Sicherheit: - Peter Traub, scheidender Leiter der Polizeidirektion, blickt auf Chemieunglücke und Kohl-Beerdigung zurück Spezialist für spektakuläre Großeinsätze: Ludwigshafener Polizeidirektor Peter Traub blickt zurück

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Thomas Schrott
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„Ich war gerne Polizist“: Als Chef von 470 Mitarbeitern geht Direktionsleiter Peter Traub in den Ruhestand. © Christoph Blüthner

Ludwigshafen. Er ist gerade auf dem Weg zu einer Geburtstagsfeier in Mannheim, als ihn der Anruf ereilt und er kurzerhand den Polizeieinsatz beim 17-stündigen Großbrand auf der Parkinsel 2013 übernimmt. Spektakuläre Herausforderungen muss Peter Traub als Leiter der Polizeidirektion Ludwigshafen immer wieder bewältigen. Er leitet etwa die Einsätze bei der Gasexplosion in Oppau 2014, bei der Geiselnahme in Frankenthal 2010 sowie bei den Beisetzungsfeierlichkeiten für Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl 2017. „Das war stets nervenaufreibend. In diesen Fällen spürt man die hohe Verantwortung“, sagt der 63-Jährige. Auf solche Situationen könne man sich kaum vorbereiten. „Dabei hilft nur eine Grundzuversicht durch positive Erfahrungen bei anderen Einsätzen“, blickt Traub zurück. Nach 45-jähriger Tätigkeit bei der Polizei geht er nun in den Ruhestand – mit einem guten Gefühl. „Insgesamt war es eine beglückende und erfüllende Tätigkeit“, so sein Fazit.

Chef von 600 Mitarbeitern

  • Peter Traub wuchs in der Westpfalz auf. Sein Vater war ebenfalls Polizist.
  • Er war zunächst fünf Jahre lang als Streifenpolizist in Haßloch tätig, danach Dienstgruppenleiter in Bad Dürkheim und stellvertretender Inspektionsleiter in Neustadt.
  • 2000 wurde er Chef der Polizeiinspektion Ludwigshafen 1. Von 2007 bis 2011 war Dozent der Fachhochschule auf dem Hahn.
  • Ab 2011 leitete er erneut die Inspektion Ludwigshafen 1. Vier Jahre später wurde er Leiter der Polizeidirektion Ludwigshafen. Die Direktion umfasst fünf Inspektionen zwischen Frankenthal und Speyer und hat rund 600 Mitarbeiter.
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Als wohl größte Herausforderung bezeichnet er die dramatische Situation in Oppau, als zehn Meter hohe Flammen nach der geborstenen Hochdruckgasleitung Häuserfronten und Autos ansengen und Kunststoffteile verformen. „Damals hielten alle den Atem an, weil eine Ausbreitung der Flammen zunächst nicht ausgeschlossen wurde. Deshalb musste ich den Radius der Absperrungen erweitern, was sehr schwierig war“, berichtet Traub.

1000 Beamte bei Trauerfeier

Ähnlich dramatisch gestaltet sich die Situation ein Jahr zuvor auf der Parkinsel. Nach dem Lagerhallenbrand mit Styropor-Granulat bildet sich eine Mega-Rauchwolke über Ludwigshafen und Mannheim. Auch hier kümmert sich der Polizeidirektor um Absperrungen des Unglücksorts, Umleitungsstrecken und hält engen Kontakt mit der Feuerwehr. „Extrem viele Schaulustige verfolgten den Brand auf der anderen Seite des Luitpoldhafens und brachten sogar ihre Kinder mit“, erzählt er. Immer wieder werden Absperrbänder ignoriert oder sogar entfernt. „Wenn sich der Wind gedreht hätte, wäre das Unglück nicht so glimpflich abgegangen.“

„Unglaublich intensiv“ war die Vorbereitung für die Beerdigung des Altkanzlers. „So viele Leute habe ich zuvor noch nie bei Besprechungen gesehen“, erzählt Traub. Vertreter von Landes- und Bundesbehörden sowie Kanzleramt sind eingebunden bei der Planung, wie der Sarg nach der Trauerfeier in Straßburg nach Deutschland gebracht, durch Ludwigshafen gefahren und zur Trauerfeier in den Speyerer Dom gebracht wird. Bereits einen Tag nach Bekanntwerden des Tods von Helmut Kohl ist Traub bei der Witwe in Oggersheim – für erste Gespräche zum Ablauf der Trauerfeierlichkeiten.

VW Käfer als Dienstwagen

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„Bei der Planung gab es permanente Änderungen und Unwägbarkeiten, welche Staatsgäste kommen“, blickt Traub zurück. Letztlich sind gut 1000 Beamte im Einsatz, um Gäste wie Bundeskanzlerin Angela Merkel oder den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton zu schützen. „Es war ein immenser logistischer Aufwand, hinzu kamen hohe Erwartungen aus dem In- und Ausland.“ Nach der Abreise der Gäste ist Traub ausgelaugt und muss mit leichtem Fieber das Bett hüten.

Auch wenn er nach außen hin stets ruhig und besonnen wirkt, gehen nicht alle Einsätze spurlos an ihm vorbei. Diese Erfahrung macht der aus einem kleinen westpfälzischen Dorf stammende Polizistensohn bereits als Streifenbeamter in Haßloch im Jahr 1976. Ein nächtlicher Verkehrsunfall mit zwei Toten und fünf Schwerverletzten brennt sich nachhaltig in sein Gedächtnis ein. „Wir müssen den Kollegen nach ihren traumatischen Einsätzen Rückhalt geben“, zieht Traub eine Lehre daraus.

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Seitdem hat sich die Polizei vielfach stark gewandelt. „Damals hatten wir noch einen VW Käfer als Dienstwagen. Da war es gar nicht so einfach, einen Festgenommenen in den Wagen zu bugsieren. Für Kopien mussten wir zur Gemeindeverwaltung fahren, weil es auf der Wache keine Geräte gab“, erzählt Traub.

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Auch die Ausbildung hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark verändert“. Früher war sie militärisch geprägt, mittlerweile werden die Polizisten umfassender ausgebildet auch in puncto Staatsrecht, Grundrechte und Psychologie. Mehrere Jahre lang kümmert sich auch Traub um die Ausbildung des Nachwuchses – als Dozent einer Polizeischule zum Thema Einsätze.

Zufrieden schaut der leidenschaftliche FCK-Fan auf einen vierwöchigen Polizeieinsatz während der Fußball-WM 2006 in Kaiserslautern zurück. Sein Vater hat ihn schon als Zehnjährigen auf den Betzenberg mitgenommen, seitdem hält Traub dem Verein trotz durchwachsener Leistungen die Treue. „Die Liebe kennt keine Liga“, lautet sein Motto. Auch anderswo schaut er sich gerne Fußballspiele an, so war er schon in Barcelona, in Liverpool oder Glasgow – verbunden mit einem Städtetrip zusammen mit seiner Frau.

Ein Spiel mit Real Madrid hat sich Traub für den Ruhestand aufgespart. Bis das Reisen Corona-bedingt wieder möglich ist, pflegt er andere Hobbys. Jede Woche erkundet der Neustadter einen anderen Wanderweg im Pfälzerwald und probiert alte Backrezepte seiner Mutter aus.

Redaktion MM-Redakteur seit 1984, zuständig für den Bereich Ludwigshafen - mit all seinen Facetten