Pandemie - Erste Corona-Mutation bei Bewohner in Asylbewerberunterkunft festgestellt / Regeln sollen verschärft werden Stadt plant 15-Kilometer-Grenze

Von 
Thomas Schrott
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In der Asylbewerberunterkunft in der Mannheimer Straße wohnt der Mann mit der Virusmutation. © Thomas Tröster

Ludwigshafen. „Wir werden konsequent handeln, um das Ausbreiten des hochansteckenden Virus so gut wie möglich zu verhindern.“ Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) kündigte am Donnerstagnachmittag in einer eilends einberufenen Videokonferenz schärfere Regelungen an. Die Verwaltung will eine Begrenzung des Bewegungsradius von 15 Kilometer für die Bewohner im Stadtgebiet einführen. Grund für diesen Schritt: In Ludwigshafen wurde erstmals bei einem Corona-Patienten eine Virusmutation nachgewiesen. Nach Angaben Steinrucks handelt es sich um einen Mann aus der Asylbewerberunterkunft in der Mannheimer Straße. Dort würden nun alle 157 Bewohner getestet und bei einer Infektion isoliert. Die Ergebnisse der Testungen sollen bis Freitagabend vorliegen.

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Die Begrenzung auf 15 Kilometer will die Verwaltung in einer Allgemeinverfügung festschreiben. „Darüber sind wir in Gesprächen mit der Landesregierung“, sagte die Rathauschefin. Zudem soll vorgeschrieben werden, dass Infizierte erst dann aus der Quarantäne entlassen werden, wenn sie einen negativen PCR-Test vorweisen.

Patient hat milde Symptome

Der Mann mit der Virusmutation sei wegen einer anderen Grunderkrankung ins Klinikum Ludwigshafen gekommen, berichtete Matthias Bauer, Direktor des Instituts für Labordiagnostik, Hygiene und Transfusionsmedizin. „Dem Patienten geht es gut. Er hat milde Symptome wie leichtes Fieber, aber keine typischen Corona-Symptome wie schwerer Husten und Beeinträchtigungen von Geruchs- und Geschmackssinn.“

Der Patient sei bereits im Frühjahr 2020 mit Corona infiziert gewesen, so Bauer weiter. Diese Reinfizierung mit einem Corona-Virus bereite ihm ebenso Sorge wie das Auftauchen der Mutation in Ludwigshafen. Ob sich der Mann mit der britischen, brasilianischen oder südafrikanischen Variante angesteckt habe, sei noch unklar. Das Ergebnis soll bis Anfang nächster Woche vorliegen, so Bauer.

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„Ein solcher Fall trifft uns nicht unerwartet, nachdem bereits in etlichen anderen Städten Corona-Mutanten aufgetaucht sind“, sagte die Oberbürgermeisterin. Im Lenkungskreis zur Pandemie habe man sich in einem „Trockentraining“ auf einen solchen Fall vorbereitet.

Mobile Teams werden nun alle Bewohner der Asylbewerberunterkunft in der Mannheimer Straße auf eine Corona-Infektion untersuchen. „Bei einem positiven Ergebnis werden die Betroffenen getrennt und in andere Unterkünfte gebracht“, sagte Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD). Hierfür seien entsprechende Vorbereitungen getroffen. In der Unterkunft wohnen 157 Männer, vornehmlich im Alter von 30 bis 40 Jahren.

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„Ein Großteil von ihnen geht tagsüber arbeiten, ist daher nicht immer in der Unterkunft“, erklärte die Beigeordnete. Deshalb sei es umso wichtiger, dass die Ausbreitung der Mutation eingedämmt werde. „Sehr schnell könnte sonst die Inzidenz wieder stark nach oben gehen“, ergänzte Steinruck.

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Die Unterkunft wurde unter Quarantäne gestellt. Die Verwaltung übernimmt die Bewachung sowie die Versorgung etwa mit Lebensmitteln und Medikamenten. Der Asylstandort wird nach Steegs Angaben täglich gereinigt und desinfiziert. Zudem seien FFP2-Masken an die Bewohner ausgegeben worden. „Mit Aushängen in mehreren Sprachen weisen wir auf die Einhaltung der Corona-Hygieneregeln hin“, so Steeg. Aufgrund der früheren Vorfälle könne man auf ein eingespieltes Verfahren zurückgreifen.

In dieser Unterkunft war bereits im April 2020 ein größerer Corona-Ausbruch aufgetreten. Von den damals 171 Bewohnern hatten sich 83 infiziert. Alle Geflüchtete wurden untersucht und die Einrichtung vier Wochen lang unter Quarantäne gestellt. Die Infizierten und ihre direkten Kontaktpersonen brachte die Verwaltung an anderen Standorten im Stadtgebiet unter.

Über das weitere Vorgehen sei die Verwaltung in einem engen Kontakt etwa mit dem Gesundheitsamt, ergänzte die Oberbürgermeisterin.

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Redaktion MM-Redakteur seit 1984, zuständig für den Bereich Ludwigshafen - mit all seinen Facetten

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