„Drehmoment“ - Auto-Tuning-Treffen nie mehr im Walzmühle-Parkhaus / Veranstalter kritisiert Vorgehen der Oberbürgermeisterin Automobiltreffen "Drehmoment": Kein Platz für Tuningfans in Ludwigshafener Innenstadt

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Julian Eistetter
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Sehen und gesehen werden: Die Autofans präsentieren ihre Fahrzeuge am 13. Oktober im Walzmühle-Parkhaus. © Drehmoment

Ludwigshafen. Beschwerden über Lärm, verstopfte Straßen und gefährliche Fahrmanöver - das Auto-Tuning-Treffen „Drehmoment“ im Parkhaus der Walzmühle hatte im vergangenen Oktober für einigen Wirbel gesorgt. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) sprach als Reaktion auf die Klagen der Anwohner ein Verbot für die Automobil-Schau in der Innenstadtlage aus. Bei einem Treffen mit den Veranstaltern versicherte sie aber, sich um einen alternativen Standort in Ludwigshafen zu bemühen. Mittlerweile ist klar, dass „Drehmoment“ im Walzmühle-Parkhaus definitiv keine Zukunft hat. Und auch einen vergleichbaren Ausweichort konnte die Stadt den Organisatoren nicht bieten.

Vorgeschichte

  • Zu dem Auto-Tuning-Treffen „Drehmoment“ kommen am 13. Oktober 2018 rund 2000 Menschen und 1100 Fahrzeuge ins Walzmühle-Parkhaus.
  • Nach Beschwerden über Lärm verbietet Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck die Veranstaltung dort.
  • Bei der Aktion #HolDieOberbürgermeisterin bekommt das Projekt im Oktober 2018 jedoch die meisten Stimmen. Bei einem Treffen sichert Steinruck zu, sich um einen anderen Standort in der Stadt zu bemühen.
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Für Veranstalter Stephan Wiemann ist das keine große Überraschung. „Ich habe schon damals beim Treffen im November gesagt, dass ich die Bekenntnisse der Oberbürgermeisterin, dass sie sich nach einem Alternativstandort umschauen will, für Floskeln halte“, betont er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Und genau so ist es letztendlich auch gekommen.“ Von Steinruck persönlich habe der Organisator aus der Südpfalz nach dem Termin im November nie wieder etwas gehört. „Da bin ich schon etwas enttäuscht, wie das abgelaufen ist. Ein richtiger Wille ist dort, glaube ich, nie dagewesen.“

Wie berichtet, waren zu der Veranstaltung im Oktober 2018 rund 2000 Menschen und etwa 1100 Fahrzeuge in das Walzmühle-Parkhaus gekommen. Durch den großen Andrang und eine mangelhafte Stellplatz-Belegung stauten sich die Autos auf der Yorckstraße. Vereinzelt ließen Fahrer die Reifen ihrer hochmotorisierten Wagen durchdrehen. Zahlreiche Anrufe aus der Nachbarschaft waren die Folge. Wiemann räumte damals Fehler ein - und war bereit, Konsequenzen zu ziehen. „Wir sind alles noch mal durchgegangen, hätten alle notwendigen Gutachten eingeholt, um einen weiteren Anlauf zu nehmen“, sagt der Südpfälzer. Doch alle Mühen waren vergebens. Anstatt der Oberbürgermeisterin meldete sich irgendwann die Ludwigshafener Kongress- und Marketinggesellschaft (Lukom), die das Parkhaus betreibt, und erteilte eine Absage.

Gestiegene Anforderungen

„,Drehmoment’ wird nie mehr im Walzmühle-Parkhaus stattfinden“, bestätigt Lukom-Chef Michael Cordier, an den Steinruck die Beantwortung der Anfrage weitergegeben hat. Grund für das Aus seien die erhöhten Anforderungen, die mit der immer weiter wachsenden Veranstaltung einhergegangen seien. „Mit zuletzt mehr als 2000 Menschen und 1100 Fahrzeugen hätte es eine Nutzungsänderung für das Parkhaus gebraucht, das ja an sich keine Veranstaltungsstätte ist“, erklärt Cordier. Damit verbunden gewesen wäre eine Verbesserung des Brand- und des Lärmschutzes. „Das wäre auch finanziell nicht zu machen gewesen“, so der Marketingchef.

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Die Vorwürfe gegen die Rathauschefin weist Cordier zurück. „Die Oberbürgermeisterin hat alles versucht, um eine Lösung zu finden“, sagt er. So seien etwa alle anderen Parkhäuser in der Stadt geprüft worden und auch die BASF wurde kontaktiert - ohne Erfolg. Dass Steinruck sich nicht selbst bei den Veranstaltern gemeldet hat, habe den Grund, dass sie die Kommunikation an die Lukom abgegeben habe, die ohnehin mit Wiemann im Austausch gewesen sei. „Sie hat sich wirklich gekümmert“, beteuert Cordier.

Die Entscheidung, das Tuning-Treffen in dem Parkhaus zu verbieten, habe man sich auch nicht leicht gemacht. „Die Veranstaltung hat uns eigentlich gut gefallen, das war schon etwas Besonderes. Aber was nicht geht, das geht eben nicht“, sagt Cordier.

Bald erstmals auf Hockenheimring

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Stephan Wiemann findet das einfach nur bedauerlich. „Für uns war die Walzmühle optimal. Wir hätten die Veranstaltung wirklich gerne mit der Stadt zusammen zu einem Aushängeschild für Ludwigshafen gemacht“, erklärt er. In diesem Sommer ist die „Drehmoment“ wieder in das ungeliebte Gewerbegebiet „Westlich B 9“ in Oggersheim ausgewichen. „Es waren 5000 Menschen da und es gab keine Beschwerden. Das war erfreulich. Aber unter freiem Himmel ist das Risiko natürlich deutlich höher“, erklärt Wiemann. Außerdem werfe es seiner Ansicht nach ein falsches Bild auf die Szene, wenn die Veranstaltungen in die Randgebiete verdrängt werden. Im Oktober richtet er nun erstmals eine Veranstaltung auf dem Hockenheimring aus. An das Walzmühle-Parkhaus komme jedoch auch dieser Standort nicht heran.

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Redaktion Reporter Region, Koordinator Neckar-Bergstraße und Ausbildungsredakteur