Gericht: Ausweise und Verdienstbescheinigungen gefälscht Paar betrügt Autohändler in der Region

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Hanna Fischer

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Während die Staatsanwältin Sabine Groh ihr Plädoyer hält, verzieht der Angeklagte mit der gedrungenen Statur und dem breiten Kreuz keine Miene. Seine zierliche Lebensgefährtin ist mit angeklagt, sie verbirgt ihr Gesicht in den Händen, die ersten Tränen fließen. Der 35-jährige Journalist und die 31-Jährige sind gestern vom Amtsgericht zu Freiheitsstrafen verurteilt worden: Der 35-Jährige muss für zwei Jahre und sechs Monate hinter Gitter, die arbeitslose Chemielaborantin kommt mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten davon.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden bereits vorbestraften Kameruner am 31. Oktober und am 14. November vergangenen Jahres mit gefälschten Ausweisen und einer gefälschten Verdienstbescheinigung eines erfundenen Arbeitgebers zwei Autos von Händlern aus Speyer und Weinheim gekauft haben. Der Gesamtwert der Fahrzeuge: rund 25 000 Euro.

"Von Frau betrogen"

Am 19. November startete der 35-Jährige - diesmal ohne seine Komplizin und in einem Mannheimer Autohaus - erneut einen Versuch, mit dieser Masche an ein Fahrzeug zu kommen. Doch bei dem Autohändler regten sich Zweifel an der Echtheit der Dokumente. Nur einen Tag später wurden die beiden Täter festgenommen. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei Pkw bereits per Schiff auf dem Weg nach Kamerun, dort wollte der 35-Jährige die Wagen verkaufen. Mit dem Geld war eine Reise nach Kamerun zu den Verwandten der 31-Jährigen geplant - gebucht war der Flug bereits. Noch vor dem letzten Betrugsversuch eröffneten die beiden Kameruner unter falschen Namen zwei Konten bei einer Bank in Worms.

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Beide Angeklagte gestanden die Taten. "Weil ich in einer familiär und finanziell sehr schwierigen Lage war, bin ich in Versuchung geraten und habe mich zu solchen Unverantwortlichkeiten hinreißen lassen", so der Kameruner. Er sei von seiner Frau mit einem anderen Mann betrogen worden, von dem sie auch noch ein Kind bekommen habe. Seine Taten nannte er "verrückte Abenteuer" und entschuldigte sich bei "allen, denen ich damit Schaden zugefügt habe." Seine Lebensgefährtin nahm er in Schutz: "Sie hat nur unter meinem Druck gehandelt." Die Taten seien seine Ideen gewesen.

Das Gericht begründete sein Urteil mit der "hohen kriminellen Energie", die beide "an den Tag gelegt haben". Mit großem Aufwand seien Dokumente gefälscht worden, sagte der Richter Jürgen Ruh. "Natürlich haben die beiden aus wirtschaftlicher Not heraus gehandelt, aber das ist bestenfalls eine Erklärung und keine Entschuldigung." Da das Gericht den 35-Jährigen als Haupttäter ausmachte, wurde die Strafe der 31-Jährigen zur Bewährung ausgesetzt.