Fußgängerzone - Viele Schaulustige verfolgen Abbruch der GAG-Häuserzeile am Bürgerhof / Zwei Wasserschläuche gegen Staubwolke Abriss in Ludwigshafen sorgt für Aufsehen

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Thomas Schrott
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Mit einem 52 Tonnen schweren Bagger wird das seit zwei Jahren leerstehende Gebäude in der Bismarckstraße abgebrochen. © Troester

Ludwigshafen. Die Greifzange des Baggers packt einen dicken Mauervorsprung und bricht ihn ganz leicht ab. Dabei fällt auch ein Fensterrahmen in die Tiefe. Von der Frontseite des südlichen Gebäudetrakts sind drei Stunden nach Beginn der Arbeiten in der Bismarckstraße nur noch ein paar Balken des Dachstuhls übriggeblieben. Große Fortschritte macht der am Montag begonnene Abriss der Häuserzeile zum Bürgerhof - der im November beendet sein soll. Die städtische Immobiliengesellschaft GAG errichtet dort für 15 Millionen Euro einen achtgeschossigen Wohn- und Geschäftskomplex - bis Anfang 2022, so der Plan.

Ludwigshafen Abriss der GAG-Häuserzeile in der Fußgängerzone

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Viele Schaulustige verfolgen den Abriss an einer markanten Kreuzung der Innenstadt. Aus zwei Schläuchen spritzen Beschäftigte des Abbruchunternehmens Wasser auf die Stelle, die gerade herausgebrochen wird. Wenn aber größere Brocken fallen, haben sie Mühe, die Staubwolke einzudämmen, die einige Häuser weiter Richtung Rathaus-Center zieht. Ein Imbissbetreiber ist darüber nicht sehr erfreut. Andere regen sich indes nicht auf, sondern zücken ihre Handys, um das ungewohnte Treiben in der Fußgängerzone per Bild festzuhalten.

Thomas Reisinger verfolgt indes mit nachdenklicher Miene das Geschehen. „Da oben habe ich in den 1980er Jahren gewohnt“, zeigt er auf eine Wohnung im zweiten Stock. „Das war früher eine schönere Zeit“, sagt er. Damals sei die Innenstadt viel belebter gewesen als heute. Reisinger erinnert unter anderem an viele Fachgeschäfte in der Umgebung, die aufgaben, oder an die regelmäßigen Kulturveranstaltungen mittwochs in der Fußgängerzone. Für Frequenz sorgte früher zudem das „Große Bürgerbräu“, das jahrzehntelang im Erdgeschoss des nun abgerissenen Gebäudes untergebracht war.

Was wird aus der Innenstadt, wenn in einigen Jahren auch das Rathaus-Center wegfällt? Diese bange Frage treibt Karlheinz Kuhn um, der ebenfalls den Abriss in der Fußgängerzone beobachtet. Mit dem Stillstand am Berliner Platz nach dem Abbruch der „Tortenschachtel“ ist er jedenfalls total unzufrieden. Sehr angetan über die Veränderung in der Bismarckstraße ist hingegen Nicoletta Steffan. „Hier geschieht etwas Neues“, freut sie sich. Auch wenn nun die Bemalungen an den Fassaden verschwinden, für die die Künstlerin vor zwei Jahren andere Mitstreiterr engagiert hatte.

Greifarm ist 21 Meter lang

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Bereits vor Wochen begann die GAG mit den Vorbereitungen für den Altbau. Sie entkernte ihn und entsorgte etwa Fenster und Sanitäranlagen. Die Verbindung zu den Nachbarhäusern wurde bereits per Bohrhammer gekappt. Eine längere Planung war auch für den Transport des 52 Tonnen schweren Baggers nötig, der seinen Greifarm 21 Meter weit ausfahren kann. Er steht auf einer 50 Zentimeter dicken Schicht aus Erd- und Baumaterialien, um den Belag der Fußgängerzone zu schützen.

Mit Sondergenehmigungen und vielen Umwegen wurde der Bagger per Tieflader von Ladenburg nach Ludwigshafen gebracht. „Wegen der engen Straßen war die Anlieferung nicht so leicht“, sagt GAG-Sprecherin Constanze Kraus. Die beengten Verhältnisse in der Fußgängerzone sind nach ihren Angaben auch die Hauptschwierigkeit beim Abriss.

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Wegen des relativ instabilen Untergrunds muss der Neubau mit 90 Pfählen bis in einer Tiefe von 20 Metern verankert werden. „Die Pfähle werden aber nicht ins Erdreich gerammt, sondern vor Ort betoniert“, sieht die GAG einen großen Unterschied zu einem Projekt an der Rheinallee, das für massive Beschwerden gesorgt hatte. Um Beeinträchtigungen in der Fußgängerzone zu reduzieren, fahren die Baustellenfahrzeuge durch die Amtsstraße.

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Weitere Nachfragen von Anwohnern werden bei dem fast zweijährigen Bauvorhaben aber nicht ausbleiben. Deshalb bietet die GAG regelmäßig Sprechstunden mit dem Bauleiter an - montags und donnerstags von 9 bis 10 Uhr.

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