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 Coronavirus - Testergebnisse bei Bewohnern in Oggersheimer Asylunterkunft negativ / Verwaltung: Mutante wahrscheinlich ein Einzelfall Sperre von 15 Kilometern kommt nicht

Von 
Thomas Schrott
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Die Asylunterkunft in der Mannheimer Straße, in der der Mann mit der Corona-Mutante wohnt, ist weiträumig abgesperrt. © Thomas Tröster

Ludwigshafen. Überraschende Wende am Freitagabend: Die Stadtverwaltung wird entgegen ihrer Ankündigung doch keine Bewegungssperre im Radius von 15 Kilometern für die Bürger verhängen. Grund: Die Corona-Testergebnisse bei den Bewohnern der Oggersheimer Asylunterkunft haben keine weiteren Infektionen gezeigt, teilte die Verwaltung mit. Alle getesteten Personen seien nachweislich nicht erkrankt. Bei der festgestellten Corona-Mutante handle es sich sehr wahrscheinlich um einen Einzelfall. Noch am Nachmittag hatte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) auf Nachfrage dieser Redaktion erklärt, dass das Land grundsätzlich einer Bewegungssperre zugestimmt habe.

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Auch wenn die Allgemeinverfügung nun doch nicht verschärft wird, müssen die Bewohner der Asylunterkunft als Kontaktperson ersten Grades in der Einrichtung bleiben. Mit einer umfassenden Teststrategie wird die Stadt nach eigenen Angaben in der kommenden Woche die Situation begleiten und dann entscheiden, wie lange die Quarantäne aufrechterhalten werden muss.

„Das heutige Testergebnis hat uns überrascht und erleichtert zugleich. Wir können daher im Sinne einer Abwägung der Rechtsgüter zunächst darauf verzichten, die Menschen in Ludwigshafen mit einer schwerwiegenden Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit zu belasten“, sagte Steinruck und fügte hinzu: „Corona zwingt uns immer wieder zu schnellem Handeln, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen.“

Kritik von CDU und FDP

Die Verwaltung hatte weitere Beschränkungen angekündigt, nachdem bei einem Bewohner der Asylunterkunft eine vermutlich hochansteckende Corona-Mutante festgestellt worden war. Er war wegen einer anderen Erkrankung ins Klinikum gekommen und hat nach Auskunft der Ärzte milde Symptome.

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Die angekündigte Bewegungseinschränkung war bei CDU, FDP und der Fraktion Grüne und Piraten auf Kritik gestoßen. „Wir können die Sinnhaftigkeit nicht nachvollziehen“, so CDU-Fraktionschef Peter Uebel. „Das Auftreten der Mutationen im Stadtgebiet war lediglich eine Frage der Zeit und verwundert nicht.“ Eine Einschränkung des Bewegungsraums bringe für den Infektionsschutz in der dicht besiedelten Metropolregion keinen Vorteil. Die bisherigen Maßnahmen der konsequenten Quarantäne, Kontaktbeschränkung und zügigen Impfstrategie seien vorrangig und effektiv.

Nach Ansicht der FDP würde eine Bewegungssperre das Recht der persönlichen Handlungsfreiheit unangemessen einschränken und sei eine vorschnelle Maßnahme, ohne Evidenz ihrer Wirkung. Nach neuen Laborerkenntnissen aus Koblenz seien acht Prozent aller Infektionen durch Mutationen ausgelöst. Die Fraktion Grüne und Piraten hält die Bewegungssperre ebenfalls für wenig zielführend. Die Linken sehen dies indes ganz anders. „Jetzt ist schnelles und konsequentes Handeln gefragt, bevor wir im Endspurt Zehntausende von Menschenleben verlieren“, so Fraktionschef Liborio Ciccarello.

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Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hatten am Freitagmorgen die Testungen begonnen. Die Polizei sperrte den Bereich großräumig ab. Zusammen mit dem Kommunalen Vollzugsdienst sorgten die Beamten dafür, dass keine Asylbewerber die Unterkunft verlassen. „Viele Bewohner, die arbeiten gehen, haben Angst um ihre Stelle. Deshalb haben wir die Arbeitgeber informiert“, sagte Steinruck, die mit Ordnungsdezernent Andreas Schwarz (SPD) und Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) vor Ort war. Mitarbeiter des Klinikums und der Ärzteorganisation GO-LU beteiligten sich an den mobilen Teams, die die Abstriche vornahmen. Die Testungen erfolgen im Freien, wobei Partyzelte Schutz gegen den Regen gaben.

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Die Bürgerinitiative „Respekt: Menschen!“ kritisiert, dass vorbeugende Maßnahmen in der Unterkunft nicht ergriffen worden seien, „außer dass Infoplakate aufgehängt wurden“. Die Männer lebten weiterhin auf engem Raum mit unzureichender Hygiene. Die Unterbringung der Flüchtlinge sei nicht entzerrt worden, obwohl es anderswo inzwischen viel Platz gebe. Bei einem Corona-Ausbruch in der Unterkunft im April 2020 hatten sich 83 Bewohner infiziert.

Redaktion MM-Redakteur seit 1984, zuständig für den Bereich Ludwigshafen - mit all seinen Facetten