Klinikum - Zehnte Klassen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums werfen Blick hinter die Kulissen / Vorbereitung auf Sozialpraktikum Schüler entdecken Krankenhaus-Alltag

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kge
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Vor den Augen seiner Klassenkameraden lernt Schüler Hannes Wahl, worauf es bei der Reanimation eines Menschen ankommt. © Geiler

Ludwigshafen. Am Klinikum Ludwigshafen herrschte einen Tag lang Ausnahmezustand – aber ein sehr erfreulicher, denn rund 100 Schüler der zehnten Klassen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums hatten ihren Workshop-Tag und durften einen Blick in verschiedene Bereiche werfen. Da im elften Schuljahr ein Sozialpraktikum ansteht, ist dieser Schnuppertag die ideale Vorbereitung. Es gab vier Bereiche, die die vier Klassen durchliefen: Herzintensiv-Station, Zentral-OP, Sterilgutaufbewahrung und Dialyse.

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In manchen Bereichen hatten sie direkten Kontakt zu Patienten. „Wir fragen die Patienten vorher, ob es für sie in Ordnung ist, wenn die Schüler kommen. Sie freuen sich sogar über die Abwechslung“, sagte Kerstin Koch-Bitsch, Mitarbeiterin der ärztlichen Direktion. Zusammen mit Sascha Titz, Leiter der Intensivstation, organisierte sie den Ablauf. Zwischen den Stationen im Tagesplan gab es eine Pause, in der sich die Schüler austauschen konnten.

Auch gegenüber den sozialen Netzwerken ist das Klinikum aufgeschlossen. „Die Jugendlichen können jederzeit Fotos machen und posten, nur nicht von Patienten“, so Koch-Bitsch. Die Aufgeschlossenheit hat einen bestimmten Grund: Das Klinikum möchte die Schüler zu einer medizinischen Laufbahn motivieren, denn es bietet Ausbildungen in vielen Bereichen an.

Die Kooperation des Gymnasiums mit dem Klinikum besteht seit längerer Zeit, da die Jazz-Band und die Theater-AG der Schule hier ihre Aufführungen hatten. „Ich war mit meiner Klasse gerade beim Wiederbeleben, die Schüler waren sehr engagiert und haben gepumpt wie die Wilden. Im letzten Jahr gab es nach dem Workshop-Tag etwa 50 Bewerbungen für das Berufspraktikum in der elften Klasse“, sagte Lehrerin Ulrike Kistenmacher-Dörr. „Ich habe gerade Reanimation ausprobiert, es ist schwieriger als gedacht, das Drücken braucht viel Kraft“, so Schülerin Gülbahar Gümüs. „Ich überlege, ob ich eine Ausbildung als Pflegerin hier machen soll, da ich es gut finde, Menschen zu helfen.“

Schlechte Ersthelferquote

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In der Kardiologie wurde den Schülern vermittelt, wie wichtig das Thema Reanimation ist – und dass es in Deutschland vernachlässigt wird. „Es ist wichtig für den Alltag, es könnten 25 Prozent mehr Leben gerettet werden“, sagte Schüler Yannick Strickler. „Dank der Übung würde ich mich trauen, es im Notfall anzuwenden“, berichtete Marco Yompang. Der Test-Dummy musste einiges aushalten. „Stellt euch vor, ihr seid im Globus, und da liegt einer leblos im Gang“, schilderte Mitarbeiter Jonas Hofmann das Szenario. Dann begann er mit Pumpen. „Hey du, mach weiter“, rief er einem Schüler zu. Dieser folgte seinem Beispiel und übernahm. „Ihr fordert jemanden auf, zu übernehmen. So geht das, bis der Einsatzwagen kommt.“ In Deutschland liege die Quote der Ersthelfer bei 39 Prozent, in anderen Ländern sei sie deutlich höher.