Hochstraße Süd - Reaktionen der Anwohner auf die Sperrung / Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck lehnt Stadtrat-Sondersitzung ab Hochstraße Süd: „So ruhig war es hier noch nie“

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Thomas Schrott
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In der Dammstraße gilt seit Montag ein absolutes Halteverbot, zudem ist ein Teil der Parkplätze unter der Hochstraße Süd gesperrt. © ott

Ludwigshafen. Für Joachim Krueger aus der 18. Etage des Mosch-Hochhauses ist es ein ganz ungewohntes Gefühl. Von der Hochstraße Süd dringt seit Donnerstagnachmittag kein Dröhnen vom Autoverkehr herauf. „So ruhig war es hier noch nie. Nun können wir endlich den Balkon richtig genießen“, sagt Krueger, der seit 19 Jahren direkt neben der nun gesperrten Verkehrsachse wohnt. Für andere Anwohner wie Richard Zink ist der Unterschied indes nicht so gravierend.

Marode Verkehrsachse

  • Die Hochstraße bleibt wegen vergrößerter Risse an einem Pfeiler mindestens vier Wochen lang gesperrt.
  • Nach statischen Nachberechnungen entscheidet die Stadt in Absprache mit Landesbehörden, ob die Verkehrachse wieder geöffnet wird.
  • Als eine Ausweichroute dient die Hochstraße Nord. Empfohlen wird aber eine weiträumige Umleitung über die A 6 oder A 61.
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Denn andere Lärmquellen in der zentralen Innenstadt-Lage haben sich nicht verringert. Quietschende Straßenbahnen biegen weiterhin vom Berliner Platz zur Adenauer-Brücke ab. Autos und Busse befahren wie gewohnt die Dammstraße neben der Hochstraße. In einem anderen Punkt sind sich die Anwohner am Montag jedoch einig: Viel mehr Schleichverkehr durch den Stadtteil stellen sie nach der Sperrung nicht fest.

Vorschlag für Radschnellweg

„Die Lagerhausstraße war aber am Montagfrüh stärker befahren als sonst“, berichtet Cordula Forler. Ihren angestammten Parkplatz unter der „Pilzhochstraße“ musste die Frau kurzerhand aufgeben, nachdem die bewirtschafteten Parkplätze nach Anordnung der Stadt nicht mehr genutzt werden dürfen - aus vorsorglichen Gründen, wie Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) betont hat. „Ich habe aber eine gute Ausweichmöglichkeit in den benachbarten Parkhäusern Walzmühle und Dammstraße“, zeigt sich Forler ziemlich entspannt.

Hektisch schaut sich hingegen ein Mann um, der erst jetzt gesehen hat, dass in der Dammstraße ein absolutes Halteverbot gilt. „Das Verbot sollte unbedingt dauerhaft bleiben“, meint ein anderer Anwohner, der seinen Namen ebenfalls nicht in den Medien lesen möchte. Auch wegen der Radfahrer sollte die Dammstraße ungehindert befahrbar sein.

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Gleichwohl kritisiert der 65-Jährige, dass der Radweg an der Abfahrt von der Adenauer-Brücke zu Lasten einer Fahrspur eingerichtet wurde: „Damit wird unnötigerweise der Verkehr ausgebremst.“ Generell ist es nach seinen Angaben entlang der Hochstraße nur bedingt ruhiger geworden. „Viele Autoposer, die früher auf der Hochstraße aufgedreht haben, machen dies nun an der Abfahrt von der Adenauer-Brücke“, so die Erfahrung des 65-Jährigen.

Marlis Jonas aus der 18. Etage des Mosch-Hochhauses freut sich indes über die ungewöhnliche Ruhe. „Das kann doch gar nicht wahr“, denkt sie manchmal. Keinesfalls, so der Wunsch der Fotografin, sollte die marode Hochstraße Süd abgerissen werden. Die Straße könne später eventuell auch als Radschnellweg genutzt werden.

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Unterdessen überschlagen sich die Forderungen der Fraktionen. Die AfD und Linken verlangen eine Sondersitzung des Stadtrats. „Steinruck soll schnellstmöglich alle wichtigen Fakten auf den Tisch legen“, so die AfD. Der Stadtrat soll nach einer breiten Diskussion eine Entscheidung fällen, die der Bevölkerung begründet werden müsse, verlangen die Linken. Die Oberbürgermeisterin lehnt jedoch eine Sondersitzung des Stadtrats ab, vielmehr will sie bei der planmäßigen Sitzung des Hauptausschusses am Montag über die aktuelle Entwicklung berichten. „Per Mail wurden zudem die Mitglieder des Stadtrates adressiert“, teilt die Rathauschefin mit.

FDP kritisiert Baudezernent

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Um einem Verkehrsinfarkt zu begegnen, fordert die FDP, den Radweg in der Heinigstraße wieder dem Autoverkehr zur Verfügung zu stellen. Beigeordneter Klaus Dillinger (CDU) sei nicht mehr haltbar, weil das Baudezernat bislang kein Konzept für die Hochstraße Süd vorlegen könne, obwohl die Sanierungsbedürftigkeit seit Jahren bekannt sei. Die FWG drängt ebenfalls auf konkrete Lösungsvorschläge. Ein weiteres Verschieben der Probleme könne sich die Region nicht leisten.

Die CDU erneuert ihre Forderung nach einer gemeinsamen Verkehrskommission mit Mannheim. „Dies ist mehr denn je nötig.“ Zudem beantragt sie die Einsetzung eines stadträtlichen Ausschusses, der sich mit dem Thema Mobilität befasst.

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mig/bjz/ott/mik
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Redaktion MM-Redakteur seit 1984, zuständig für den Bereich Ludwigshafen - mit all seinen Facetten

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