Agentur für Arbeit - Digitale Angebote werden wegen Pandemie erweitert / „Kurzarbeit ein stabilisierender Faktor“ Ludwigshafen: Onlineberatung für Arbeitslose und Schulabgänger

Von 
Thomas Schrott
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Samira Herbold (links) und Sonja Pieper-Göttmann geben bei einer Online-Veranstaltung der Agentur Tipps zum Berufseinstieg. © Agentur für Arbeit

Ludwigshafen. Wegen der anhaltenden Pandemie geht die Agentur für Arbeit neue Wege und verstärkt ihr Online-Beratungsangebot. Davon sollen nicht nur Schulabgänger, sondern auch Arbeitslose profitieren, kündigt Benjamin Wehbring, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, im Gespräch mit dieser Redaktion an. Auf Online-Portalen haben Mitarbeiter im Dezember mehr als 1000 Jugendliche über Möglichkeiten zum Berufseinstieg beraten. Dabei stellten gleichzeitig Vertreter von Unternehmen ihre Ausbildungsangebote vor, nennt Wehbring ein Novum. Das digitale Programm werde nun auf Erwerbslose ausgeweitet. „Bis zum Jahresende sollen alle Arbeitslose flächendeckend ein Angebot zur Onlineberatung erhalten“, so das Ziel.

Der alte Chef ist auch der neue



Die Agentur für Arbeit in Ludwigshafen beschäftigt 150 Mitarbeiter.

Im Gesamtbezirk der Agentur, der auch den Rhein-Pfalz-Kreis, Frankenthal und Speyer umfasst, gab es Ende Dezember 16 900 Erwerbslose. Die Arbeitslosenquote beträgt 7,1 Prozent. In der Stadt Ludwigshafen liegt die Quote aber bei 9,6 Prozent.

Benjamin Wehbring ist seit März 2020 Chef der Arbeitsagentur. Sein Vorgänger Daniel Lips, derzeit Chef der Regionaldirektion, kehrt Anfang 2022 nach Ludwigshafen zurück.

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Wenn jemand keinen Internetzugang habe, sei dies kein Hinderungsgrund. „In einem solchen Fall kann jeder ins Agenturgebäude in die Berliner Straße kommen und an einem speziellen PC mit einem Mitarbeiter in Kontakt treten“, sagt Wehbring. Für Schulabgänger seien Einzel- oder Gruppenberatungen möglich. Termine können innerhalb weniger Tage vereinbart werden.

„Für das verstärkte Online-Angebot mussten wir nur einige Hardware-Geräte anschaffen. Ansonsten hat uns die Zentrale unterstützt“, berichtet der Agenturleiter. Während persönliche Kundengespräche in den Agenturräumen Corona-bedingt ausscheiden, sind telefonische Auskünfte weiterhin möglich und werden auch rege genutzt. „Pro Woche kümmern sich unsere Mitarbeiter um rund 300 Anrufer. Längere Wartezeiten gibt es nicht“, erklärt Wehbring.

Weil die klassische Berufsberatung in den Schulen derzeit ausfällt, will die Agentur Angebote unter freiem Himmel fortsetzen. „Die Premiere im Sommer mit 150 Teilnehmern im Hackmuseumsgarten war ein Erfolg“, blickt Wehbring auf die Jobmesse zurück, die in einem völlig anderen Rahmen organisiert wurde.

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Derzeit seien viele Unternehmen noch etwas zögerlich mit Neueinstellungen. Die Anzahl der offenen Stellen sei im Dezember um sieben Prozent auf 2990 zurückgegangen. Dies ist aber wenig verwunderlich, weil Gastronomie und Hotelbranche wegen wochenlangen Schließungen keine Mitarbeiter benötigen. Zusätzliche Arbeitskräfte werden aber für Gesundheits- und Verwaltungsbereiche gesucht, ebenso von Supermärkten, Discountern und Onlinehändlern. „Amazon hatte etwa für das Weihnachtsgeschäft 200 bis 250 zusätzliche Einstellungen geplant“, erinnert die Agentur.

„Über die wirtschaftliche Entwicklung bin ich aber trotz aller Unsicherheiten insgesamt nicht besorgt, denn der Arbeitsmarkt in der Region hat sich während der Pandemie sehr robust gezeigt“, merkt der Geschäftsführer der Arbeitsagentur an. Nach dem ersten Lockdown habe sich gezeigt, dass sich die Betriebe schnell erholen können.

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„Die Kurzarbeit ist zusammen mit den wirtschaftlichen Hilfen der Bundesregierung ein stabilisierender Faktor.“ Im November und Dezember hatten jeweils 300 Betriebe Kurzarbeit angezeigt. „Davon sind jeweils 3000 Mitarbeiter betroffen“, nennt Wehbring die konkreten Auswirkungen. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 gingen bei der Agentur nur 22 Anzeigen für Kurzarbeit ein. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr waren es jedoch 4300 Meldungen.

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In 80 Prozent der Fälle haben Kleinbetriebe bis zehn Mitarbeiter auf dieses Instrument zurückgegriffen, um Arbeitsplätze zu erhalten. Großbetriebe mit mehr als 100 Beschäftigten waren hingegen so gut wie nicht vertreten. Zumeist meldeten bislang Gastronomiebetriebe Kurzarbeit an. Im Dezember kam vermehrt der Einzelhandel hinzu. Zugleich ging die Zahl der Arbeitslosen im vergangenen Monat weiter zurück. Wehbring: „Auch das ist ein positives Zeichen.“

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