Kultur - Hack-Museum nach zweimonatiger Schließung wiedereröffnet / Neue digitale Formate entwickelt „Museen sind wie Lebenselexir“

Von 
Martin Vögele
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Ein Schild am Eingang weist die Besucher daraufhin, welche Hygieneregeln für das Hack-Museum gelten. Links Direktor René Zechlin. © Pressefotoagentur Thomas Tröste

Ludwishafen. „Ich habe einen Museumspass, bin regelmäßig hier und in der Kunsthalle und gehe regelmäßig in alle Museen im Umkreis“, erzählt Daniela Alles. „Für mich ist das so etwas wie ein Lebenselexir“, fügt sie lachend hinzu. „Und ich bin heute das erste Mal wieder da nach zwei Monaten – und ich freue mich total!“, meint die Erzieherin aus dem Rhein-Pfalz-Kreis. Die 41-Jährige ist an diesem Tag die erste Besucherin, die das Wilhelm-Hack-Museum betritt, das drei Tage zuvor nach achtwöchiger Schließung wieder geöffnet hat. Die Lockerungsmaßnahmen der Corona-Verordnungen haben die Zwangspause der Kultureinrichtung beendet.

Kulturangebote

  • Zu den digitalen Formaten, die auf dem YouTube-Kanal des Museums zu finden sind, gehören die „HACKstücke“, in denen Kunstvermittlerin Ursula Dann Werke aus der Sammlung vorstellt, die „artHacks“-Anleitungen zum praktischen künstlerischen Arbeiten und die Reihe „Darf ich dir meine Sammlung zeigen?“
  • Mehr Infos gibt es unter www.wilhelmhack.museum.
  • Direktor René Zechlin erwartet, dass ab Juni stufenweise wieder Gruppenveranstaltungen wie kleinere Führungen möglich sind.
  • Gleiches gilt für mit entsprechendem Abstand bestuhlte Konzerte.

Grenze bei 80 Besucher

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Wer sich dem Museum an diesem sonnigen Vormittag nähert, findet ein Bild fast völliger Normalität vor – bis er an der Eingangstür den Hinweis erblickt, dass sich nur eine Person auf einmal im sogenannten Windfang aufhalten darf. Im Inneren erwartet ein Tisch mit Handdesinfektionsmitteln den Besucher.

Unweit weist ein weiteres Schild auf die Verhaltensregeln hin, die es zu beachten gilt, um sich und andere im Museum zu schützen. Dazu gehören die Aufforderungen, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, 1,50 Meter Mindestabstand zueinander halten und die Bildung von Gruppen zu vermeiden.

„Alle freuen sich, dass sie jetzt wieder ein bisschen Freiheit haben und schauen können“, sagt Museumsmitarbeiterin Maike Urschel am Empfang über die Reaktionen der Gäste. „Wir hatten auch in den Schließzeiten bisweilen Leute da, die das nicht wahrhaben wollten“, denen sie bedauernd mitteilen musste, dass ein Besuch nicht möglich war.

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Am Eröffnungstag kamen 20, an den folgenden Tagen acht, dann zehn Einzelbesucher. „Unter der Woche ist es eigentlich sowieso ruhiger als am Wochenende“, erklärt Museumsdirektor René Zechlin.

„Die Einhaltung der Abstandsregeln ist hier nicht so das Problem“, merkt der Kunsthistoriker an. Das Hack-Museum verfüge über 2500 Quadratmeter reine Ausstellungsfläche, auf der sich nun maximal 80 Personen gleichzeitig aufhalten dürfen.

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In der angegliederten Rudolf-Scharpf-Galerie im Hemshof sind es zehn. Das Museum handhabe dies „lieber ein bisschen strenger“, sagt Zechlin. „Aber es sind trotzdem meistens Zahlen, die im normalen Besucherverkehr ohne Veranstaltung sowieso selten vorkommen.“ Was natürlich derzeit wegfalle, seien die vielen Schulklassen und andere Gruppen, die in regulären Zeiten unter der Woche vorbeikommen.

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Der Pandemie-Situation und deren zunächst schwer absehbaren weiteren Entwicklung hatte das Museum nicht nur mit Umorganisationen auf Mitarbeiter-Seite, sondern auch mit einer veränderten Ausstellungsplanung Rechnung getragen: Um Planungssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen, habe der Direktor sich relativ früh entschieden, etwa die ab Anfang Juni geplante Einzelausstellung von Michael Beutler auf das nächste Jahr zu verschieben. Dasselbe gilt für die Richter/Polke- Kabinettausstellung. Dafür ist ab Mitte Juni die neue Ausstellung „Good Vibrations – Sommer in der Pop Art“ zu sehen.

Virtuelle Rundgänge

Daneben wurden verschiedene digitale Formate entwickelt und ausgebaut – dazu zählen virtuelle 360-Grad-Rundgänge durch Eva Gentners neue „ocean“-Ausstellung in der Scharpf-Galerie, durch die Foto-Biennale und die „Abstrakte Welten“-Ausstellung. Wichtig bei der Entwicklung der digitalen Formate sei gewesen, damit „nicht um nur die Corona-Zeit zu füllen“, sondern zu überlegen, wie diese langfristig genutzt werden können, berichtet Zechlin.

Die Online-Angebote sollen auch fortgeführt werden, wenn das Hack-Museum ab Mitte September wegen einer langfristig geplanten Brandschutzsanierung für ein halbes Jahr schließen muss. Wobei sich Direktor Zechlin überzeugt zeigt: „Das wird nie den realen Museumsbesuch ersetzen.“

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