Soziales - Tafel in der Bayreuther Straße nimmt am Dienstag nach Corona-Zwangspause Betrieb wieder auf / Neues Konzept Ludwigshafener Tafel öffnet wieder: "Größte Herausforderung in 15 Jahren"

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Julian Eistetter
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Mit dieser Konstruktion aus Warnbaken, Baustellenzäunen und Absperrband werden die Kunden an der Ausgabestelle vorbeigeleitet. © Thomas Tröster

Ludwigshafen. Auf einem Flipchart in der Ecke ist alles im Detail ausgearbeitet. Wo die Helfer beim Packen der Lebensmitteltüten stehen, wie diese dann in der Mitte des Raums gesammelt und schließlich an der Ausgabestelle verteilt werden. Darunter stehen wichtige Merksätze. „Mundschutz tragen!“, oder „Häufig Hände waschen“, zum Beispiel. Auf der zweiten Seite ist aufgezeichnet, wie die Kunden ab diesem Dienstag ihre Essenspakete vor dem flachen Gebäude in der Bayreuther Straße entgegennehmen sollen, ohne sich und den Mitarbeitern dabei zu nahe zu kommen. Mit einem strengen Sicherheitskonzept nimmt die Ludwigshafener Tafel nach einer vierwöchigen Zwangspause um 12 Uhr wieder ihren Ausgabebetrieb auf.

Neues Konzept Ludwigshafener Tafel öffnet wieder

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„Größte Herausforderung“

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„Es ist definitiv die größte Herausforderung in den 15 Jahren unseres Bestehens“, sagt Jürgen Hundemer, Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Ehrenamts (Vehra). Ausgestattet mit Mundschutz macht er sich am Montag ein Bild vom Stand der Vorbereitungen. „Seit der coronabedingten Schließung hatten wir jetzt vier Wochen Zeit, und die haben wir auch dringend benötigt“, berichtet er. Da der Tafel viele Ehrenamtliche weggebrochen sind, weil sie zur Risikogruppe zählen, mussten die Verantwortlichen ein komplett neues Konzept erarbeiten.

Die wichtigste Änderung: Ab sofort betreten die Kunden das Gebäude nicht mehr. Mit einer aus Bauzäunen und Absperrband errichteten Schleuse werden sie im Freien an der Ausgabe vorbeigeleitet. „Sie zeigen ihren Ausweis vor und können sich ihre Lebensmittel mitnehmen“, berichtet Hundemer. Anschließend folgen sie den Absperrbändern wieder bis auf die Straße. „So wollen wir sicherstellen, dass es zu keinem Kontakt zwischen unseren Helfern und den Kunden kommt.“

Die Tüten werden im Innenraum an verschiedenen Stationen befüllt. „Es gibt vier unterschiedliche Pakete. Mit Kartoffeln, Molkereiprodukten, Brot und sonstigen Lebensmitteln“, erklärt Hundemer. Diese landen alle auf einem Sammeltisch in der Mitte des Raums, von wo aus sie auf die Ausgabeschleuse gegeben werden. Jeder Kunde könne jeweils ein Exemplar jeder Sorte erhalten. „Es wird sicherlich ein wenig Zeit brauchen, bis die neuen Abläufe sitzen. Nach einigen Tagen werden wir genug Erfahrungen gesammelt haben, um zu wissen, ob wir etwas anpassen müssen“, sagt der Chef der Ehrenamtsbörse, der aber betont: „Wir sind gut aufgestellt.“

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Das liegt unter anderem auch an einigen freiwilligen Helfern, die sich auf einen Aufruf gemeldet haben. Etwa 20 seien es gewesen, wie Stephanie Zimmer, Leiterin der Tafel, berichtet. „Sechs externe Helfer haben wir in dieser Woche bereits eingeteilt“, sagt sie. Überwiegend handele es sich um Studenten und Beschäftigte, die aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nichts oder wenig zu tun haben. Damit der Betrieb laufen kann, werden täglich rund 30 Mitarbeiter benötigt, so Hundemer.

Am Montag werden in der Bayreuther Straße 35 die letzten Vorbereitungen für die Wiedereröffnung getroffen. Im Inneren räumen bis zu zehn Frauen - alle mit Mundschutz - Kartons und Kisten hin und her. Gegen 12.30 Uhr kommt eines der vier Kühlfahrzeuge angefahren und bringt eine frische Lieferung. Draußen ist Christoph Hilgert mit einigen anderen Helfern dabei, die Absperrungen zu vollenden. Seit etwas mehr als einem Jahr arbeitet er für die Tafel. „Jetzt bin ich neuerdings der Sicherheitschef“, sagt er mit einem Grinsen. Denn damit sich alle Kunden an die gebotenen Abstandsregelungen und Hygienevorschriften halten, werden drei Mitarbeiter als Sicherheitsdienst abgestellt. „Wahrscheinlich wird man hier und da mal jemanden zurechtweisen müssen. Aber die Leute kennen das alles ja mittlerweile“, gibt sich Hilgert gelassen.

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Jürgen Hundemer geht davon aus, dass die Tafel nun für längere Zeit unter diesen Voraussetzungen arbeiten muss. Er sieht das jedoch nicht nur negativ. „Eine neue Organisation birgt immer auch Chancen. Die guten Dinge werden wir sicher auch in Zukunft beibehalten.“

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