Prävention - Gesundheitstag für Mitarbeiter der Stadtverwaltung / Hoher Krankenstand soll bekämpft werden Rathaus wird zum Fitnessstudio

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Martin Geiger
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Bauch rein, Brust raus: Im Rathaus demonstrierten Experten gestern auch Sportgeräte und -übungen.

© Rittelmann

Im Sitzungszimmer 1 des Rathauses treffen sich normalerweise Stadträte zu Ausschusssitzungen, doch nach Normalität sieht es gestern nicht aus: Tische und Stühle sind beiseite geräumt, aus einem Ghettoblaster an der Wand wummert maorische Kriegsmusik, und im Raum verteilt stehen etwa 50 Frauen und Männer, die sich rhythmisch dazu bewegen, angefeuert von einer drahtigen Trainerin ("vier noch, drei, zwei und entspannen"). Aroha nennt sich das Ganze, ein Trainingsprogramm für den ganzen Körper, das Elemente von Kung-Fu und Tai-Chi enthält - und Teil des Gesundheitstags für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung ist.

Beschäftigte bei der Stadt

Nach der BASF ist die Stadt der zweitgrößte Arbeitgeber in Ludwigshafen.

Etwa 3000 Beschäftigte sind direkt bei ihr angestellt. Der Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen (WBL) beschäftigt als Eigenbetrieb der Stadt zudem rund 600 Mitarbeiter, die etwa den Müll entsorgen oder für den Winterdienst verantwortlich sind.

Von allen Mitarbeitern sind etwa 600 Beamte, die übrigen Angestellte.

Mit einem Frauenanteil von 54 Prozent ist das Geschlechterverhältnis fast ausgeglichen. Rund zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten Vollzeit.

Die jährlichen Gehaltszahlungen belaufen sich auf rund 141 Millionen Euro.

Doppelt so häufig krank

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Nach 2008 gibt es zum zweiten Mal eine solche Aktion, bei der sich die rund 3000 Mitarbeiter einen Tag lang während ihrer Arbeitszeit informieren können, auf potenzielle Probleme aufmerksam gemacht werden und Gegenmittel ausprobieren dürfen: gemäß dem Motto "Stress und Rücken" vor allen Dingen rund um diese Themen.

Wichtig ist das, so Bürgermeister Wolfgang van Vliet bei der Eröffnung, weil "unsere Arbeitswelt sehr schnelllebig geworden ist. Tempo und Belastungen haben angezogen, Arbeit und Freizeit verschmelzen mehr und mehr." Er gibt aber auch zu, "dass wir ein Problem haben, weil wir sehr hohe Fehlzeiten haben". So waren die städtischen Mitarbeiter in den vergangenen Jahren im Durchschnitt in etwa doppelt so häufig krank wie andere Beschäftigte in Deutschland. 2011 lag der Krankenstand bei der Stadt etwa bei 7,8 Prozent, während er bundesweit durchschnittlich 3,9 Prozent betrug. Neuere Zahlen liegen laut Verwaltung nicht vor.

Dieser Entwicklung soll unter anderem mit dem Gesundheitstag entgegengewirkt werden - was Cordula Berweck die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Die 50-jährige technische Zeichnerin arbeitet im Stadtplanungsamt, sitzt praktisch den ganzen Tag am Computer, hat Rückenprobleme und auch deswegen eben am Aroha-Kurs im Sitzungszimmer 1 teilgenommen. "Das macht Lust auf mehr", sagt sie, "man merkt, es bringt was, und alles, was mit Musik zu tun hat, kommt mir sehr entgegen." So wie übrigens der ganze Gesundheitstag, den sie toll findet: "Man weiß zwar, dass man etwas tun muss, aber man braucht immer wieder einen Anstoß."

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Den bekommen insgesamt mehrere Hundert Beschäftigte an diesem Tag, sei es beim Yoga, beim Gehirntraining, während einer Massage, beim Mobilisieren der Rücken- und Nackenmuskeln oder an einem der rund einem Dutzend Infostände: Dort wird etwa der Körperfettanteil analysiert, die richtige Sitzhaltung mittels Videokamera und Computer ermittelt oder über den täglichen Wasserbedarf aufgeklärt.

Tipps zur richtigen Sitzhaltung

Auch Dr. Jörg Dahlhaus vom Mannheimer Institut für Bewegungsmedizin leistet ein paar Meter weiter Aufklärungsarbeit. Im Stadtratssaal hält er einen der Vorträge. Sein Thema: Rücken in Balance.

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Diese zu halten, ist gar nicht so schwer, sagt er seinen etwa 70 Zuhörern: "Das Beste, was Sie machen können, ist möglichst häufig Ihre Sitzhaltung zu verändern." Auch sich mal in den Stuhl "reinlümmeln" sei dabei erlaubt. Und spätestens alle zwei Stunden aufstehen, fordert der Sportwissenschaftler und Mediziner: "Eine Unterbrechung von einer Minute reicht schon. Holen Sie sich beispielsweise bewusst einen Kaffee oder gehen Sie zum Drucker."

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Tina Kempf, die in der Buchhaltung arbeitet, "außer in der Mittagspause die ganze Zeit sitzt" und gerade aufmerksam zugehört hat, will diese Ratschläge künftig beherzigen, sagt die 32-Jährige. Und fügt hinzu, dass ihr nicht nur der Vortrag gefallen hat, sondern der Gesundheitstag insgesamt: "Das ist eine gute Sache. Könnte ruhig öfter sein."

Nach der BASF ist die Stadt der zweitgrößte Arbeitgeber in Ludwigshafen.

Etwa 3000 Beschäftigte sind direkt bei ihr angestellt. Der Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen (WBL) beschäftigt als Eigenbetrieb der Stadt zudem rund 600 Mitarbeiter, die etwa den Müll entsorgen oder für den Winterdienst verantwortlich sind.

Von allen Mitarbeitern sind etwa 600 Beamte, die übrigen Angestellte.

Mit einem Frauenanteil von 54 Prozent ist das Geschlechterverhältnis fast ausgeglichen. Rund zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten Vollzeit.

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