Natur - Stadt Ludwigshafen und KABS wollen exotischen Blutsauger im Neubaugebiet Melm ausrotten / Letztes Jahr erstmals Population festgestellt Kampf gegen Tigermücke beginnt erneut

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Julian Eistetter
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Die hellen Streifen am Körper sind typische Merkmale einer Asiatischen Tigermücke. © dpa

Ludwigshafen. Im Oggersheimer Neubaugebiet Melm nimmt die Stadt Ludwigshafen ab sofort wieder den Kampf gegen die Tigermücke auf. Wie die Verwaltung am Dienstag mitteilte, werden die dortigen Haushalte bis spätestens Anfang Mai mit einem Faltblatt und einer Packung B.t.i.-Tabletten zur Behandlung möglicher Brutstätten versorgt. So könnten die ersten Bekämpfungsmaßnahmen mit Hilfe der Bevölkerung in die Wege geleitet werden. In den folgenden Monaten werden Mitarbeiter der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) dann von Haus zu Haus gehen, um den Einsatz der Tabletten zu überwachen und die Tigermücken auszurotten. Im vergangenen Jahr war im Neubaugebiet Melm eine stabile Mückenpopulation auf einer rund 20 Hektar großen Fläche nachgewiesen worden (wir berichteten).

Aggressive Stechmücke

  • Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist etwa so groß wie eine normale Rheinschnake.
  • Auffällig sind die silbrig-weißen Längsstreifen am Körper und das weiße letzte Fußglied.
  • Größere Populationen traten in den vergangenen Jahren auch in Heidelberg und Freiburg auf.
  • Die Asiatische Tigermücke lebte ursprünglich in den süd- und südostasiatischen Tropen sowie in den Subtropen.
  • Sie gilt als Überträger von 22 Virenarten – darunter Dengue- und Chikungunya-Viren.

Brutstätten in Wasserbehältern

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Die Verwaltung sieht die frühzeitige Bekämpfung der Tigermücke als notwendig an, „weil sie durch ihr aggressives Stechverhalten auch am Tage im Siedlungsbereich ein erheblicher Lästling sein kann“, wie es in der Mitteilung heißt. Vor allem in tropischen Ländern könne der wärmeliebende Blutsauger zahlreiche Viren auf Menschen übertragen – etwa Dengue-, Chikunguya- oder Zika-Viren. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist laut Stadt unter den klimatischen Bedingungen in Deutschland zwar gering, könne jedoch auch nicht vollends ausgeschlossen werden. Coronaviren werden von Stechmücken nicht übertragen.

„Im Gegensatz zur Rheinschnake, die im Wesentlichen in Überschwemmungsgebieten vorkommt, sind die Brutstätten der Tigermücke bevorzugt sehr kleine, meist künstliche Wasserbehältnisse wie Regentonnen, wassergefüllte Eimer, Gießkannen, ungenutzte Vasen, Untersetzer oder sogar hohle Zaunpfähle oder verstopfte Regenrinnen“, schreibt die Stadt. Damit solche unnötigen Wasseransammlungen vermieden werden, bittet die Verwaltung die Bewohner des Neubaugebiets um Mithilfe. Dafür sollten Eimer und Gießkannen so gelagert werden, dass sich kein Wasser darin ansammeln kann. Vogeltränken und Regenfässer sollten regelmäßig überwacht, geleert, gereinigt und frisch befüllt werden. Fässer können zudem mit einem Deckel oder Netz verschlossen werden.

Daneben können die B.t.i.-Tabletten zum Einsatz kommen, die einen biologischen Eiweißstoff enthalten, der gezielt Mückenlarven abtötet und für Menschen, Pflanzen und andere Tiere außer Mücken unbedenklich ist. „Eine Tablette reicht für ein Volumen von 50 Litern und hält für etwa drei Wochen“, teilt ein Rathaussprecher mit. Das behandelte Wasser könne ohne Bedenken weiter verwendet werden.

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Wer größere Wasserbehälter auf seinem Anwesen hat, der kann sich bei der KABS melden und um Unterstützung bitten. Die Aktionsgemeinschaft unterbindet die Vermehrung der Tigermücke zudem mit der sogenannten Sterile-Insekten-Technik. Dabei werden sterilisierte Männchen freigesetzt. Paaren sie sich mit Weibchen, so sind deren Nachkommen nicht lebensfähig. Sie kommen vor allem dort zum Einsatz, wo Brutstätten für die Schnakenbekämpfer nur schwer zu erreichen sind. Wer Tigermücken sieht, soll dies der KABS melden. Flugunfähig gemachte Exemplare können in kleinen Gefäßen an Norbert Becker, Georg-Peter-Süß-Straße 3, 67346 Speyer, gesendet werden. Fotos von Mücken können per E-Mail an norbertfbecker@web.de geschickt werden.

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Redaktion Reporter Region, Koordinator Neckar-Bergstraße und Ausbildungsredakteur