Soziales - Ökumenische Fördergemeinschaft verteilt in Mundenheim erneut Lebensmittel an Bedürftige / Schwierige Lage in der Jugendarbeit 100 Tüten und die Hoffnung auf Normalität

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dtim
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Uwe Frey (von links) verteilt mit Stefan Gabriel und Alexandra Beck vom Jugendzentrum Mundenheim Lebensmittel an Bedürftige. © Dirk Timmermann

Ludwigshafen. Wer den Bereich um die Kropsburg- und Flurstraße durchläuft, bekommt schnell einen Eindruck davon, was „prekäre Lebensverhältnisse“ bedeuten. Im Westen Mundenheims leben rund 350 Menschen am Rande des Existenzminimums. Gegenüber den vier modernen „Punkthäusern“ mit Wohngemeinschaften für geflüchtete Familien und alleinstehende Männer liegen nach hinten versetzt die Wohnblöcke, die noch aus den 1950er-Jahren stammen.

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Stets präsent ist Stefan Gabriel, Bereichsleiter Offene Kinder- und Jugendarbeit bei der Ökumenischen Fördergemeinschaft (ÖFG) und seit 2001 Leiter des Jugendzentrums. Die im Viertel so dringend erforderliche „Gemeinwesenarbeit“ betreibt er zusammen mit Uwe Frey, der im „Haus der Begegnung“ arbeitet, einer Wohnung im blauen Gebäude. „Wir sind Streetworker, Vertrauenspersonen und Ansprechpartner für organisatorische Fragen“, erklärt Frey. Seit Beginn der Pandemie ist jein weiteres Thema in den Fokus gerückt: die Versorgung mit Lebensmitteln. Mit dem ersten Lockdown fielen die „Lebensmittelretter“ weg: jene Helfer, die übrig gebliebene Produkte an Bedürftige weitergeben. Auch die Tafeln schlossen zeitweise. Damit Nahrungsmittel nicht ausschließlich von den Hartz-IV-Leistungen bezahlt werden müssen, riefen Frey und Gabriel vor einem Jahr eine Lebensmittel-Verteilaktion ins Leben. Dreimal haben sie seit dem ersten Lockdown Lebensmitteltüten ausgehändigt. Bei einer weiteren Aktion gab es Gutscheine und Gesellschaftsspiele, finanziert aus Spenden in Höhe von 11 000 Euro.

„Wichtig, am Ball zu bleiben“

Vergleichbare Initiativen gab es in der Bayreuther Straße – dort unter Federführung von ÖFG und Emmi-Knauber-Hort. Weil auch im gegenwärtigen Lockdown die Probleme wieder verstärkt zu Tage treten, wurden nun erneut 100 Tüten für Notleidende befüllt. Mit einem „Eintauschschein“ holten sich Anwohner vor dem Haus der Begegnung H-Milch, Brot, Reis, Öl, Dosensuppe, Nudeln, Schokolade und Gebäck. Jedem Haushalt stand eine Lebensmitteltüte zu, mit Kind eine zweite.

„Gerade in der jetzigen Situation ist es wichtig, am Ball zu bleiben“, mahnt Stefan Gabriel. Die Einschränkungen infolge der Pandemie seien vielfältig, die Lage insbesondere für das Jugendzentrum drastisch: Da der offene Betrieb nicht fortgeführt werden könne, habe man auf Einzelarbeit in Einzelräumen umgestellt. Der Bedarf an Lernförderung sei „riesig“. Auch müsse man der Langeweile entgegenwirken, wenn Kinder nicht draußen spielen dürfen.

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Im offiziellen Sprachgebrauch gilt die Gegend als „Einweisungsgebiet“. Mit diesem Instrument verschafft die Stadt Menschen Wohnraum, die ansonsten obdachlos wären – etwa aufgrund einer Räumungsklage. Daher haben die Bewohner keine Mietverträge. Der Übergang in ein reguläres Mietverhältnis ist allerdings erklärtes Ziel – auch wenn so mancher „seit Generationen hier lebt“, wie Stefan Gabriel weiß. Vorerst hegen die Sozialarbeiter vor allem einen Wunsch: „Wir hoffen, dass so bald wie möglich wieder Normalität einkehrt!“ 

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