Fasnacht - Rückblick in die närrische Vergangenheit Theater mit Honoratioren

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Lampertheim. An Fasnacht 1974 war gerade die dritte Ausgabe der Lampertheimer Heimatblätter erschienen. Der Heimatforscher und spätere Lampertheimer Ehrenbürger Heinrich Friedrich Karb schrieb damals, passend zur fünften Jahreszeit, über die „Lampertheimer Fasnacht – einst und jetzt“. Karb fand es bedauerlich, dass es kaum Aufzeichnungen über die Fasnacht in früheren Jahrhunderten gab. Einem Weistum aus dem Jahre 1490 sei zu entnehmen, dass es üblich war, um diese Zeit die sogenannten „Fasnachtshühner“, eine Abgabe, abzuliefern. Und aus einer alten Dorfrechnung von 1614 sei ersichtlich, dass es Brauch war, den Farren (Stier, Bulle) die Hörner zu schneiden.

Straßenfasnacht mit Clown 1935 oder 1936. © B. Jakob
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Mehr Informationen gibt es zu dem 1863 in Lampertheim stattgefundenen Fasnachtszug. Wobei es dabei, anders als in den Karnevalshochburgen am Rhein, nicht um Kritik am politischen Geschehen ging und auch nicht um ein ausgelassenes Treiben. Vielmehr stellten Lampertheimer Honoratioren unter Leitung von Karl Friedrich Loos, Bürgermeistersekretär und späterer Gemeindeeinnehmer, eine historische Szenerie nach, nämlich Wallensteins Lager. Die Statisten trugen aufwendig geschneiderte Kostüme und rund 50 Reiter aus allen umliegenden Ortschaften wirkten bei dem Spektakel mit.

Domäne der Kinder

Auch in den folgenden Jahren gab es immer wieder Berichte über kleine Fasnachtumzüge mit Drehorgel und die ersten bunten Konzertabende. Der Männergesangverein 1840 ließ einen solchen im Jahre 1879 schon zur närrischen Uhrzeit um 11 Minuten nach sieben beginnen.

Die Straßenfasnacht war hingegen lange Zeit die Domäne der Kinder. Erst später gesellten sich die Erwachsenen verkleidet dazu. Die Kinder trafen sich am Faschingsdienstag und zogen als Großmutter und Großvater kostümiert von Haus zu Haus. Dort klopften sie an die Türen und sangen: „Fasnacht, die Pann kracht, die Kiechel sinn gebacke. Die Pann hott e Loch, die Kiechel sinn gekocht!“ Manchmal hatten sie auch einen als Bären Verkleideten dabei. Dazu wurde mit selbstgebastelten Instrumenten und Schweinsblasen jede Menge Lärm erzeugt.

Von der Straße ging’s in den Saal

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Dieses närrische Brauchtum sei damals durch die alemannische Fasnacht beeinflusst worden, mutmaßt Stadtarchivar Hubert Simon. So gab es an Fastnachtsdienstag in Lampertheim noch bis in die 60er Jahre die sogenannte „Lumpefastnacht“, bei der in Schwarz verkleidete Menschen als Hexen auftraten.

Nach und nach verlagerte sich die Fasnacht von der Straße immer mehr in die Säle, so wie man es auch bei den Fernsehübertragungen sah. Am 28. Februar 2006 organisierte der 1. Carneval-Club CC-Rot-Weiß dann erstmals seit langer Zeit wieder einen Umzug mit anschließender Straßenfasnacht. Ohne die Corona-Pandemie würde sich dieser närrische Lindwurm gewiss auch in diesem Jahr wieder durch die Spargelstadt schlängeln. Ja