Landgericht: Nach fingierten Verkehrsunfällen sollen Versicherungen 173 000 Euro bezahlt haben / "Auffällige Häufung" Rechtsanwalt wegen Betrügereien angeklagt

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Ein 40-jähriger Rechtsanwalt aus Ludwigshafen muss sich seit gestern vor dem Frankenthaler Landgericht wegen Betrugs in 21 Fällen verantworten. "Es kommt unter Umständen wegen Missbrauchs der beruflichen Pflichten die Anordnung eines Berufsverbots in Betracht", sagte Staatsanwalt Lutz Pittner.

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Nach Pittners Angaben hat der Anwalt im Zeitraum vom März 1999 bis Juni 2002 Schadensersatzansprüche aus Verkehrsunfällen mit Haftpflichtversicherungen abgewickelt, obwohl ihm bekannt gewesen sein soll, dass diese Verkehrsunfälle provoziert waren. Die Versicherungen sollen insgesamt rund 173 000 Euro gezahlt haben. Der Angeklagte habe Anwaltshonorare von knapp 14 000 Euro erhalten.

Der Staatsanwalt führte alle 21 Fälle auf, in der eine Gruppe von mazedonischen Mandanten des Angeklagten Unfälle an Autobahn-, Brücken- und Schnellstraßenauffahrten beim Einfädeln durch grundloses, abruptes Bremsen Unfälle provoziert hätten. Dadurch sei es zu Auffahrunfällen etwa an der Heinigstraße Richtung Bad Dürkheim oder an der Kurt-Schumacher-Brücke Richtung Mannheim gekommen.

Die "auffahrenden" Autofahrer erlitten meist Schleudertraumata, Prellungen und Armbrüche und wurden in ihrer Haftpflichtversicherung höher gestuft. Der Angeklagte, der sich von zwei Kollegen vertreten lässt, schwieg zu den Vorwürfen.

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Ein Kriminalkommissar berichtete von einer "auffälligen Häufung" von Mandanten im Vergleich zu anderen Anwälten. Ein 38-jähriger Unfallverursacher aus Ludwigshafen, der 2003 zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und drei Monaten wegen 13 Betrugsfällen verurteilt wurde, gab als Zeuge an, dass der Anwalt von den fingierten Unfällen gewusst habe. "Ich habe ihm gesagt, dass ich weitere Unfälle mache und weitere Kunden bringe", so der Ex-Mandant.

Richter Rainer Delventhal las ihm seinen regen Briefverkehr mit beleidigendem Charakter aus der Haftanstalt an die Staatsanwaltschaft bezüglich Zeugenaussagen gegen Hafterleichterung und Nichtabschiebung vor. "Es hat Spaß gemacht", sagte der Zeuge als er den Gerichtssaal verließ. Der Prozess wird am 17. März fortgesetzt. jom