Ludwigshafen - Arbeiten am Gemeinschafts-Müllheizkraftwerk laufen nach Plan / Neues Kesselhaus Mitte April fertig Modernisierung des Müllheizkraftwerks: Zwischen Beton, Stahl und Feuer

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Dirk Timmermann
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Ludwigshafen. Während vielerorts Corona-bedingt Aktivitäten zurückgefahren werden, herrscht an der Bürgermeister-Grünzweig-Straße Hochbetrieb. „Die Modernisierung des Müllheizkraftwerks ist in vollem Gange“, sagt Thomas Grommes, Geschäftsführer der Gemeinschafts-Müllheizkraftwerk Ludwigshafen (GML) GmbH. Beim Projekt IGNIS – lateinisch für „Feuer“, dem zentralen Element bei der Müllverbrennung – wird das Müllheizkraftwerk noch bis Ende 2024 modernisiert.

40 Meter soll es hoch werden: Geschäftsführer Thomas Grommes zeigt die Baufortschritte im neuen Kesselhaus. Im April wird dort ein 23 Tonnen schwerer Kessel seinen Platz finden. © Christoph Blüthner
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Nach über 53 Jahren im Betrieb hatte der Aufsichtsrat 2017 entschieden, wie die Anlage für die nächsten 25 Jahre fit gemacht wird: Zwei der drei vorhandenen Müllkessel werden durch neue ersetzt, der dritte wird durch laufende Maßnahmen deutlich langlebiger und der Schlackenbunker erweitert. Inzwischen ist das neue Kesselhaus, das zwischen dem seit 1964 bestehenden Gebäude und der Bahnlinie liegt, zum größten Teil fertiggestellt. In der Spitze sind 35 Arbeiter an der Stahlbetonkonstruktion beteiligt, 20 Meter an Höhe bereits geschafft.

Abfallunternehmen der Region



Die GML-Partner sind die Städte Ludwigshafen, Frankenthal, Neustadt, Mannheim, Speyer, Worms, die vier Kreise Alzey-Worms, Bad Dürkheim, Rhein-Pfalz-Kreis und die Zentrale Abfallwirtschaft Kaiserslautern.

Es ist das größte kommunale Unternehmen zur Verwertung von Siedlungsabfällen in Rheinland-Pfalz.

Aus dem Hochdruckdampf, der im Müllheizkraftwerk entsteht, werden im angeschlossenen Fernheizkraftwerk der TWL Strom und Fernwärme produziert.

23 Tonnen schwerer Kessel

Die Höhe von 40 Metern wird Mitte April erreicht. Dann beginnt auch die Montage des neuen Müllkessels Nummer 4. Den Baukran ersetzt dann den Schwerlast-Montagekran WOTAN, mit dem sämtliche Bauteile ins Kesselhaus gehoben werden. Immerhin 23 Tonnen wiegt das schwerste Element, verdeutlicht Grommes die Dimension dieser Arbeiten. Als Herausforderung hat sich das Legen der Bodenplatte erwiesen, auf der neben dem Schlackenbunker auch die Wände, der Aufzugsschacht und ein Treppenhaus fußen. 150 Bohrpfähle seien nötig gewesen, um die 1000 Tonnen schwere Bodenplatte sicher zu verankern, so der 59-jährige Chemiker. Grund dafür seien die „schwierigen Bodenverhältnisse“ aufgrund der Rheinnähe.

Die Umstellung auf die neuen Müllkessel erfolgt schrittweise: Kessel 4 soll im September 2022 in Betrieb gehen, kurz darauf wird der bestehende Kessel 1 im alten Kesselhaus abgeschaltet und zurückgebaut. Dort wird 2023 und 2024 der zweite neue Müllkessel 5 errichtet, woraufhin der vorhandene Müllkessel 2 außer Betrieb genommen wird. Der ebenfalls im alten Kesselhaus befindliche Kessel 3 wird derweil laufend modernisiert. „Retrofit-Maßnahmen“ heißt die Runderneuerung, bei der die Komponenten nach und nach ausgewechselt werden. So gab es während der letzten Jahresrevision, die von vier auf sechs Wochen ausgedehnt wurde, einen neuen Nassentschlacker. Dass Covid-19 das Projekt IGNIS kaum beeinträchtigt hat und dass bis jetzt keine Infektionsfälle zu beklagen waren, erklärt Grommes: Einmal hat Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator Lothar Kreidemacher ein tragfähiges Hygienekonzept etabliert, das von den Mitarbeitern sehr gut umgesetzt werde. Dann seien Organisation und Kontrolle stimmig, der vom Bauunternehmen Leonhard Weiss entsandte Polier leiste wertvolle Unterstützung. Der größte Vorteil sei jedoch ganz profan: „Wir arbeiten an der frischen Luft!“ Während der gesamten Baumaßnahme bleibt das Kraftwerk weitgehend im Vollbetrieb, Übermengen werden von anderen Müllheizkraftwerken übernommen.

Höhere Verbrennungsleistung

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Nach Abschluss aller Modernisierungen wird mit einer um zehn Prozent höheren Verbrennungsleistung gerechnet. An der Emissionssituation werde sich dennoch nichts ändern, verspricht Grommes, neueste Verbrennungstechnologie macht es möglich. Ein wichtiger Punkt für die Verantwortlichen beim GML ist Transparenz und die Erfüllung gesetzlicher Lärmschutzbestimmungen. Mit Briefen an 800 Haushalte und das vor anderthalb Jahren eröffnete Informationszentrum im ehemaligen Hallenbad Nord sollen alle Anlieger und Interessierten bestmöglich informiert werden. Im Hallenbad Nord finden auch kulturelle Veranstaltungen statt: von Ende August bis Ende Oktober. Die Anmeldefrist für interessierte Künstler, die die „LUcation“ kostenfrei nutzen können, läuft noch bis Ende April.