Umwelt - Naturschutzorganisationen kritisieren Entnahme von Grundwasser für landwirtschaftliche Zwecke Naturschützer: „Das Maudacher Bruch leidet, irgendwann fallen die Bäume um“

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Julian Eistetter
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Im inneren Bereich des Maudacher Bruchs gibt es viele landwirtschaftliche Äcker. Diese werden – zum Ärger von Naturschützern – mit Grundwasser beregnet. © Tröster

Ludwigshafen. Die Trockenheit hat in diesem Sommer vielerorts Pflanzen und Bäume verdörren lassen. Besonders betroffen ist nach Ansicht von Naturschützern das Maudacher Bruch im Westen Ludwigshafens. „Die Gräben sind ausgetrocknet, das hat man gesehen“, sagt Klaus Eisele. Der Leiter des ornithologischen Arbeitskreises der Volkshochschule (Orbea) hält sich oft an der Vogelstation im Bruch auf und kann die Lage einschätzen. „Das Maudacher Bruch leidet, irgendwann fallen die Bäume um“, so seine Befürchtung.

Landschaftsschutzgebiet Maudacher Bruch

  • Das Maudacher Bruch ist ein ehemaliger Altrheinarm, der bereits gegen 900 vor Christus vom Rhein abgetrennt wurde.
  • Im Laufe der Jahrhunderte entstand ein Niedermoor, das auf ständige Wasserzufuhr angewiesen ist.
  • Durch eine massive Absenkung des Grundwassers entstanden in den 1970er Jahren irreparable Schäden an der Vegetation.
  • Seit dem Jahr 1978 ist das Bruch ein Landschaftsschutzgebiet, das auch als Erholungsgebiet für die Bevölkerung dient.
  • Die Fläche beträgt rund 520 Hektar, im Bruch sind fast 500 Pflanzen-, 100 Vogel- und neun Amphibienarten nachgewiesen.
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Umso unverständlicher ist für Eisele und seine Kollegen von den Organisationen Nabu, BUND und Pollichia, dass angesichts der prekären Lage Landwirte in diesem Bereich oberflächennahes Grundwasser zur Bewässerung ihrer Äcker entnehmen dürfen. „Als ehemaliges Niedermoor ist es besonders auf hohe Grundwasserstände angewiesen“, betonen die Naturschützer in einer Mitteilung. Das habe sich vor allem in den 1970er Jahren gezeigt, als wegen gefallener Wasserstände großflächig Gehölzbestände abgestorben seien. In der Folge habe die Stadt versucht, durch verschiedene Maßnahmen, insbesondere die Einleitung von Wasser, die Situation im ehemaligen Altrheingraben zu verbessern. „Es kann doch nicht sein, dass die einen das Bruch mühevoll erhalten, und die anderen nehmen einfach Wasser weg“, sagt Eisele mit Blick auf die Ackerberegnung.

Gutachten seien nach den Trockenschäden von vor 50 Jahren zu dem Schluss gekommen, dass die Brunnen der Landwirte zu der drastischen Absenkung des Grundwassers beigetragen hatten. In der Folge seien die meisten geschlossen worden. „Deshalb verwundert es die Naturschutzorganisationen, dass bei den geringen Niederschlagsmengen der vergangenen Jahre Landwirte wieder Grundwasser zur Beregnung ihrer Felder nutzen dürfen“, heißt es in der Mitteilung. Darunter seien auch Kulturen, die viel Wasser benötigen, wie Kürbisse und Zucchini.

Auf Anfrage teilt die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd mit, dass im Maudacher Bruch ein Brunnen zur landwirtschaftlichen Beregnung sowie drei Brunnen zur Bewässerung in Gewächshäusern genutzt würden. Die Behörde werde „demnächst“ eine Bestandsaufnahme bezüglich der landwirtschaftlichen Beregnungsbrunnen machen, so eine Sprecherin.

Bedarf deutlich gestiegen

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Laut Stadt verfügen die Landwirte schon seit langer Zeit über die Genehmigungen für die Brunnen in dem Landschaftsschutzgebiet. Rainer Ritthaler, Leiter des Bereichs Umwelt, hat festgestellt, „dass der Wasserbedarf in trockenen Sommern in den vergangenen zwei bis drei Jahren deutlich gestiegen ist“. Dies hänge vor allem mit dem vermehrten Anbau von Gemüse zusammen. Früher seien im Maudacher Bruch nur extensive landwirtschaftliche Kulturen wie Getreide angebaut worden, die einen geringeren Wasserbedarf haben. „Ein Anschluss des Bruchs an den Beregnungsverband Vorderpfalz erfolgte deshalb bislang nicht“, sagt Ritthaler. Dieser pumpe das Wasser aus dem Otterstädter Altrhein und sei nicht auf Grundwasser angewiesen.

Grundsätzlich habe sich das Maudacher Bruch von der massiven Grundwasserabsenkung in den 1970er Jahren gut erholt. Bis 2018 lagen die Wasserstände um die 89 Meter über Normalnull, also etwa geländegleich. „Seit letztem Jahr waren in den Sommermonaten aber sehr deutliche Absenkungen zu verzeichnen“, erklärt Ritthaler. Im Vergleich zum Mai 2018 seien die Grundwasserstände zwischen 0,6 und 1,2 Meter gefallen - mit negativer Tendenz. Dies hänge aber auch mit den stark zurückgegangenen Niederschlagsmengen seit 2018 zusammen.

Beregnungsverband könnte helfen

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„In Normaljahren würde eine gewisse landwirtschaftliche Grundwasserentnahme keinen großen Effekt auf den Moorbereich des Maudacher Bruchs zeigen, da er in einer sogenannten Lehmwanne, einem eigenen Grundwasserbereich, liegt und aus verschiedenen Quellen wie der Frankenthaler Terrasse gespeist wird“, so der Bereichsleiter. „In Trockenjahren versiegen diese Quellen und durch die Entnahme wird eine zusätzliche Absenkung stattfinden.“

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Die Bewässerung durch die Landwirte einzuschränken, ist aus sich der Verwaltung jedoch kaum möglich. „Sollte zunehmend eine intensivere landwirtschaftliche Nutzung mit hohem Wasserverbrauch im Maudacher Bruch geplant sein, müssten aus sicht des Naturschutzes weitere Gespräche über die Entnahmemengen und Alternativen wie den Anschluss an den Beregnungsverband mit Landwirtschaft und SGD geführt werden“, so Ritthaler.

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Redaktion Reporter Region, Koordinator Neckar-Bergstraße und Ausbildungsredakteur