Platz der Deutschen Einheit - Verantwortliche von Reisebüros aus der Region demonstrieren für mehr staatliche Unterstützung Eine Branche ruft nach Hilfe

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Dirk Timmermann
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Zur Kundgebung vor der Rheingalerie sind nur 20 Teilnehmer zugelassen – sie kommen aus der ganzen Region. © Dirk Timmermann

Ludwigshafen. “Rettet die Touristik!“ Unter diesem Motto ziehen am Mittwoch 20 Teilnehmer auf den Platz der Deutschen Einheit und bringen auf kreative Weise ihr Anliegen zum Ausdruck. Während etwa für die Automobilindustrie zeitnah eine Menge Geld zur Verfügung gestellt worden sei, drohe die Reisewirtschaft in Vergessenheit zu geraten. „Gerade die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen benötigen dringend Unterstützung“, formuliert Inge Baßler vom Aktionsbündnis „Rettet die Tourismusbranche“ ihre zentrale Forderung.

Ludwigshafen Betreiber von Reisebüros demonstrieren vor Rhein-Galerie

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Bisher konzentriere sich die staatliche Hilfe auf wenige große und prominente Konzerne wie TUI und Lufthansa. Fast völlig unbeachtet von Politik und Medien blieben hingegen die rund 11 000 Reisebüros mit ihren bis zu 100 000 Arbeitsplätzen, ohne die das Reisegeschäft in Deutschland nicht funktionieren würde. Hinzu kämen 3000 kleinere Reiseveranstalter. 60 Prozent der Betriebe stünden vor der Insolvenz. Daher sei eine zügige, nicht rückzahlbare Hilfe vonnöten, die beispielsweise in einem Notfallfonds speziell für die Tourismuswirtschaft bereitgestellt werden könnte.

„Die Lage ist katastrophal, die Mitarbeiter befinden sich zu 100 Prozent in Kurzarbeit“, bestätigt Juliette Thronberens. Die Leiterin mehrerer Reisebüros organisiert für das Aktionsbündnis die Öffentlichkeitsarbeit in Ludwigshafen und koordiniert die Instagram-Aktivitäten. „Die Branche hat keinerlei Einnahmen, trotzdem fällt Arbeit an“, fasst Thronberens die Lage zusammen. Aufgrund von Kontaktbeschränkungen, Einreiseverboten in manchen Ländern und nicht zuletzt infolge der weltweiten Reisewarnung, die die Bundesregierung am 17. März ausgesprochen hat, gebe es fast nur ein Thema: Stornierung. Eine Vielzahl an Anrufen und E-Mails gehe deswegen in den Reisebüros ein, Publikumsverkehr finde kaum noch statt – und wenn, dann mit Maske.

Auf 20 Teilnehmer begrenzt

Mund- und Nasenschutzpflicht herrscht auch vor der Rhein-Galerie, strenge Sicherheitsauflagen müssen bei der angemeldeten Demonstration erfüllt werden. Dazu gehört neben der Begrenzung auf 20 Teilnehmer ein Mindestabstand von anderthalb Metern sowie die Organisation eines Ordnungsdiensts. Dirk Hoffmann vom Reisebüro Eisele aus Böhl-Iggelheim garantiert den störungsfreien Ablauf des dreistündigen stillen Protests, bei dem Aufmerksamkeit und Dialog mit Passanten im Vordergrund stehen.

Aktionen in 35 Städten

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Doch nicht nur in Ludwigshafen gehen an diesem Nachmittag Branchenangehörige auf die Straße. Auch in Mainz, Koblenz, Kaiserslautern, Bad Neuenahr-Ahrweiler und 31 weiteren deutschen Städten finden zeitgleich Kundgebungen statt, außerdem in Innsbruck, Wien und Bratislava. „Unser Bündnis ist kurzfristig entstanden“, erklärt Inge Baßler. Der Zusammenschluss aus mehreren Tausend Mitarbeitern der Tourismuswirtschaft operiert dabei überwiegend über die sozialen Medien. So stieß auch Baßler am Sonntag spontan hinzu. Neben den Umsatzverlusten verweist die Mannheimerin auf ein Problem, das der Allgemeinheit oft weniger bekannt sei: Trotz geleisteter Arbeit müssten in vielen Fällen nun Provisionen an die Reiseveranstalter zurückgezahlt werden. Denn nur wenn der Gast tatsächlich die Reise antritt, besteht der Anspruch auf Provision. Davon betroffen seien Buchungen, die bis Oktober 2019 zurückreichen.

Dass die Reisebranche mit ihren 2,9 Millionen Beschäftigten systemrelevant sei, sieht auch Harald Ziegelmann so. Der Inhaber eines Lampertheimer Reisebüros zieht einen bildhaften Vergleich heran: „Leere Koffer = leere Kassen“. Die Demo-Teilnehmer sind sich einig: Zwar könne die Politik keinen „Tag X“ benennen, an dem alles wieder normal verlaufe, auch seien die coronabedingten Maßnahmen nachvollziehbar. Jedoch sei es angesichts der existenzbedrohenden Lage der Branche nun höchste Zeit für ein Auffangpaket gerade für die kleineren Unternehmen. Eine solche Perspektive wünscht sich auch Inge Baßler. Jetzt sei vor allem die Politik gefordert: „Thomas Bareiß muss auf uns aufmerksam werden“, sagt die Organisatorin und nimmt den Tourismusbeauftragten der Bundesregierung in die Pflicht. Die bisher gestarteten Petitionen hätten nur spärliche Resonanz hervorgebracht.

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