Klinikum Ludwigshafen - 18 Soldaten unterstützen Team der Geriatrie / Patienten mit schweren Covid-Verläufen werden alltagsfit gemacht Pflegehelfer in Tarnfarben

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Julian Eistetter
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Soldaten als Pfleger (v.l.): Oberfeldwebel Michael Sternberg, Stabsgefreite Sophia Korth, Stationsleiterin Doris Hümmerich und Oberstleutnant Peter Wendling. © Ben Pakalski

Ludwigshafen. Auf den Intensivstationen des Ludwigshafener Klinikums kämpfen seit Monaten Covid-19-Patienten ums Überleben. Teilweise werden sie beatmet, teilweise versorgen Maschinen ihr Blut künstlich mit Sauerstoff, weil der eigene Körper nicht mehr dazu in der Lage ist. Wer den Kampf gewinnt, kann meist nicht ohne weiteres in den Alltag zurückkehren. „Die oft älteren Menschen brauchen Raum zur Erholung. Sie müssen Lungentraining machen und ihre Alltagskompetenzen zurückerlangen. Sich waschen. Laufen“, berichtet Doris Hümmerich, Leiterin der Geriatrie. Ihre Abteilung ist in der Pandemie zur Post-Covid-Station umfunktioniert worden, in der Patienten mit schweren Verläufen wieder fit gemacht werden. Seit Weihnachten helfen 18 Soldaten der Bundeswehr in Hümmerichs Team mit.

Neuer Alltag

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Sophia Korth, 20 Jahre, ist seit Wochen als Pandemie-Bekämpferin im Einsatz. Die Stabsgefreite ist Teil des Sanitätsregiments 2, das in der Koblenzer Falckenstein-Kaserne stationiert ist. In der Heimat war die junge Frau seit Ende November aber nur wenige Tage. Nach Ausbruch der Pandemie hat sie sich freiwillig gemeldet, um bei Amtshilfeanträgen einzuspringen. Nach einem knapp vierwöchigen Einsatz in einem Mainzer Schnelltestzentrum packt sie seit dem ersten Weihnachtsfeiertag in der Geriatrie des Klinikums mit an.

„Das ist für mich komplettes Neuland“, sagt Korth über die Arbeit mit Senioren. Die Soldaten seien vom Team aber sehr gut aufgenommen worden. „Wir gehen täglich durch die Zimmer, sprechen mit den Patienten, messen Blutdruck, verteilen das Frühstück oder helfen beim Waschen“, berichtet die 20-Jährige vom neuen Alltag. Die oft über 75-jährigen Patienten seien den Soldaten gegenüber sehr aufgeschlossen, so Korth. „Es gibt viele interessante Gespräche.“ Und auch sonst gibt die Arbeit in der Geriatrie der jungen Frau viel. „Es freut mich, den Menschen, die hier so geschwächt ankommen, durch Unterstützung und Motivation zu helfen, damit es Tag für Tag besser wird“, sagt sie. „Wir können hier einen Teil dazu beitragen, dass sie wieder in ihr normales Leben zurückkehren können.“

Dass er mal einen Bundeswehreinsatz in der Geriatrie erleben würde, daran hat Oberstfeldwebel Michael Sternberg vor seiner Laufbahn nicht gedacht. „Aber es ist selbstverständlich, dass ich in so einer Situation helfe“, sagt der 31-Jährige aus Montabaur. „Das ist mit ein Grund, warum ich Soldat geworden bin.“ Den Anruf, dass er am Ludwigshafener Klinikum helfen soll, habe er am 23. Dezember erhalten. Am 25. Dezember sei es losgegangen.

Schnell zusammengewachsen

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Die Arbeit hat Sternberg von Beginn an gefallen. Und bei den Patienten sehe er keine Spur von Skepsis. „Viele ältere Männer waren früher selbst Soldaten und erzählen aus damaligen Zeiten“, sagt der 31-Jährige. Besonders gerührt habe ihn ein Patient, der ihn beim Betreten des Krankenzimmers immer mit dem Dienstgrad angesprochen habe.

Das Arbeiten in der Geriatrie ist allerdings frei von jeder Hierarchie. „Das ist schon ein großer Unterschied zur Bundeswehr. Wir sind hier unabhängig vom Dienstgrad alle gleichgestellt.“ Für den Oberfeldwebel eine besondere Erfahrung. Ebenso wie die freudigen Momente, wenn die Patienten nach ihrer langen Leidenszeit das Krankenhaus wieder verlassen können.

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Gekannt haben sich die 18 Soldaten, die in der Geriatrie aushelfen, zuvor nicht. „Aber man wächst schnell zusammen“, sagt Sternberg. Auch mit dem Personal des Klinikums. „Ich bin wirklich angetan, wie interessiert die Soldaten sind. Ob Fallschirmjäger, oder Bombenentschärfer, hoher oder niedriger Dienstgrad – das ist hier alles irrelevant“, sagt Stationsleiterin Hümmerich. „Mein Team sieht das als große Bereicherung. Die Soldaten arbeiten sehr lösungsorientiert und im Mittelpunkt steht der Patient.“

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30 Betten stehen auf der Post-Covid-Station zur Verfügung. 14 Tage bleiben die Patienten in der Regel in Behandlung. „Durch die personelle Verstärkung spüren sie, dass Menschen da sind, die sich Zeit für sie nehmen können. Das ist sehr wichtig“, so Hümmerich. Bis Mitte Februar sei der Amtshilfeantrag bewilligt. Wie es danach weitergeht, ist offen. Auch für Korth und Sternberg. „Natürlich würde ich nach so langer Zeit gerne die Familie wiedersehen. Aber wenn ich hier noch gebraucht werde, dann würde ich auch noch länger bleiben“, sagt der Oberfeldwebel.

Redaktion Reporter Region, Koordinator Neckar-Bergstraße und Ausbildungsredakteur