Renaturierung - Stadt weitet Altrheingraben südlich von Edigheim auf und baut Damm / Blühende Wiesen statt Ackerflächen Ludwigshafen: Besserer Schutz vor dem Hochwasser

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Thomas Schrott
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Mit Baggern wird das Gelände modelliert – auch für einen neuen Polder in der Notwende. © ACHIM KEIPER

Ludwigshafen. Überflutete Gärten wie vor gut 15 Jahren sollen den Anwohnern künftig erspart bleiben. Deshalb setzt die Stadt die Renaturierung des Altrheingrabens in Edigheim mit einem zweiten Bauabschnitt fort. Die Böschung wird abgeflacht. Das Gewässer fließt dann nicht mehr in einem engen Trog, sondern schlängelt sich durch eine Wiesenlandschaft mit vielen Sträuchern. „Zudem soll ein neuer Damm vor dem Hochwasser schützen“, erläutert Bereichsleiter Rainer Ritthaler das Konzept. Die Stadt gestaltet einen 660 Meter langen Abschnitt südlich der Bezirkssportanlage Edigheim um. Mit den Erdarbeiten hat sie bereits begonnen.

Das derzeit größte Umweltprojekt

  • Der Altrheingraben verbindet das Maudacher Bruch und die Isenach.
  • Er soll abschnittsweise auf sechs Kilometern Länge renaturiert werden. Zwölf Hektar werden bei dem Gemeinschaftsprojekt mit Frankenthal naturnah umgestaltet.
  • Im ersten Bauabschnitt wurde 2015 der Bereich zwischen Oggersheim und Oppau renaturiert.
  • Im zweiten Bauabschnitt wird ein 660 Meter langer Abschnitt südlich des Altrheingrabens umgestaltet.
  • Vorgesehen sind zwei weitere Bauphasen. Sie sollen ab 2021 beginnen.
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Eine Fläche von fünf Hektar entlang des Zinkigs, die bislang landwirtschaftlich genutzt wurde, wird dabei renaturiert. Der Altrheingraben erhält leichte Biegungen, damit soll sich auch die Fließgeschwindigkeit verringern. „Im kommenden Jahr starten die Arbeiten für den Landschaftsbau. Dabei werden Sträucher gepflanzt und extensive Wiesenflächen eingesät“, kündigt der Bereichsleiter an.

Ludwigshafen Renaturierung des Altrheingrabens

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Das Bachbett rückt die Verwaltung von der Bebauung ab - in Richtung Westen. Dadurch kann der Altrheingraben einen „leicht mäandrierenden Verlauf“ nehmen. Die Sohle des Gewässers wird mit rund 9 000 Quadratmetern tonartigem Material abgedichtet. Zudem legt die Stadt einen neuen Rad- und Fußweg an - als Zugang für diesen Bereich legt die Stadt. 1,71 Millionen Euro kostet der zweite Bauabschnitt, dazu steuert das Land einen Zuschuss von 1,365 Millionen Euro bei.

Mit einer weiteren Maßnahme am Altrheingraben will die Stadt auch die Anwohner in der Notwende vor Hochwasser schützen. Sie baut einen Polder mit einem Volumen von 4600 Kubikmeter auf einem ehemaligen Bahngelände westlich der Notwendestraße. Im Zusammenhang mit dem Umbau der Regenwasserbehandlungsanlage Notwende wird der Altrheingraben auf einer Länge von 490 Metern aufgeweitet und naturnah ausgebaut. „Deswegen erwarb der Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen das Grundstück und entfernte die ehemalige Kleingartensiedlung. Die Kleingärtner wurden nach dem Bundeskleingartengesetz entschädigt“, berichtet Ritthaler über die Vorgeschichte.

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Auch in der Notwende erhält der Bach eine geschwungene Wasserrinne und flache Böschungen. Insgesamt 16 000 Kubikmeter Erdmaterial werden abgetragen und zur Deponie gebracht. Die Böschungen und das Umfeld begrünt die Stadt mit Wiesen und pflanzt Gehölze. „Der Polder wird nur zur Mahd und Pflege zugänglich sein. Dadurch entsteht ein kleines Reservat mitten in Ludwigshafen“, nennt Ritthaler als Ziel der Maßnahme. 90 Prozent der Gesamtkosten von einer Million Euro übernimmt das Land.

All dies ist alles andere als ein Schnellschuss. Bereits vor 25 Jahren begannen die intensiven Bemühungen von Ludwigshafen und Frankenthal, den Altrheingraben zu einer grenzübergreifenden Grünfläche aufzuwerten. Dabei soll die Umgestaltung aus den 1960er Jahren rückgängig gemacht werden, als das Gewässer in ein enges Bachbett gezwängt wurde. Mehrfach änderte sich das Konzept. Erst vor acht Jahren wurde das Vorhaben wasserrechtlich genehmigt.

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2015 wurde ein erster Abschnitt zwischen Oggersheim und Oppau renaturiert. Unklar ist, wann die zwei restlichen Bauphasen folgen. An der breiten Zustimmung hat sich aber nichts geändert. Der Naturschutzbeirat und die Naturschutzverbände begrüßen ausdrücklich das Projekt - aus nachvollziehbaren Gründen.

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Schlechte Wasserqualität

Denn der Altrheingraben wird nicht nur ökologisch aufgewertet und optisch ansehnlicher. Zudem dürfte sich die Wasserqualität verbessern. Dazu gehört gleichwohl nicht viel: Bislang wird der Bach in der schlechtesten von insgesamt sieben Gewässerklassen eingestuft.

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