Enjoy Jazz - Zuhörer im Ludwigshafener BASF-Feierabendhaus bejubeln Soul-Programm der US-Sängerin Dee Dee Bridgewater Viel Beifall für fulminante Show

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Andreas Ahlemann
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Ludwigshafen. Im Jazz gehört sie zu den wandlungsfähigsten Künstlerinnen unserer Zeit. Ihr Oeuvre ist äußerst facettenreich, mit Stationen in Frankreich (auf dem Album „J’ai Deux Amours“, 2005), aber auch im westafrikanischen Mali („Red Earth“, 2007). Nach 20 Produktionen unter eigenem Namen, darunter mehreren Live-Alben, ist die Sängerin mit ihrem aktuellen Projekt „Memphis... Yes, I’m Ready“ musikalisch in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt. Derzeit feiert Dee Dee Bridgewater mit ihrer Show eine Party für die „Black Music“ aus Memphis.

Dee Dee Bridgewater huldigt bei Enjoy Jazz der afroamerikanischen Musik aus Memphis. © Rinderspacher
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Im Rahmen des 21. Enjoy-Jazz- Festivals präsentiert sich das Multitalent im ausverkauften Ludwigshafener BASF-Feierabendhaus in gewohnt quirliger Weise. Stets in Bewegung, mal kokett, mal lasziv und mit allen stimmlichen Varianten des Jazz-, Blues- und auch des Soulgesangs gibt die routinierte Vokalistin die Richtung vor.

Ludwigshafen Enjoy Jazz: Dee Dee Bridgewater im Feierabendhaus

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Ihre Band, bestehend aus Kurt Clayton (Tasteninstrumente), Barry Campbell (Bass) und Carlos Sargent (Schlagzeug), spielt erwartungsgemäß absolut kompakt. Und das muss bei Bridgewater auch sein. Immerhin besteht ihre Performance aus einem minuziös eingeübten Ablauf, bei dem es nicht nur auf die reine Musik, sondern auch auf schauspielerische Momente ankommt.

Begleitband kommt zu kurz

Auch wenn Bryant Lockhart am Tenorsaxofon und Trompeter Curtis Pulliam eigentlich für Improvisationen prädestiniert wären, kommen die Instrumentalisten und vor allem die Bläser in dieser Hinsicht zu kurz. Einer solchen Band mehr solistischen Raum zu geben, hätte den Abend musikalisch noch abgerundet. So bekommt lediglich der junge Gitarrist Charlton Johnson ein paar Mal die Gelegenheit, kurze Soli beizusteuern. Mit den Begleitstimmen von Skyler Jordan und Shontelle Norman komplettiert sich die Besetzung, die für ein Programm aus Soul-Klassikern unabdingbar ist.

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Dee Dee Bridgewater ist zu Recht stolz. Stolz auf ihre Musik, ihr kulturelles Erbe als Afroamerikanerin und nicht zuletzt auch auf sich selbst. Obwohl in ihrer Show jede Bewegung, ja, jeder Satz geprobt und nicht spontan erscheint, gibt es auch Momente der Ernsthaftigkeit. Nicht nur wenn sie zu jedem klassischen Song eine kurze Information gibt. Auch wenn sie von sich selbst erzählt oder, wie vor dem dreistimmig vorgetragenen „Why (Am I Treated So Bad)“, der Hymne der US-Bürgerrechtsbewegung von 1955, die Benachteiligung der Afroamerikaner erklärt. In Zeiten von Donald Trump scheint das tatsächlich angebracht.

Was Bridgewaters derzeitiges Programm auszeichnet, ist der klassische Soul-/Gospelstil. Es bedarf schon eines hohen Standards, wenn man sich an Songs heranwagt, deren Interpretation von Ikonen wie Al Green, Bobby Bland, Carla Thomas, Tina Turner und anderen Größen bereits Kultstatus erreichten. Bridgewater aber entgeht der unmittelbaren Vergleichbarkeit selbst bei Songs wie „Try A Little Tenderness“, „I Can’t Stand The Rain“ oder „Don’t Be Cruel“ nicht nur durch ihre eigene, gesangliche Meisterschaft. Es sind nicht zuletzt ihre attraktiven Arrangements der Stücke, die diese tausendfach gespielte Musik wieder interessant machen.

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Dass ihr Ludwigshafener Publikum Dee Dee Bridgewater am Ende ihrer fulminanten Show und nach einem Medley mit den Themen von „Rock Steady“ und „Get Up, Get On Up“ innerhalb des B.B.-King- Klassikers „The Thrill Is Gone“ nicht so einfach gehen lässt, ist klar. Unter Ovationen im Stehen und Begeisterungsrufen kehrt sie schließlich noch einmal für ein „Purple Rain“ von Prince und den Otis-Redding-Klassiker „Respect“ (der durch Aretha Franklin zum Hit wurde) auf die Bühne zurück. Im Rahmen des Enjoy-Jazz-Programms dürfte Dee Dee Bridgewaters Gastspiel sicherlich ein Höhepunkt des Festivals sein.

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Info: Fotostrecke unter: morgenweb.de/kultur

Erfolgreiche Vokalistin

  • Dee Dee Bridgewater, als Denise Garett 1950 in Memphis (USA) geboren, wurde Anfang der 1970er Jahre als Sängerin der Thad Jones-Mel Lewis-Big Band bekannt.
  • Sie sang im Lauf ihrer Karriere mit nahezu allen namhaften Jazzkünstlern. Ihre Aufnahmen wurden vielfach ausgezeichnet und dreimal wurde sie mit einem Grammy belohnt, unter anderem 1998 als beste Jazz Vokalistin.
  • Ab 1986 lebte sie 15 Jahre lang in Frankreich und erhielt dort unter anderem den französischen Verdienstorden. Sie singt in englischer und französischer Sprache und war auch als Schauspielerin in mehreren Fernsehserien und als Sprecherin in verschiedenen Filmen zu erleben.
  • Neben ihrer Gesangskarriere ist sie seit 1990 auch als UN-Botschafterin und in anderen Sozialinitiativen tätig. Im September 2017 erschien ihr aktuelles Album „Memphis… Yes, I’m Ready“ bei Okeh (Sony Music) als Hommage an die Musik ihrer Geburtsstadt.
  • Dee Dee Bridgewater ist 69 Jahre alt. Auch ihre Tochter China Moses hat als Jazzsängerin Karriere gemacht. . A.B.A

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