Zivilcourage - Salvatore Montana und Giuseppe Sambito retten jungen Mann vor bewaffnetem Trio / Attacke aus Pizzeria beobachtet Mit Besenstiel Angreifer vertrieben

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Julian Eistetter
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Pizzabäcker Giuseppe Sambito (l.) und Juniorchef Salvatore Montana. © Privat

Ludwigshafen. Um kurz vor 20 Uhr hört Salvatore Montana eine Frau schreien. „Richtig laut“, wie er im Gespräch mit dieser Redaktion berichtet. Der 32-jährige Juniorchef der Pizzeria „La Torre Da Angelo“ ist am Montagabend mit Pizzabäcker Giuseppe Sambito im Restaurant am Lutherplatz, um den Abholservice am Laufen zu halten. Aus der Durchreiche beobachten sie jetzt, wie drei Täter auf einen am Boden liegenden „Jungen“ eintreten. Die Frau, die geschrien hatte, steht aufgelöst daneben.

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„Wir haben nicht lange gezögert. Ich habe einen Besenstiel und Giuseppe seine Pizzaschaufel gegriffen, und dann sind wir rausgerannt“, berichtet Montana. Die Angreifer hätten daraufhin von ihrem Opfer abgelassen und seien geflüchtet. „Einer ist mit einem VW weggefahren, die anderen beiden weggerannt“, sagt der 32-Jährige. Dass die Angreifer bewaffnet waren, haben Montana und Sambito zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht registriert. „Aber dann haben wir gesehen, dass der Jugendliche eine große Schnittwunde an der Hand hat“, berichtet Montana.

Stückweise fügen sich die Informationen nach dem Eintreffen der Polizei zu einem Bild zusammen. Demnach waren die Täter mit einem Messer, einer Schusswaffe und einer Machete auf das 19-jährige Opfer losgegangen (wir berichteten). In der Kaiser-Wilhelm-Straße war der junge Mann, unterwegs mit seiner 21 Jahre alten Freundin, kurz zuvor mit einem der Unbekannten in Streit geraten. Dieser verfolgte das Paar dann Richtung Lutherplatz, wo plötzlich ein VW Golf hielt und zwei weitere Täter ausstiegen und den 19-Jährigen attackierten.

Selbst schon Opfer gewesen

Mit ihrem beherzten Eingreifen haben Montana und Sambito wohl Schlimmeres verhindert. „Für mich ist das selbstverständlich. Mir und meiner Frau ist vor sechs Jahren in der Kaiser-Wilhelm-Straße schon einmal etwas Ähnliches passiert. Sie wurde von zwei Unbekannten angemacht, ich habe etwas gesagt, und dann haben sie zu zweit auf mich eingeschlagen. Damals hätte ich mir gewünscht, dass jemand einschreitet“, sagt Montana.

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Ob er und Sambito genauso gehandelt hätten, wenn sie die Waffen der drei Jugendlichen schon aus der Entfernung gesehen hätten, kann Montana nicht sagen. „Eine Pistole macht natürlich schon Eindruck“, sagt der Restaurantbetreiber. Grundsätzlich würde er jedoch auch bei vergleichbaren Vorfällen in Zukunft nicht zurückschrecken und eingreifen. „Man lässt niemanden im Stich, der auf dem Boden liegt und angegriffen wird“, sagt er.

Die generelle Entwicklung derartige Übergriffe betreffend macht dem Italo-Ludwigshafener Sorgen. „Gefühlt wird das immer heftiger. Da wird jemand schon wegen 20 Euro umgeschlagen.“ Das sei jedoch kein spezifisches Phänomen für Ludwigshafen. „Das hört man von vielen Leuten auch aus anderen Städten.“

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Die Täter von Montag konnten bislang noch nicht dingfest gemacht werden, wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage mitteilt. „Es gibt bislang noch keine Hinweise, die auf ihre Identität schließen lassen“, sagt er. Die Beamten suchen deshalb weitere Zeugen. Diese können sich unter Telefon 0621/963-21 22 beim Präsidium Rheinpfalz melden.

Redaktion Reporter Region, Koordinator Neckar-Bergstraße und Ausbildungsredakteur