Einkaufen - Seit Corona nimmt der Andrang an den 35 Ständen in Friesenheim zu / Auflagen bei Blumen und Pflanzen Mehr Kunden auf Wochenmarkt

Von 
Ulli Heidelberger
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Regina Wahl (v.l.) und Mutter Julia bedienen Hilde Feldmann auf dem Friesenheimer Wochenmarkt in der Sternstraße. © Achim Keiper

Ludwigshafen. Die Stände alle nur auf einer Seite, rotes Flatterband und Metallgitter auf anderen Seite als Absperrung zur Straße hin. Abstandsmarkierungen und Hinweisschilder zum Mindestabstand von 1,5 Metern an den Ständen. Geduldig reihen sich Kunden in lange Schlangen ein, mit großem Abstand zum nächsten. Manche haben Einkaufstrolleys dabei, vor allem die älteren tragen Schutzmasken. An den Anblick vom Friesenheimer Wochenmarkt muss man sich erst einmal gewöhnen. Aber in Zeiten von Corona gibt es auch hier Auflagen. So dürfen etwa keine Schnittblumen verkauft werden – Pflanzen in Töpfen aber schon. „Das hat anfangs nicht jeder verstanden“, berichtet Marktaufseher Dieter Schneider im Gespräch mit dieser Zeitung. Vor allem der Samstag vor Ostern sei „etwas chaotisch“ gewesen, jetzt herrsche fast Normalität.

Wochenmärkte

Die städtische Lukom-Gesellschaft organisiert Wochenmärkte an neun Standorten im Stadtgebiet.

In Friesenheim sind die Marktstände am Mittwoch und Samstag aufgebaut.

Der Wochenmarkt am Friedrich-Wilhelm-Wagner-Platz hat drei Termine: Montag, Mittwoch und Freitag.

Am Goerdelerplatz ist dienstags, donnerstags und samstags Markt, im Niederfeld am Dienstag, in Mundenheim am Mittwoch und Samstag.

In Oppau ist am Donnerstag Markttag, in Oggersheim, Edigheim und Gartenstadt jeweils am Freitag.

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Jeden Samstag werden insgesamt 30 bis 35 Stände aufgebaut, mittwochs sind es mit sieben bis acht deutlich weniger. Es gibt alles von frischen Backwaren über Käse, Wurst und Fisch bis hin zu Dampfnudeln. Am Längsten sind die Schlangen vor den Obst- und Gemüseständen. „Im Supermarkt gibt es das zwar auch, aber da kann jeder dran rumfingern“, ist da zu hören. „Ich kaufe da nix mehr.“ An den Marktständen wird da schon aufgepasst und von den Verkäuferinnen eingepackt.

Die Qualität stimmt, die Preise sind vertretbar, da direkt vom Erzeuger. Die meisten Verkäuferinnen tragen Gummihandschuhe, wenn sie Lebensmittel anfassen. Seit Corona zählt der Wochenmarkt wieder deutlich mehr Kundschaft, erzählt man sich in Friesenheim. Im Frühjahr ist aber eh mehr los, etwa wegen saisonaler Angebote wie Spargel und Erdbeeren.

„Gehe nicht mehr in Supermarkt“

„Ich habe gerade noch das letzte Kilo bekommen – um zehn nach neun“, freut sich Monika Bappert (72). Zusammenpacken müsse die Spargelfrau aber nicht; sie habe viele Vorbestellungen von Stammkundinnen. Auch sie ist „ein echter Fan“ vom Wochenmarkt, sagt Monika Bappert.

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Sie wohnt in der Nähe und geht zweimal wöchentlich dort einkaufen. „Meine Tochter lässt mich nicht mehr in den Supermarkt, auf den Markt darf ich.“ Ja, seit Corona sei der Markt wieder frequentierter, „aber man sieht das nicht so durch die neue Anordnung der Stände“.

Dass jetzt alle auf einer Seite stehen, finden auch andere gut: „Jetzt muss man nicht mehr so dicht gedrängt an einander vorbeigehen“, meint Hilde Feldmann (70). Viele seien vorsichtig, alles dauere etwas länger. „Man kann hier nicht mehr durchhetzen; das entschleunigt“, ergänzt Christina Leinweber (38). „Ich bin seit Ewigkeiten wieder hier auf dem Markt“, erzählt Barbara Zeller (61) aus Grünstadt. „Das ist wirklich toll hier – und alles so frisch.“ Sie trägt einen Mundschutz, aber nicht aus Angst vor Corona. „Ich komme aus dem Pflegebereich“, sagt sie.

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Auch die Standbetreiber haben sich mit den Wochenmarkt-Auflagen arrangiert. Für manche hat sich kaum etwas geändert: „Normalerweise stehe ich in der Mitte; dort ist es gemütlicher“, sagt Imker Klaus Eisele. „Meine Kunden wissen aber Bescheid oder sie finden mich.“ Etwa 80 bis 90 Prozent seiner Abnehmer seien Stammkunden. Vor etwa vier Wochen hätten viele mehr gekauft, „gebunkert“, wie er sagt, aus Unsicherheit, wie es weitergeht.

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Es hätte ja sein können, dass auch der Friesenheimer Wochenmarkt schließen muss. Jetzt normalisiere sich alles wieder. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“, so Eisele. Er habe sich auch schon vor Corona regelmäßig die Hände gewaschen – im Umgang mit Lebensmitteln ein hygienisches Muss. Dass die Leute sich an die Abstandsregeln halten, sei gut, auch für den weiterer Betrieb des Marktes. Erfreulich sei auch, dass die Leute inzwischen „cooler“ geworden sind: Masken ja, hier und da auch Handschuhe, aber nicht mehr reflektierende Schutzwesten.

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Veröffentlicht
Von
Thomas Schrott
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