Karneval - Großer Rat beschließt einstimmig Ausfall der Veranstaltungen 2020/2021 / „Finanzielles Risiko ist zu groß“ Fasnachter sagen Kampagne ab

Von 
Thomas Schrott
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Prunksitzungen mit Auftritten von Büttenrednern und Garden (unser Bild zeigt das Tanzmariechen Sophia Müss bei der Veranstaltung der Rheinschanze im Januar) wird es im nächsten Jahr nicht geben. © Achim Keiper

Ludwigshafen. „Die Entscheidung ist allen Vereinen schwer gefallen, aber angesichts der Corona-Krise gibt es keine Alternative. Die Vereine brauchen Planungssicherheit und können kein finanzielles Risiko eingehen“, begründet Christoph Heller, Präsident des Großen Rates, den Beschluss. Die Dachorganisation der Ludwigshafener Karnevalsgesellschaften sagte die Fasnachtskampagne 2020/21 ab. „Es wird keine Veranstaltungen in geschlossenen Räumen geben, auch die Straßenfasnacht entfällt nach derzeitigem Stand“, stellt Heller auf Nachfrage klar. Bereits vor wenigen Tagen hatte die Mannheimer Karnevalskommission wegen des Coronavirus ebenfalls die nächste Fasnachtskampagne abgesagt.

Die Dachorganisation

  • Der Große Rat wurde 1956 gegründet. Ihm gehören zwölf Fasnachtsvereine in Ludwigshafen sowie die Wasserhinkle in Altrip an.
  • Präsident ist seit 2019 Christoph Heller, Ortsvorsteher der Südlichen Innenstadt und CDU-Stadtrat.
  • Die Fidelen Zecher Oggersheim, die dem Großen Rat nicht angeschlossen sind, unterstützen laut Heller die Entscheidung des Dachverbandes, die kommende Kampagne abzusagen. Die Stadtgarde geht indes andere Wege.
  • Der gemeinsame Fasnachtszug Mannheim/Ludwigshafen findet im jährlichen Wechsel auf links- und rechtsrheinischer Seite statt.
  • Diese Großveranstaltung in der Ludwigshafener Innenstadt koordiniert die städtische Lukom.
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„Das Infektionsrisiko wird im Winter nicht weg sein, aber die Vereine müssten bereits jetzt die neue Saison genau planen und viele Verträge abschließen“, erläutert der Präsident des Großen Rates die missliche Situation. Normalerweise werden im Frühsommer Veranstaltungssäle gebucht, Büttenredner und Musikgruppen verpflichtet. „Angesichts der aktuellen Entwicklung wäre dies aber ein zu großes Risiko, das die Vereine nicht eingehen können“, so Heller weiter.

„Wir müssen jetzt planen“

Deshalb sei bei der Sitzung des Großen Rates sehr schnell klar geworden, wohin die Reise geht. „Fasnacht feiern mit Abstand und Mundschutz, kann sich niemand vorstellen. Alle Präsidenten und Vorsitzenden der Mitgliedsvereine votierten daher für die Absage“, berichtet der Präsident des Dachverbandes, dem zwölf Karnevalsgesellschaften angehören.

„Wie soll denn auch eine Prunksitzung in einem Saal gefeiert und dabei geschunkelt werden, wenn die Besucher einen Abstand von eineinhalb Metern einhalten müssen und es bei den Garden sogar drei Meter sind?“, fragt Tobias Mack, Vorsitzender der Rheinschanze. Die derzeit gültigen Hygienevorschriften seien bei den Fasnachtsveranstaltungen nicht zu erfüllen. Eine Begrenzung der Besucherzahl im Saal sei keine Lösung. Denn dann lohne sich der Aufwand für die Vereine finanziell nicht mehr.

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„Es ist deshalb besser, jetzt die Reißleine zu ziehen“, sagt der Vorsitzende der Rheinschanze. Unter allen Umständen sollte eine Situation wie im rheinischen Heinsberg vermieden werden, wo sich viele Gäste einer Karnevalssitzung angesteckt hatten und wo sich ein großer Infektionsherd bildete.

Weiteres Problem: Die Garden der Vereine können seit März nicht mehr trainieren. Für sie ist bislang kein Ende der Beschränkungen absehbar. Unter den gegebenen Hygieneregeln könne man noch lange nicht von einem normalen Betrieb ausgehen, sieht Heller eine lange Durststrecke. Die Aufgabe aller Vereine sei es, die Jugendarbeit unter Corona-Bedingungen fortzuführen. „Es wird vielfach mit Videokonferenzen gearbeitet. Wir wollen in Kontakt bleiben – auch ohne Kampagne. Denn hier ist unsere Zukunft.“

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Der Bezirksverband der badisch-pfälzischen Karnevalsvereine hatte bei einer Konferenz Ende Mai den Fasnachtern eine Absage empfohlen, wie Vorsitzender Andreas Müss auf Nachfrage dieser Redaktion erklärt. „Für die Vereine geht es bei den Veranstaltungen um viel Geld. Bislang gibt es kein Gesetz, wonach sie für ausgefallene Sitzungen einen finanziellen Ausgleich bekommen.“ Stattdessen drohten Schadensersatzforderungen.

Empfehlung des Bezirksverbands

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Möglicherweise gebe es in diesem Winter eine andere Art von Fasnacht, hält Müss Alternativen für denkbar. Er erinnert dabei an frühere Kappenabende in einem Nebenzimmer, für die kein großer Aufwand nötig sei. Unter den gegenwärtigen Bedingungen kann sich indes Heller keine Veranstaltungen oder Aktionen auf den Straßen vorstellen. „Sollte sich die Situation aber grundlegend ändern, was derzeit nicht absehbar ist, würden wir die Lage neu bewerten.“

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Redaktion MM-Redakteur seit 1984, zuständig für den Bereich Ludwigshafen - mit all seinen Facetten

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