Bildung - BASF startet aufwendiges Hilfsprogramm für von der Pandemie besonders betroffene Schülerinnen und Schüler „Kinder nicht im Stich lassen“

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Bettina Eschbacher
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So könnte ein Videochat zwischen Mentorin und Schüler aussehen. Das Mentoringprogramm soll Mitte März starten. © BASF

Ludwigshafen. Kinder und Jugendliche, die es in der Pandemie besonders schwer haben, etwa weil sie keine Unterstützung in der Familie bekommen – das ist eine ungewöhnliche Zielgruppe für einen Chemiekonzern. Doch vor allem für diese hat die BASF ein großangelegtes Bildungsprojekt aufgelegt, das bei all den Schul-Problemen helfen soll, die durch die Pandemie entstanden sind: also Homeschooling, Distanzunterricht und Schulschließungen. „Deine Lernbox“ heißt das Projekt, das der Ludwigshafener Chemiekonzern zusammen mit der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH (MRN) entwickelt hat.

500 Schüler in der Pilotphase

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Knapp 20 Schulen mit 500 Schülern in Mannheim und Ludwigshafen kommen in der Pilotphase in den Genuss des Hilfsprogramms. Es ist eine Art Baukastensystem, mit unterschiedlichen Modulen, das die Schülerinnen und Schüler je nach Bedarf individuell unterstützen soll. Zur Auswahl stehen laut BASF Mentoringprogramme, Nachhilfeangebote, Sprachförderung sowie Kurse, die zum Ziel haben, bei der Bewältigung schwieriger Lebenssituationen zu helfen. „Gemeinsam mit der Metropolregion Rhein-Neckar setzen wir uns mit diesem Projekt für junge Menschen ein, die es in der Pandemie besonders stark trifft. Diese Kinder und Jugendlichen dürfen wir jetzt und in Zukunft nicht im Stich lassen“, so Michael Heinz (kleines Bild), BASF-Arbeitsdirektor und Vorstandsvorsitzender des Vereins Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar.

Für die ganze Region geplant

Die Pilotphase für „Deine Lernbox“ ist bis 2023 geplant. Allein im ersten Jahr sollen 500 Schüler und Schülerinnen erreicht werden.

Danach wisse man mehr darüber, wie die Angebote angenommen werden, wie sich der Bedarf weiterentwickelt und wo die Umsetzung verbessert werden kann, heißt es bei der BASF.

Generell soll das Projekt aber geografisch ausgeweitet werden. „Dies setzt voraus, dass wir noch weitere Partner in der Metropolregion gewinnen – und auch weitere Förderer“, so ein BASF-Sprecher. be

Dabei greift das Unternehmen auch auf externe Fachleute zurück, etwa mit sozial- und medienpädagogischem Hintergrund. Mit dabei sind Mentoren aus verschiedenen Unternehmen, unter anderem auch der BASF SE am Standort Ludwigshafen, der MRN und von Hochschulen. Sie sollen die schulische und außerschulische Entwicklung ihrer Schützlinge per persönlichem Video-Chat unterstützen. Diese Mentoringprogramme für Schülerinnen und Schüler starten Mitte März.

Während sich dieses Angebot explizit an benachteiligte Kinder und Jugendliche richtet, steht eine Hotline allen Schülern offen, die Probleme mit dem Homeschooling haben. Die Beratung per Telefon ist kostenfrei und unter der Rufnummer 0800-7551513 zu erreichen. Eine Plakataktion in Mannheim und Ludwigshafen, unterstützt von der Firma Wall GmbH, soll helfen, das Hilfsangebot bekannt zu machen. „Gerade in Zeiten von Corona wollen auch wir als Unternehmen einen Beitrag leisten, um besonders die zu unterstützen, die Gefahr laufen, abgehängt zu werden“, so der Ludwigshafener Werkleiter Uwe Liebelt. Gute Bildungschancen seien eine wichtige Voraussetzung für Teilhabe und Integration in der Gesellschaft.

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Für das Projekt sei ein recht intensiver Planungsvorlauf nötig gewesen, erklärt ein Sprecher. Zu möglichen Defiziten des Bildungsangebots in der Corona-Zeit durch die Schulträger oder Kultusministerien wollte sich ein BASF-Sprecher nicht äußern. Er verwies darauf, dass Lehrkräfte, Schulträger, Akteure aus Bildungsorganisationen und Eltern der BASF in der Planungs- und Ausarbeitungsphase des Projektes ihre Erfahrungen aus der Praxis geschildert hätten.

„Die Probleme sind vielschichtig“, so der Sprecher. Man arbeite in engem Schulterschluss mit den kommunalen Schulträgern und zivilgesellschaftlichen Bildungsorganisationen zusammen. Zu den Kosten für das Projekt verrät der Chemiekonzern nichts.

Leichter Zugang wichtig

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Das von der BASF initiierte Bildungsprojekt wird in den nächsten drei Jahren von der MRN GmbH umgesetzt und weiter ausgebaut. Der Fachbereich „Bildung und Arbeitsmarkt“ konzipiert die inhaltlichen Programmmodule und koordiniert und steuert die Zusammenarbeit.

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Wichtig sei der leichte Zugang zu den Unterstützungs- und Beratungsangeboten, „um erfolgreich am digitalen Unterricht teilnehmen zu können, beziehungsweise digitales Lernen erst zu ermöglichen“, erklärt Christine Brockmann, Geschäftsführerin der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH. Nicht erst Corona habe gezeigt, dass hoher Bedarf an Unterstützungsangeboten für digitales Lernen in der gesamten Region besteht.

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Redaktion Bettina Eschbacher ist die Koordinatorin Wirtschaft und Wirtschaftsredakteurin.