Tierschutzverein - Experten zeigen Hundebesitzern Erziehungsmethoden, damit die Tiere nichts mehr vom Boden fressen Hunde-Training gegen Giftköder

Von 
Rainer Bohlander
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Zu warten macht Hunden keinen Spaß, sie werden ungeduldig. Doch es wird sich lohnen: Jeder, der drankommt, lernt nur auf Kommando vom Boden zu fressen.

© Blüthner

Viele Hundebesitzer in Ludwigshafen und der Region haben ein sehr ungutes Gefühl, wenn ein Spaziergang mit dem Vierbeiner ansteht. Unbekannte legen Giftköder aus. Einer Husky-Hündin ist das zum Verhängnis geworden (wir berichteten). Anfang Januar fraß die Hündin in Rheingönheim vergiftete Innereien, die auf dem Boden lagen, und verendete daran. Am Samstag veranstaltete der Tierschutzverein (TSV) Ludwigshafen aus den aktuellen Anlässen auf dem Vereinsgelände des Schäferhundevereins in der Maudacher Straße ein "Giftköder-Seminar". Die Resonanz war riesig.

Tierschutzverein Ludwigshafen

Zuletzt wurden in Ludwigshafen und in Mannheim Funde von vergifteter oder mit Rasierklingen gespickter Wurst gemeldet.

Bei Fragen steht der Tierschutzverein (TSV) mit Auskunft zur Verfügung. Die Kontaktdaten sind: Telefonnummer 0621/58 42 90 oder im Web unter http://www.tierschutzverein-ludwigshafen.de

Der Tierschutzverein Ludwigshafen veranstaltete am Samstag erst zum zweiten Mal ein sogenanntes Giftköder-Seminar.

Dabei handelt es sich um eine einführende Praxisanleitung, die auch nach dem Seminar eigenständig weiter geübt werden soll.

Der TSV informiert über künftige Seminare auf seiner Homepage. bol

"Mein Hund ist ein Staubsauger"

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"Mein Hund ist halt einfach ein kleiner Staubsauger. Wenn er etwas auf dem Boden sieht, dann frisst er es sofort. Ich bemerke das oft nicht, und wenn, ist es schon zu spät", sagt Claudia Köhler. Sie ist mit ihrer vier Jahre alten Labradorhündin "Beverly" an diesem Samstagmorgen um kurz vor halb zehn extra aus dem Süden Mannheims über den Rhein gefahren, um an dem Seminar teilzunehmen. Sie sagt: "Als ich in der Zeitung gelesen habe, dass scheinbar ein Köder mit Rasierklingen gefunden wurde, habe ich mich sofort entschieden, hier teilzunehmen."

Das Clubhaus des Schäferhundevereins ist um 9.30 Uhr schon proppenvoll. Es müssen extra Stühle besorgt werden. Jeder Teilnehmer hat natürlich auch seinen Hund mitgebracht. Die Tiere beschnuppern sich, einige bellen, doch alle sind gut erzogen. Stefan Kaspar, der dritte Vorstandsvorsitzende des TSV, und seine Frau Iris werden das Seminar leiten. Beide sind Ausbilder. "Insgesamt haben sich 35 Teilnehmer angemeldet, am Mittag werden wir noch ein solches Seminar veranstalten", so Stefan Kaspar.

Seine Frau begrüßt die Hundebesitzer mit einem Schäferhund-Welpen im Arm. Stefan Kaspar beruhigt im halbstündigen Theorieteil zunächst: "Die meisten Meldungen von Giftködern, die derzeit herumgehen, haben sich als haltlos entpuppt. So war beim zuletzt gemeldeten Fall nur Katzenfutter im Spiel. Alles also ganz harmlos." Der Hundelehrer sagt aber auch: "Diese Fälle mit Giftködern gibt es."

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Iris Kaspar will den Teilnehmern nun zeigen, wie sie ihre Hunden darauf trainieren können, nichts mehr vom Boden aufzunehmen. Sie sagt: "Was gar nicht sein soll, ist: Wenn der Hund etwas vom Boden in den Mund aufgenommen hat, nicht schreien oder mit der Leine ziehen. Das ist kontraproduktiv. Wenn das passiert, dann schluckt er nämlich beim nächsten Mal nur noch schneller das, was er gefunden hat, herunter."

Iris Kaspar und ihr Mann befürworten eine andere Methode. Nach der kurzen Einführung geht es nach draußen. Das Wetter an diesem Samstagmorgen ist frühlingshaft schön. Iris Kaspar nimmt sich den Labrador von Claudia Köhler, sozusagen als Anschauungsprojekt. Die Trainerin holt eine Packung mit Hundeleckerli aus der Tasche, öffnet sie und wirft einen Teil auf den Boden.

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Sofort reagiert "Beverly" und versucht das Leckerli aufzunehmen. Doch bevor die Schnauze des hellen Labradors das Hundebonbon erreicht, setzt Kaspar ihren Fuß davor. Irritiert hebt die Hündin den Kopf. Die Trainerin zieht den Fuß zurück. Wieder will der Labrador an das Leckerli, doch erneut ist der Fuß von Kaspar im Weg. "Ganz wichtig ist", sagt die Trainerin, den Blick zu Claudia Köhler gerichtet, "dass sie als Besitzer in diesem Moment, in dem Hund das Leckerli aufnehmen möchte, nicht an der Leine ziehen und auch nicht herumschreien."

Regelmäßiges Training

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Kaspar betont: "Nicht nur der Hund muss sich bei der Trainingsmethode umstellen. Auch der Mensch." Ziel ist, dass der Hund - bevor er etwas vom Boden aufnimmt - erst sein "Herrchen" anschaut. Kaspar sagt: "Sie sehen, der Hund hat etwas gelernt. Aber Sie müssen so weit kommen, dass er auch ohne Leine so reagiert, wenn Sie nicht in Reichweite sind. Das erfordert allerdings regelmäßiges Training."

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Veröffentlicht
Von
Martin Schulte
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