Umwelt - 294 Gehölze für die Innenstadt-Bezirke vorgesehen / Betrag von 740 000 Euro ist mehr als dreimal so hoch wie 2010 Ludwigshafen will mehr Bäume pflanzen

Von 
Thomas Schrott
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Beileibe nicht alle gefällten Straßenbäume hat die Verwaltung in den vergangenen Jahren ersetzt. Die repräsentative Platanen-Allee in der Ebertstraße (Bild) wurde indes neu bepflanzt. © Christoph Blüthner

Ludwigshafen. Bereits 1000 Straßenbäume wurden im gesamten Stadtgebiet gefällt, aber nicht ersetzt – was gerade angesichts des Klimawandels für heftige Kritik gesorgt hat. Deshalb will die Verwaltung in diesem Jahr deutlich mehr Bäume pflanzen als früher. „Wir gaben dafür 740 000 Euro aus“, kündigte Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) am Montag im Bau- und Grundstücksschuss an. Damit sollen 294 Bäume gesetzt werden, davon 127 im Hemshof, 99 im Stadtteil Süd und 68 im Stadtteil Mitte. „Vorrang bei den Pflanzungen haben die thermisch belasteten Bereiche der Innenstadt“, begründete der Dezernent das Konzept. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren hatte die Verwaltung dafür jeweils 200 000 Euro für das gesamte Stadtgebiet bereitgestellt. Damit konnten gerade mal etwa 120 Bäume ersetzt werden.

„Schlagzahl weiter erhöhen“

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Weil drei Ingenieurstellen im Baudezernat wegen des generellen Fachkräftemangels derzeit nicht besetzt sind, musste die Verwaltung bei der Vergabe der Pflanzungen teilweise auf externe Büros zurückgreifen. Dank „erhöhter Anstrengungen“ seien 2020/2021 aber insgesamt 140 Bäume für 287 000 Euro gepflanzt worden, berichtete Thewalt. Wegen der starken Schädigungen wolle die Stadt ein Pflanzprogramm für die nächsten vier Jahre anschieben, so sein langfristiges Ziel.

David Guthier (SPD) bezeichnete die Priorität der Innenstadt zwar als nachvollziehbar. Dennoch müssten auch andere Stadtteile berücksichtigt werden, wenn dort wichtige Bäume gerodet werden. „Auch dort muss Ersatz her“, so seine Anmerkung. „Die Verwaltung wird ausgewogen pflanzen“, entgegnete Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD).

„Es ist eine tolle Nachricht, dass die Gelder für Straßenbäume deutlich erhöht werden, dennoch muss die Schlagzahl weiter steigen“, sagte Christoph Heller (CDU), Ortsvorsteher der Südlichen Innenstadt. Es sei sinnvoll, die Pflanzungen auf die hoch verdichtete Innenstadt zu konzentrieren, denn dort sei die Belastung auch am höchsten.

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Hans-Uwe Daumann (Grüne im Rat) will ebenfalls das Programm nur als einen ersten Schritt verstanden wissen. „Aber immerhin kommt jetzt Zug rein.“ Zudem lobte er die transparente Information der Verwaltung. Helge Moritz (FWG) und Bernhard Wadle-Rohe (Linke) forderten ebenso weitere Anstrengungen von der Verwaltung.

Jens Brückner (Grünes Forum und Piraten) pochte darauf, dass widerstandsfähige Bäume gesetzt werden müssten. Er verwies auf frühere Pflanzungen auf der Parkinsel. „Dort sind 160 Stieleichen gesetzt worden, von denen alle eingegangen sind“, nannte er ein Negativbeispiel.

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„Wir haben eine dreijährige Gewährleistungsfrist der Firmen, darauf greifen wir zurück“, sagte der Dezernent. Bei der Auswahl künftiger Baumarten orientiere sich die Verwaltung an den Empfehlungen der Forstämter. „Nähere Angaben machen wir später bei der Vorstellung des Programms in den Ortsbeiräten“, sagte Thewalt.

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Generell will er künftig noch mehr Bäume pflanzen, nicht nur an neuen, sondern auch an bestehenden Straßen. „Wir möchten jährlich mehr als 300 Bäume setzen“, nannte Thewalt als Ziel. Ob dies klappt, ist allerdings offen. „Wie es genau in den nächsten Jahren weitergeht, können wir erst Anfang 2022 absehen“, so seine Anmerkung.

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