Handel: Unternehmen gibt seine Filiale wegen mangelnder Rentabilität auf / Stadt sucht Nachfolger Kaufhof schließt im Juni 2010

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Christine Brehm

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Der Kaufhof schließt als eine von bundesweit vier Filialen mit dem Auslaufen des Mietvertrags Ende Juni 2010. Dies hat die Geschäftsführung der Galeria Kaufhof GmbH in Köln mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen. Als Grund nannte die Kaufhof-Zentrale die bisherige Geschäftsentwicklung sowie das schlechte Wachstumspotenzial für die Zukunft. Für die 56 Mitarbeiter sollen sozialverträgliche Lösungen gefunden werden.

"Das Marktumfeld und die Kaufkraft der Kunden haben sich hier dramatisch verschlechtert", erklärt Filial-Geschäftsführer Jörg Kanabei auf "MM"-Anfrage. Der Standort könne die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen langfristig nicht erfüllen. Durch die kommende Rheingalerie, in die Kaufhof nach eigenen Angaben nicht einzieht, verschärfe sich die Situation noch. "Dort gibt es Parkplätze und ein großes Angebot. Da fahren die Kunden eher hin als ins Zentrum", ist sich Kanabei sicher. Hinzu kämen die vielen Leerstände in der Innenstadt und die Konkurrenz der Einkaufsmetropole Mannheim. "Die Mitarbeiter sind sehr engagiert und wollen die Filiale würdig verabschieden. Ich hoffe, dass für sie eine Lösung gefunden wird. Die "Abwärtsspirale" habe sich in den vergangenen Jahren abgezeichnet. Hochpreisige Waren fänden kaum Kunden.

Zeiser: Bemühungen unterlaufen

"Wir waren schon lange im Gespräch mit Kaufhof und haben Instrumente aus dem Stadtumbau-Konzept angeboten", sagt Oberbürgermeisterin Eva Lohse. Von Seiten des Metro-Konzerns, zu dem Galeria Kaufhof gehört, habe es aber kein Interesse daran gegeben. Lohse kritisiert, dass Kaufhof über Jahre hinweg an diesem Standort nichts investiert habe, obwohl dies eine "1 a-Lage" sei. Durch den Stadtumbau werde die Stelle noch prominenter. "Man hat es einfach nicht gewollt", resigniert die OB und hofft, dass einige Mitarbeiter einen Job in der Rheingalerie finden. "Mit der Rheingalerie hat die Entscheidung des Kaufhofs nichts zu tun. Sie ist auch unabhängig von der Stadt getroffen worden", betont Lohse. Jetzt liege alles daran, eine gute Nachnutzung zu finden, wenigstens im Erdgeschoss. "Wir werden mit dem Eigentümer Gespräche aufnehmen und Fördermittel anbieten. Die Stadt ist kein Investor, aber wir beraten gern", erklärt Lohse, die trotz der Entscheidung das Gespräch mit Metro suchen wird.

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Kämmerer Wilhelm Zeiser zeigt sich ebenso überrascht von der Entscheidung wie OB Lohse. Er hat erst vom "MM" von der Schließung erfahren. Ein wichtiger Steuerzahler gehe nicht verloren, da Kaufhof seine Steuern nicht hier zahle. "Aber es ist ein großer Verlust für den Einkaufsstandort. Das hat unsere Bemühungen, den Standort aufzuwerten, unterlaufen", ärgert sich Zeiser.

"Das ist eine Katastrophe", sagt sich Einzelhandelsverbands-Vorsitzender Edmund Keller überrascht. Aus seiner Sicht hat der Kaufhof nur "halbherzig" investiert und hätte sich mehr Gedanken, um ein passendes Sortiment machen müssen. "Den Schlüssel rumdrehen ist wirklich sehr einfach", kritisiert Keller. Ein wichtiger Kundenmagnet für die anderen Geschäfte fehle nun. Er fürchtet, dass auch andere große Läden dem Beispiel folgen könnten.

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Um die Zukunft der Mitarbeiter sorgt sich Stefan Prinz, ver.di-Gewerkschaftssekretär. Er hofft, dass Metro die Mitarbeiter, von denen viele schon lange bei Kaufhof arbeiten in anderen Filialen unterbringen kann, aber aus seiner Sicht seien nicht viele Stellen frei. "Wir werden helfen, wo wir können", sagt Prinz.