Gesundheit - Klinikum Ludwigshafen kehrt mit umfangreichem Sicherheitspaket zum Normalbetrieb zurück / Corona-Station soll Ende Juni bezugsfertig sein Tägliches Fiebermessen ab sofort Pflicht

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Julian Eistetter
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Hygienefachkraft Ana-Maria Calderon im Foyer des Klinikums, wo neue Patienten untersucht werden. © Klinikum Ludwigshafen

Ludwigshafen. Rund sechs Wochen lang war der Betrieb im Klinikum Ludwigshafen wegen der Corona-Pandemie massiv heruntergefahren. Die Belegung der 976 Betten betrug in dieser Zeit teilweise gerade einmal bei 50 Prozent. Die Einrichtung konzentrierte sich voll auf die Versorgung von Notfallpatienten und die Betreuung von Corona-Erkrankten sowie Verdachtsfällen. Mit einem umfassenden Sicherheitskonzept will der Maximalversorger jetzt Schritt für Schritt zum Normalbetrieb zurückkehren. Wie das gelingen soll und was zum Schutz von Mitarbeitern und Patienten unternommen wird, das haben die Verantwortlichen am Montag bei einer Pressekonferenz mitgeteilt.

Zahlen zu Corona-Tests

  • Im Zeitraum von 16. März bis 26. April hat das Klinikum Ludwigshafen insgesamt 6030 Abstriche ausgewertet, davon wurden 4558 in der Infektionsambulanz genommen.
  • Die Positivquote betrug mit 294 Fällen 4,88 Prozent.
  • Insgesamt 42 Covid-19-Patienten wurden bislang stationär behandelt, 15 auf der Intensivstation. Es gab vier Corona-Todesfälle am Klinikum.
  • Bei den 3662 Mitarbeitern wurden 812 Abstriche genommen – zehn Tests waren positiv.
  • Das Labor des Klinikums bietet derzeit Kapazitäten für 400 Tests täglich. Bald sollen es 1000 pro Tag sein.
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„Wir gehen davon aus, dass uns Corona noch über Monate, wenn nicht Jahre begleiten wird“, sagt der Ärztliche Direktor Günter Layer. „Deshalb müssen wir lernen, damit zu leben.“ Umgesetzt werden soll dies am Klinikum unter anderem mit einer neuen Corona-Station, die sich ausschließlich dieser Erkrankung widmet. „Geplant sind 16 bis 18 Normalbetten und acht Intensivbetten“, berichtet der Corona-Koordinator. Die Station entsteht in Haus A, getrennt vom übrigen Krankenhaus-Geschehen. Voraussetzung ist die Installation einer neuen Klimatechnik. „Sobald die Arbeiten abgeschlossen sind, hoffen wir auf eine Inbetriebnahme Ende Juni.“

Eine Million Euro fehlt pro Woche

Eine weitere Maßnahme greift kurzfristig. Denn ab diesem Dienstag werden alle Menschen, die das Krankenhaus in der Bremserstraße betreten – sowohl Patienten als auch Mitarbeiter – untersucht. Dieser Eingangstest setzt sich aus einem Fragebogen zu Symptomen oder Kontakt mit Infizierten sowie einer Temperaturmessung zusammen. Vorgenommen wird er an fünf durch Trennwände abgeschirmten Stationen im Foyer. Wer keine Auffälligkeiten zeigt, kann zur Anmeldung. Verdachtsfälle werden in die Infektionsambulanz verwiesen, die das Klinikum am 16. März gegenüber des Haupteingangs eröffnet hat. Mehr als 4500 Abstriche wurden dort seitdem genommen. Dort wird das weitere Vorgehen entschieden.

Doch nicht nur Patienten, sondern auch die etwas mehr als 3600 Mitarbeiter werden ab sofort einem täglichen Screening unterzogen. „Das ist eine riesige Herausforderung und wird Geld sowie Personal kosten“, sagt Hans-Friedrich Günther, Geschäftsführer des Klinikums. Ohnehin setze die Corona-Krise dem Haus finanziell mächtig zu. „Wir haben gewissermaßen 1800 Patienten gegen 42 Corona-Patienten getauscht. Wir verlieren Erlöse von einer Million Euro pro Woche“, betont er. In den vergangenen Wochen seien allein 390 000 Euro in Schutzausrüstung investiert worden. Im ganzen Jahr 2019 seien es 27 000 Euro gewesen. Im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise rechnet das Klinikum mit Investitionen im siebenstelligen Bereich. „Da reicht der Rettungsschirm bei Weitem nicht“, so Günther. Das Haus sei jedoch gut aufgestellt und könne aus Rücklagen von mehr als 100 Millionen Euro schöpfen. „Das kommt uns jetzt zugute.“

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Aus wirtschaftlicher Sicht ist ein Wiederhochfahren also wichtig – genauso wie aus medizinischer, wie Layer betont. „Wir haben festgestellt, dass die Anzahl der Patienten, die wegen weniger gravierender Herzinfarkte zu uns kommen, im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte abgenommen hat. Entweder aus Angst, oder weil sie es in Corona-Zeiten als nicht so wichtig erachtet haben. Diese Menschen werden erst später versorgt und haben letztlich eine höhere Sterbewahrscheinlichkeit“, so der Ärztliche Direktor. „Wir müssen es schaffen, dass diese Patienten wieder zu uns kommen.“

Bis nächste Woche gilt die Verordnung des Landes noch, nicht lebensnotwendige Operationen aufzuschieben. Dann will das Klinikum den OP-Betrieb wieder ausweiten. „Unser Geschäft ist Vertrauen. Darin investieren wir jetzt“, sagt Günther. „Die Sicherheit der Patienten und Mitarbeiter ist es wert.“ Die erste Phase der Krise habe das Krankenhaus indes gut gemeistert. „Wir hatten lediglich zehn infizierte Mitarbeiter, die meisten haben sich auf Reisen angesteckt. Und keiner der 42 Corona-Patienten hat sich bei uns im Haus infiziert.“

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Redaktion Reporter Region, Koordinator Neckar-Bergstraße und Ausbildungsredakteur

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