Pandemie - Luftfilter und Co. sollen Kindertagesstätten sicherer machen / Schmidt: „Erzieherinnen beim Impfen vorziehen“ Viel Technik gegen das Virus

Von 
Daniela Hoffmann
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Die Räume des Kindergartens Guldenweg haben sich Experten des RKI angeschaut, um mehr über die Ausbreitung von Corona-Mutationen zu lernen. © Berno Nix

Lampertheim. In dieser Woche ist in Lampertheim – wie überall in Hessen – der Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen in den Kindergärten angelaufen. „Eine Herausforderung“, meint Erster Stadtrat und Sozialdezernent Marius Schmidt. Denn die Einrichtungen sind wieder gut besucht. Die Kinderkrippe „Kleines Ich“ im Stadtteil Hofheim sei beispielsweise bis auf ein Kind voll besetzt, die sonstigen Kindertagesstätten zwischen 37 und 83 Prozent. „Doch wir geben unser Bestes, damit Kinder und Personal gesund und sicher durch den Tag kommen“, sagt Schmidt.

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Keine einfache Aufgabe: Denn durch die Mutationen des Corona-Virus wird die Situation nicht leichter. So wurden vergangene Woche bei einem Kind, das die Kita im Europaring besucht, sowie bei einer Mutter eine Infektion mit der britischen Variante festgestellt. Die Einrichtung bleibt nun bis zum 25. Februar geschlossen (wir berichteten).

Sämtliches Personal der Tagesstätte und alle Kinder seien dem Gesundheitsamt als Kontaktpersonen gemeldet worden. Auch eine Reihentestung wurde veranlasst. „Engmaschig, breit und früh melden und testen“, das hatte der Sozialdezernent nach den Erfahrungen mit dem größeren Infektionsgeschehen im Kindergarten Guldenweg als Handlungsstrategie vorgegeben.

RKI untersucht Räume

Dort war Ende Januar eine der ersten beiden Infektionen der britischen Mutante B.1.1.7 in Lampertheim aufgetaucht. Das Gesundheitsamt ordnete daraufhin ebenfalls eine Reihentestung an, die die Bundeswehr übernahm. Das Ergebnis: Betroffen waren im Guldenweg insgesamt 25 Personen – 14 Kinder, zehn Erzieherinnen und eine Küchenhilfe. Eine Mitarbeiterin musste sogar im Krankenhaus behandelt werden.

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Die Stadt als Träger schloss daraufhin erstmals eine Einrichtung komplett. Zuvor waren es lediglich einzelne Kita-Gruppen oder Schulklassen gewesen, in denen vereinzelt Personen positiv getestet worden waren.

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) interessierte sich für den Ausbruch der britischen Corona-Mutante im Kindergarten Guldenweg. Daher nahmen RKI-Experten beispielsweise die Räumlichkeiten vor Ort unter die Lupe, um die Ausbreitung der Infektion besser bewerten zu können.

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„Wir haben hier Kita-Räume, wie man sie überall findet“, erklärt Marius Schmidt auf Nachfrage. Vermutlich seien sie deshalb für die Fachleute so interessant gewesen. Eine Rückmeldung an die Stadt habe es nach der Untersuchung bislang nicht gegeben. Auch seien nähere Informationen vom Robert Koch-Institut nicht veröffentlicht worden, bedauert der Erste Stadtrat.

Weitere Stellschrauben

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Trotzdem hat die Stadt technisch aufgerüstet: „Qualitativ hochwertige Luftreinigungsanlagen mit großen Filtern“ seien von den Fördergeldern des Kreises für die Kindertagesstätten angeschafft worden – ergänzend „kleinere, günstigere Luftfilter, die auf Basis von UV-Technik funktionieren“ und CO2-Messgeräte. „Und natürlich ist regelmäßiges Stoßlüften das Mittel der Wahl“, betont Marius Schmidt im Gespräch mit dieser Redaktion.

Als weitere Stellschrauben würden in den Kitas Gruppen strikt getrennt betreut und jeder Gruppe eine bestimmte Toilette zugeordnet. Auch das helfe, Infektionen zu vermeiden.

Zusätzlich seien FFP2-Masken für die Erzieherinnen und Erzieher bereitgestellt worden und es gebe jede Woche für das Personal Möglichkeiten, sich testen zu lassen, erklärt Schmidt.

Des Weiteren fordert der Sozialdezernent, Kindergarten-Personal generell – wie auch von der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz vorgesehen – im Rahmen der geplanten Impfungen bei der Priorisierung nach vorne zu nehmen. Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, sei bei den Mitarbeitern in Lampertheim hoch, sagt Schmidt. Genauso wie die Bereitschaft, sich testen zu lassen.

Aufatmen unterdessen in der Kindertagesstätte Europaring. Wie der Sozialdezernent am Dienstagabend mitteilte, wurden alle Erzieherinnen der Lampertheimer Einrichtung inzwischen negativ getestet. Und soweit die Rückmeldungen vorlägen, habe sich auch kein weiteres Kind angesteckt.

Redaktion