Bismarckstraße - Ausschreibung ergibt Preiserhöhung um 20 Prozent / Immobiliengesellschaft GAG: Gute Baukonjunktur lässt Kosten steigen Bürgerhof-Projekt liegt auf Eis

Von 
Thomas Schrott
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Schlüsselimmobilie in der Innenstadt: Seit zwei Jahren steht der Gebäudekomplex zum Bürgerhof leer. Bei einem Kunstprojekt 2017 wurde die Fassade bemalt. © ott

Ludwigshafen. Eine große Baustelle in der Fußgängerzone sollte eigentlich in diesen Wochen eingerichtet werden, daraus wird aber nichts. Das Projekt der städtischen Immobiliengesellschaft GAG beim Bürgerhof mit 36 Wohnungen und drei Gewerbeflächen liegt auf Eis. „Die Ergebnisse der Ausschreibung lagen etwa 20 Prozent über dem erwarteten Betrag“, begründet eine Pressesprecherin auf „MM“-Anfrage die weitere Verzögerung. Ursache sei die gute Baukonjunktur, die zu nicht nachvollziehbaren Kostenerhöhungen geführt habe. Folge: Das Unternehmen gibt nun keine Prognose ab, wann das Vorhaben beginnen könnte. Eventuell steht es sogar ganz auf der Kippe.

GAG-Vorhaben in der Innenstadt

  • Bei dem achtgeschossigen Neubaukomplex Bismarckstraße/Bürgerhof sind 36 Wohnungen mit einer Größe zwischen 70 und 115 Quadratmetern vorgesehen. Hinzu kommen Flächen für Dienstleistungsbetriebe im Erdgeschoss.
  • Im Gebäude Ludwigstraße 42 hatte die GAG nach den Vorplanungen mit etwa 15 Wohnungen kalkuliert.
  • 20 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit sind im siebengeschossigen Neubau an der Ecke Benckiser-/Heinigstraße geplant. Die Tiefgarage soll elf Stellplätze bieten.
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„Das Projekt muss für uns wirtschaftlich noch vertretbar sein“, nennt die Pressesprecherin den entscheidenden Aspekt für die GAG. Bislang hatte das Unternehmen insgesamt 14,2 Millionen Euro für den Abriss des Gebäudekomplexes am Knödelbrunnen sowie den achtgeschossigen Neubau kalkuliert. „In allen Gewerken ergaben sich indes bei der Ausschreibung höhere Preise. Die externen Architekten konnten uns dafür aber keine plausible Begründung liefern.“

Probleme mit dem Untergrund

Deshalb bemüht sich die GAG, in Nachverhandlungen die Baukosten zu reduzieren. Möglicherweise könne das Projekt noch weiter abgespeckt werden, etwa bei der Fassadengestaltung. „Ob dies gelingt, ist aber offen. Es bleibt ein sehr kompliziertes Bauvorhaben. Deshalb sind derzeit keine belastbaren Aussagen möglich“, lautet die Auskunft.

Wegen schwieriger Bodenverhältnisse hatte sich das Vorhaben schon einmal verzögert und verteuert. Denn ursprünglich ging das Unternehmen von Kosten in Höhe von zwölf Millionen Euro aus. Eigentlich sollte das Bürgerhof-Projekt, das als eine Schlüsselimmobilie in der Innenstadt gilt, bereits vor einem Jahr beginnen.

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Unliebsame Überraschungen bei den Bodenuntersuchungen sorgten aber für einen Aufschub – nicht nur, weil das alte Fundament nicht mehr verwendet werden kann. „Die Gründung des Neubaus ist viel aufwendiger als gedacht – vor allem wegen der Kies- und Sandschichten“, hatte bereits 2017 der damalige Vorstand Ernst Merkel berichtet. Zur Verankerung müssen zusätzliche Betonpfähle in das Erdreich gerammt werden. Die Absicherung gegen eindringendes Grundwasser sei sehr aufwendig. Nötig ist diese deshalb, weil unter dem Neubau eine Tiefgarage mit 26 Stellplätzen vorgesehen ist. Die Zufahrt, so wurde vereinbart, soll über das Parkhaus an der Bahnhofstraße erfolgen.

Bereits seit zwei Jahren sind die Wohnungen und Geschäftsräume in den beiden Häusern nicht mehr belegt. Die leerstehenden Räume im Erdgeschoss wurden im vergangenen Jahr im Rahmen des WOW-Projekts zwischenzeitlich genutzt. In diesem Zusammenhang war auch die Fassade künstlerisch bemalt worden. Seitdem ist aber nichts mehr passiert.

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Zurückgestellt hat die GAG auch ein zweites Projekt in der Innenstadt – an der Ecke Heinig-/Benckiserstraße, wo ein Gebäude mit 20 Wohnungen entstehen soll. Aus demselben Grund: „Die Baubranche ist derzeit so überhitzt, dass wir auf die Ausschreibung nur Angebote erhalten haben, die weit über den kalkulierten Kostenrahmen hinausgingen“, hat GAG-Vorstand Wolfgang van Vliet bereits bei der Hauptversammlung im Juni berichtet.

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Bei dem etwa acht Millionen Euro teuren Projekt hätten die Angebote der Firmen im Durchschnitt um etwa 13 Prozent höher gelegen als erwartet, berichtet die Pressesprecherin. „Hier ist die Situation aber nicht so dramatisch wie in der Bismarckstraße“. Möglicherweise werde das Vorhaben 2019 starten.

Aufgegeben hat die GAG ein drittes Projekt in der Innenstadt – in der Ludwigstraße 42. Das Grundstück sei letztlich zu schmal für ein größeres Wohnhaus, lautet die Begründung. Deshalb laufen Gespräche über eine Umnutzung der Fläche. Ein Verkauf des Geländes ist dabei nicht ausgeschlossen.

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