch Deutschlands einziger vollausgebildeter Triangelspieler in der Guggenmusik. „Auf die Gass“ ging letztes Jahr somit niemand, nachdem der „Dämmerumzug“ bis dato – unter maßgeblicher Beteiligung der „Huddelschnuddler“ – in den Vorjahren regelmäßig über 1000 Teilnehmer in Fußgruppen und 12 000 Besucher anlockte.

Auch die feierliche Übergabe des Goldenen Ankers, des Symbolordens für verdiente Fasnachter, konnte beim Großen Rat nicht stattfinden. Gestrichen wurden auch „Närrisch im Duett“ im Pfalzbau und die populäre „Nachthaubensitzung“ der KV Rheinschanze.

Hoffen auf 2022

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Größter und sichtbarster Verlust ist die Absage des gemeinsamen Fasnachtsumzugs mit der Stadt Mannheim, zu dem bis zu 150 000 Menschen kommen. Für die Vereine, die auf Prunksitzungen, Tanzturniere und Ordensfeste verzichten müssen, ist es Heller zufolge wichtig, „miteinander in Verbindung zu bleiben“. Überall sehe man Einnahmeausfälle. Sponsoren zu finden, sei kaum möglich, zumal manche selbst um ihr Überleben kämpften. Daher helfe man sich untereinander aus.

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Wie es sich für einen Karnevalspräsidenten gehört, überwiegt bei Heller jedoch der Optimismus. Die Planungen für die neue Kampagne laufen, und das Ziel für 2022 ist klar: „Vor der Pandemie waren wir zwölf Vereine, nach der Pandemie sollten wir wieder zwölf sein!“ Dass die Begeisterung zurückkehren wird, steht für den 57-Jährigen jedoch fest. Wer einmal mit dem „Virus Fasnacht“ infiziert sei, komme davon nicht mehr los. (Bild: Christoph Heller)