Porträt - Die Ludwigshafenerin Anita Hasel betreibt einen Blog mit eigenen Gedichten und arbeitet nebenberuflich als Auftragspoetin „Ich will Emotionen auslösen“

Von 
Julia Wadle
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An ihrem Schreibtisch im geräumigen Arbeitszimmer arbeitet Hasel an ihren Texten. Handschriftlich macht sie sich dabei Notizen. © Blüthner

Ludwigshafen. Ein lauer Sommerabend auf dem Balkon, die Dämmerung naht und in der Ferne kündigt sich ein aufziehendes Gewitter an, das Abkühlung und frische Luft verspricht: „Solche Momente sind es, die ich einfangen möchte“, erzählt Anita Hasel. „Ich will die Stimmung wiedergeben, alles was ich höre und sehe. Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit. Deswegen ist es umso wichtiger, innezuhalten und den kleinen Dingen Aufmerksamkeit zu schenken.“

Zur Person

  • Anita Hasel wurde 1964 in Mannheim geboren.
  • Heute wohnt sie mit ihrem Mann in Ludwigshafen-Oggersheim.
  • Neben ihrer Arbeit als Sekretärin hat die 53-Jährige einen Krimi geschrieben. „Mörderdämmerung“ wurde 2015 veröffentlich und ist als Taschenbuch oder Download für den E-Book-Reader erhältlich.
  • Einen Gedichtband mit eigenen Fotos plant die Oggesheimerin dieses Jahr zu veröffentlichen.
  • Lieblingsautorin und Vorbild der Hobbydichterin Hasel ist Charlotte Link.
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Was bedeutet Zeit, wie gehen wir mit ihr um und warum verschwenden wir sie – das ist eines der großen Themen, denen sich die Oggersheimerin Hasel widmet. In ihrem Blog „Zum Verweilen“ postet sie selbst geschriebene Gedichte, Kurzgeschichten und Fotos.

Bereits im Alter von neun Jahren verfasste die heute 53-Jährige ihr erstes Gedicht über den Umzug in eine neue Wohnung. „Damals habe ich jede Zeile mit einem anderen Stift geschrieben, alles sollte schön bunt aussehen“, erinnert sich Hasel. Auch als Erwachsene blieb sie ihrem Hobby treu. Zu Geburtstagen sei sie oft von Kolleginnen gefragt worden, ob sie ihnen nicht ein paar Zeilen schreiben könnte. „Am Anfang war ich unsicher, ob anderen meine Gedichte gefallen. Manchmal geht es mir heute noch so“, sagt sie. Doch positive Rückmeldungen aus dem Bekanntenkreis haben sie dazu ermutigt, 2014 mit dem Blog zu starten.

Manchmal nur eine halbe Stunde

Regelmäßig postet sie dort neue Beiträge. Vorgaben will sie sich dafür nicht selbst auferlegen. Denn neben dem Job als Sekretärin bleibt ihr meist nur am Wochenende Zeit, sich ihrem Hobby zu widmen. Dann kann es aber auch mal schnell gehen: „Manchmal brauche ich eine halbe Stunde für ein Gedicht, ein anderes Mal zwei Stunden.“ Dafür ziehe sie sich am liebsten in ihr Arbeitszimmer zurück – und schreibe darauf los. „Ganz unorthodox. Vieles entwickelt sich beim Schreiben.“

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Ein konkretes Ziel verfolgt Hasel mit ihrem Blog nicht. „Für mich ist das ein Hobby. Mir geht es nicht darum, eine bestimmte Klickzahl im Monat zu erreichen; ich will bei anderen Emotionen auslösen“, sagte sie. Gerade bei den Texten über das Altern sei es ihr wichtig, persönliche Erfahrungen zu verarbeiten. Dazu gehöre auch der teils schwierige Umgang mit pflegebedürftigen Verwandten. „Viele kennen die Herausforderungen und Unsicherheiten, die solche Situationen mit sich bringen. Ich wünsche mir, dass der Leser denkt ,So geht es mir auch, diese Gefühle kenne ich’“, erzählt sie.

Neben ihren Texten bietet Hasel auf dem Blog auch ihre Dienste als Auftragspoetin an. Für Hochzeiten oder Geburtstage schreibt sie Gedichte für andere. Rund 30 Texte seien so schon entstanden. Ihre erste Kundin war eine junge Frau. „Sie wollte ihrem Stiefvater zum Geburtstag ein Gedicht schenken. Als ich sie um Informationen über ihn bat, schickte sie mir mehrere dicht beschriebene Seiten. Aus diesem Material habe ich dann das Gedicht verfasst“, erzählt Hasel. Später habe sich die junge Frau noch mal bei ihr gemeldet und berichtet, dass sie und ihr Stiefvater geweint hätten, als sie es vortrug, so Hasel weiter. Das sei eine schöne Bestätigung. „Mir macht das Dichten Spaß und wenn ich damit anderen eine Freude machen kann, ist das noch schöner.“

Umgedichtete Liedtexte

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Neben klassischen Gedichten – „a uff mannemerisch“ – bietet Hasel auch umgedichtete Liedtexte an. Am besten geeignet seien dafür volkstümliche Lieder wie „Horch was kommt von draußen rein“, bei denen viele die Melodie kennen, berichtet sie. Aber auch zur Titelmelodie der Kinderserie „Biene Maja“ oder „Der Mörder ist immer der Gärtner“ habe sie schon gedichtet.

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Für das beginnende Jahr plant Hasel, mehr „Momentaufnahmen“ zu verfassen, genaue Beschreibungen der Szenen wie der Abend auf dem Balkon oder auch der erste Schnee. Für sie sei das eine Art Achtsamkeits-Training im Alltag. „Es gibt so viel Positives und Schönes, man muss es nur sehen“, meint sie.

Redaktion Projektredakteurin Digitales und Innovation