Rheingönheim - Zehn Meter hohe Giebelwand teilweise auf Nachbarhaus gestürzt / Gutachter wird eingeschaltet „Scheune war wohl baufällig“

Von 
Thomas Schrott
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Ein riesiges Loch klafft im Giebel der ehemaligen Tabakscheune. Vorne der beschädigte Anbau. © Keiper

Ludwigshafen. Der Einsturz einer Giebelwand in der Rheingönheimer Carolistraße ist am Mittwochabend wohl auf eine altersbedingte Baufälligkeit der Scheune zurückzuführen. Dies erklärte eine Polizeisprecherin am Donnerstag auf „MM“-Nachfrage. „Das Gebäude ist gut 100 Jahre alt. Durch die starken Regenfälle in den vergangenen Tagen haben die Steine so viel Wasser aufgenommen, dass der Giebel nicht mehr standsicher war“, vermutete der technische Einsatzleiter der Feuerwehr, Stephan Schröder. Die zehn Meter hohe Wand war teilweise auf den benachbarten Anbau eines kleinen Einfamilienhauses gestürzt. Verletzt wurde niemand, da sich in keinem der Gebäude Menschen aufgehalten hatten. Die Bewohner des nun gesperrten Hauses, zwei Erwachsene und zwei Kinder, kamen kurzfristig bei Verwandten oder Bekannten unter.

Zehnstündiger Einsatz

  • Die Feuerwehr wurde von Anwohnern um 17.58 Uhr alarmiert. Sie rückte mit vier Fahrzeugen und 21 Mann aus.
  • Das THW Ludwigshafen beteiligte sich mit 30 Helfern. Im Einsatz waren auch Sanitäter, Polizei und der kommunale Vollzugsdienst.
  • Die Feuerwehr beendete ihre Aktion um 4 Uhr.
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Die Stadtverwaltung veranlasste die Einschaltung eines Gutachters, der die Standsicherheit der Gebäude untersucht. „Er soll auch die Frage klären, ob eine Instandsetzung noch möglich ist oder ein Abriss geboten ist“, sagte ein Sprecher. Danach entscheide die Bauaufsicht, ob sie weitere Schritte unternimmt.

Ein riesiges Loch klafft nun in der 15 Meter breiten Giebelwand, die früher wohl als Tabakscheune genutzt wurde, wie Ortsvorsteher Wilhelm Wißmann erklärte. Freigelegt wurde auch ein Teil des Dachstuhls und der Dachziegel.

„Angesichts der Dunkelheit mussten wir sehr behutsam vorgehen, hatten die Situation aber schnell stabilisiert“, berichtete der technische Einsatzleiter. Die Feuerwehr war von Nachbarn alarmiert worden und rückte mit 21 Mann und vier Fahrzeugen aus.

30 THW-Helfer beteiligt

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„Aus Sicherheitsgründen räumten wir vorübergehend ein weiteres angrenzendes Haus“, sagte Schröder. Wegen des Einsatzes im eng bebauten Ortskern blieben die Carolistraße und Teile der Sandgasse für den Verkehr gesperrt. Um die Stabilität der Scheune besser abschätzen zu können, zog die Feuerwehr einen Bauexperten des Technischen Hilfswerks hinzu. Herabstürzende Steine hatten das Dach des Anbaus beschädigt. „Provisorisch dichteten wir die betroffenen Stellen ab, damit der anhaltende Regen keinen weiteren Schaden anrichten kann“, sagte Schröder.

Unterstützt wurden die Feuerwehrleute dabei von 30 Kräften des Technischen Hilfswerks (THW). Sie halfen dabei, die Unglücksstelle gut auszuleuchten.

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Die Feuerwehr kontaktierte noch einmal den Wetterdienst zur Frage, ob in den nächsten Stunden nicht ein Sturm aufzeihen würde – was aber nicht der Fall war. Erst gegen 4 Uhr verließen die Rettungskräfte den Unglücksort. Um in der Zwischenzeit die Einsatzbereitschaft im Stadtgebiet sicherzustellen, waren zur Unterstützung die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte und die Feuerwehr Frankenthal angefordert worden.

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Wie lange das Einfamilienhaus in der Carolistraße gesperrt bleibt, ist unklar. Bis auf weiteres sei der Zutritt untersagt, so der Stadtsprecher. Zur Höhe des Schadens machte er keine Angaben. Nach Angaben des Ortsvorstehers gab es in Rheingönheim früher schon einmal einen Einsturz eines Giebels – aber an einem Wohnhaus. An einen solch massiven Vorfall wie am Mittwochabend in der Carolistraße kann sich indes der Einsatzleiter der Feuerwehr nicht erinnern. Im Juni 2018 war zwar der Kamin bei der Oggersheimer Mayerbrauerei teilweise eingestürzt. Grund dafür war aber keine altersbedingte Schädigung, sondern ein vorangegangener Blitzschlag.

Redaktion MM-Redakteur seit 1984, zuständig für den Bereich Ludwigshafen - mit all seinen Facetten