Sicherheit - Ministerpräsidentin Malu Dreyer lobt Integrierte Leitstelle / Jeder Mitarbeiter hat dank fünf Monitoren den Gesamtüberblick Ludwigshafen: „Vorreiter für das ganze Land“

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Thomas Schrott
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Über die Arbeit der Leitstelle informieren sich (v.l.) Landrat Clemens Körner, Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck. © Keiper

Ob medizinische Notfälle, schwere Verkehrsunfälle oder Brände - alle Alarmierungen gehen an der zentralen Stelle am Kaiserwörthdamm ein. Die Mitarbeiter koordinieren dort sämtliche Rettungseinsätze. Dies ist eine Besonderheit der Integrierten Leitstelle, die vor gut einem Jahr ihren Betrieb aufnahm und für die gesamte Vorderpfalz zuständig ist. „Durch dieses Konzept haben sich die Alarmierungszeiten und Effektivität der Einsätze verbessert“, sagt Feuerwehrchef Stefan Bruck. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zeigt sich beim Besuch am Montag beeindruckt. „Die Einrichtung in Ludwigshafen soll ein Vorreiter für andere Leitstellen im gesamten Bundesland sein“, kündigt sie an. Die Zentralen in Koblenz, Mainz und Trier sollen schrittweise umgebaut werden und eine neue Technik unter einem Dach erhalten.

Einsatzzentrale

  • Die Integrierte Leitstelle koordiniert alle Feuerwehr-, Rettungs- und Katastrophenschutzeinsätze. Sie ist zuständig für die Vorderpfalz mit rund 620 000 Einwohnern.
  • Täglich gehen bei der Leitstelle rund 1200 Notrufe ein.
  • 2018 waren es 160 000 Einsätze. Die Feuerwehr musste 8500 Mal ausrücken, davon 4500 Mal in Ludwigshafen. 400 Reanimationen erfolgen per Hinweise am Telefon.
  • Das dreistöckige Gebäude neben der Hauptwache am Kaiserwörthdamm wurde im Mai 2018 eröffnet.
  • Dort sind 80 Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen sowie der Rettungsdienste tätig.
  • Die Leitstelle kostete 13,3 Millionen Euro. Davon übernahm das Land mit 6,4 Millionen Euro knapp die Hälfte. Den Rest steuerten die Städte und Landkreise bei. Ludwigshafen zahlte 1,9 Millionen Euro.

Personal schnell aufstocken

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„In der neuen Leitstelle macht jeder alles. Die Feuerwehrleute am Telefon befassen sich auch mit Fällen, bei denen es um Reanimationen geht. Rettungskräfte kümmern sich ebenfalls darum, einen Großbrand abzuwickeln“, sieht Bruck einen entscheidenden Vorteil. Die Zusammenarbeit klappe hervorragend, bestätigen Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) und der Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises, Clemens Körner (CDU). „Im Gegensatz zu früher können wir bei Großschadenslagen binnen zwei bis drei Minuten unser Personal schnell aufstocken“, nennt der Feuerwehrchef eine weitere Verbesserung durch die unmittelbare Nähe zur Hauptwache.

Herzstück der Leitstelle ist ein 350 Quadratmeter großer Raum, in dem bis zu neun Mitarbeiter Anrufe entgegennehmen. Auf den Schreibtischen stehen jeweils fünf Monitore. „Die Mitarbeiter bekommen das nächstgelegene Rettungsmittel angezeigt samt der nötigen Fahrzeit“, erläutert Bruck. Bei Bedarf werden drei weitere Schreibtische besetzt.

„Bei dem Unwetter vor wenigen Tagen im Raum Neustadt waren alle Tische besetzt. Da kamen wir für gut eine halbe Stunde an unsere Kapazitätsgrenze. Aber es hat alles reibungslos funktioniert“, berichtet Bruck. Die Alarmierung der Rettungskräfte bei drei fast gleichzeitig gemeldeten Großbränden wie unlängst in Schifferstadt und Oggersheim zähle hingegen „eher zum Tagesgeschäft“.

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Ungewöhnlich ist zudem die Höhe von sechs Metern im Disponentenraum. „Dies dient nicht nur dem Wohlbefinden der Beschäftigten und dem besseren Schallschutz“, erklärt Bruck. Im Ernstfall beim Ausfall der Versorgungsleitungen könnten die Beschäftigten bis zu zwei Stunden lang im Umluftbetrieb arbeiten. Das Gebäude verfügt auch über eine eigene Energieversorgung und Wasseranschluss. Weitere Sicherheitsaspekte wurden bei der Planung mit dem Landeskriminalamt abgestimmt. Die gesamte Technik wurde im Keller installiert, an diesem Platzbedarf orientierte sich der Grundriss des Gebäudes.

88 Feuerwehren in der Region mit 761 Fahrzeugen und 3000 Funkgeräten sind ebenso über die Leitstelle erreichbar wie 15 Wachen von Rettungsdiensten mit 117 Fahrzeugen und 400 Funkgeräten. Koordiniert werden auch die Einsätze von neun Notarztstationen und des in Oggersheim stationierten Rettungshubschraubers.

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Als wertvoll bezeichnet Bruck den neuen Besprechungsraum im Obergeschoss als regionale Koordinierungsstelle, wenn mehr als eine Stadt oder ein Landkreis betroffen ist. „Wir haben den Raum auch schon mal für große Evakuierungsmaßnahmen bei Bombenentschärfungen genutzt. Hier können wir alles gut dokumentieren, wenn etwa Pflegeheime geräumt werden müssen.“ An vielen Kleinigkeiten sei zuletzt noch gefeilt worden, ergänzt der Landrat: „Nun sind auch die größten Kritiker verstummt.“

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Eines ist aber noch nicht erledigt - die Fassadengestaltung. Das Gerüst am Gebäude steht noch - die Spezialanfertigung für bestimmte Fensterelemente wurde noch nicht geliefert.

Redaktion MM-Redakteur seit 1984, zuständig für den Bereich Ludwigshafen - mit all seinen Facetten