„Hör auf Dein Herz!“ - Aufklärungsaktion zur Bekämpfung des Schlaganfall-Risikos / Kurz-EKG in Apotheken Bei „Rot“ Vorhofflimmern

Von 
Waltraud Kirsch-Mayer
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Matthias Schwerdtfeger, Inhaber der Bismarck-Aphotheke, demonstriert das EKG-Gerät, mit dem Kunden ihren Herzrhythmus überprüfen können. Ein rotes Lämpchen zeigt einen unregelmäßigen Herzschlag an. © tröster

Ludwigshafen. Während der Hightech-Stab links und rechts an den Elektroden festgehalten wird, blinken nach und nach gelbe Lämpchen auf. Leuchtet es nach einer Minute „grün“, dann war der Takt der Lebenspumpe regelmäßig – bei „Rot“ unregelmäßig. Der EKG-Stick ist das Herzstück des vom Ludwigshafener „Institut für Herzinfarkt Forschung“ koordinierten Rhein-Neckar-Projekts „Arena“ zur Aufklärung über Vorhofflimmern, das unbehandelt die Schlaganfall-Gefahr deutlich erhöht. Motto der Kampagne: „Hör auf dein Herz!“

Das Projekt

  • Das „Institut für Herzinfarkt Forschung“ (IHF) ist eine gemeinnützige Stiftung, die klinische Forschung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen betreibt.
  • Als Folge von Vorhofflimmern erleiden in Deutschland jährlich rund 40 000 Menschen einen Schlaganfall.
  • An dem Vorhofflimmer-Projekt bis Ende November beteiligen sich in der Metropolregion Rhein-Neckar alle drei Uni-Kliniken und viele andere Krankenhäuser, außerdem Arztpraxen und Apotheken.
  • Zu den Unterstützern gehört die Deutsche Herzstiftung. Parallel zur Studie soll eine wissenschaftliche Datenbank aufgebaut werden.
  • Vorhofflimmern wird nicht nur medikamentös behandelt. Katheter-Ablation ermöglicht das Veröden krankhafter Bereiche im Herzgewebe.
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Um die 40 000 Menschen, so schätzen Experten, sind allein in der Rhein-Neckar-Region davon betroffen, dass sich die Vorhöfe ihres Herzens nicht mehr rhythmisch zusammenziehen und deshalb chaotisch schlagen – was häufig, aber keineswegs immer als Stolpern oder Rasen des Organs empfunden wird. Wenn das Blut nicht mehr vollständig in die Herzkammern bewegt wird, kann es zu Verklumpungen und Gerinnseln kommen – mit dem Risiko, dass diese als Ausschwemmungen im Hirn Gefäße verstopfen und damit einen Schlaganfall verursachen.

„Das Tückische beim Vorhofflimmern ist, dass etwa zwei Drittel der Betroffenen davon kaum etwas oder gar nichts merken“, schildert Jochen Senges, ehemaliger Chefarzt des Herzzentrums Ludwigshafen und seit 2000 Direktor des Herz-Instituts, das Problem. Weil sich schwerwiegende Folgen bei anhaltenden Herzrhythmusstörungen „nur durch konsequente Vorsorge“ verhindern lassen, will das „Arena Vorhofflimmern Projekt“ die Zielgruppe „65 und älter“ nicht nur aufklären, sondern gleichzeitig eine unkomplizierte wie kostenfreie Kurzdiagnostik ermöglichen.

Bis zu fünf Messungen am Tag

Seit Anfang Juni sind in der Rhein-Neckar-Region 36 Apotheken mit dem EKG-Stick ausgestattet worden – 50 solcher Kooperationspartner sollen erreicht werden. „Die Bereitschaft, mitzumachen, ist gut“, kommentiert Matthias Schwerdtfeger, der in Ludwigshafen bei Kollegen für das Projekt geworben hat. Die Erfahrung der letzten Wochen habe gezeigt, dass Kunden gezielt angesprochen werden müssen. „Dann haben wir auch schon mal bis zu fünf Messungen an einem Tag.“ Petra Neuses, die in der Ludwigshafener Kreuz-Apotheke ebenfalls Info-Material ausliegen hat, wundert sich, dass nicht mehr Senioren oder auch Jüngere die Untersuchungsmöglichkeit nutzen. „Wenn wir zwei solcher Kurz-EKG haben, ist es viel.“ An so manchen Tagen komme der Messstab gar nicht zum Einsatz. Matthias Schwerdtfeger wie Petra Neuses erzählen, dass in einigen Fällen das rote Lämpchen auf aktuelles Vorhofflimmern hingewiesen hat. Dann werde das Elektrokardiogramm, das via Pulsmessung funktioniert, mittels Spezialsoftware für den Arzt ausgedruckt.

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Im Frühjahr präsentierte sich „Arena“ auf dem Mannheimer Maimarkt. 1531 Messebesucher, so bilanziert Projektmanagerin Begin Özdemir, haben damals den Diagnosestab in beide Hände genommen: In 111 Fällen leuchtete es nach einer Minute „rot“ auf. Özdemir: „Manche wussten, dass sie Herzprobleme hatten, andere reagierten ziemlich geschockt.“

Anhaltendes Vorhofflimmern früh erkennen und behandeln, so lautet für den erfahrenen Kardiologen Senges das Credo. Zum Minimieren des Risikos für einen Schlaganfall hält er blutverdünnende Medikamente, die einer Gerinnsel-Bildung vorbeugen, für unerlässlich – und dies „unbedingt ein Leben lang“. Außerdem warnt der Experte: „Die Einnahme von Aspirin genügt nicht.“

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