Serie - Heimat-, Kultur- und Museumsverein nutzt die momentane Zwangsschließung für Sanierungsarbeiten / Sozialer Treffpunkt fehlt Stille in einem Museum, in dem sonst gebabbelt werden darf

Von 
Rosi Israel
Lesedauer: 

Lampertheim. Im Heimatmuseum der Stadt Lampertheim ist es still. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie bleibt die Museumspforte weiterhin geschlossen. Für den Heimat- Kultur- und Museumsverein ändert sich damit zwar nicht alles, aber doch sehr viel. Der Verein betreut das Heimatmuseum ehrenamtlich und ist für gewöhnlich ein sozialer Anlaufpunkt.

In der „Scheier“ des Heimatmuseums, in der historische Holzwagen und -karren untergebracht sind, wird das Dach erneuert. Margit Karb freut sich, dass die beauftragte Firma bereits mit den Vorbereitungen für die Sanierung begonnen hat. © Rosi Israel
AdUnit urban-intext1

Nun sind solche Zusammentreffen bis auf Weiteres nicht erlaubt. Auch dürfen derzeit keine Besucher die Zeugnisse der Alltags- und Handwerkskultur anschauen. Gemeinschaftliche Planungstreffen und Veranstaltungen der Mitglieder mussten abgesagt werden. Auch das Einstudieren des beliebten, alljährlichen Theaterstücks mit historischem Hintergrund fällt weg. Dabei sei für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Lampertheim ein Vereinsleben sehr wichtig, bedauert Margit Karb, die Vorsitzende des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins. Die Aktivitäten des Vereins, der lokale Heimat- und Brauchtumspflege betreibt, trugen bis zum Ausbruch der Pandemie zum Gemeinwohl bei, da sämtliches Engagement vor Ort stattfindet.

Die Vorsitzenden

Heinrich Karb von 1985 bis 1997.

Hubert Simon von 1997 bis 2000.

Margit Karb seit 2000.

Der Museumsverein Lampertheim wurde 1985 auf Initiative von Heinrich Karb gegründet. Er hatte bis zu seinem Tod den Ehrenvorsitz. roi

Margit Karb berichtet, dass durch die ausgefallenen Veranstaltungen auch viele Einnahmen weggebrochen sind: „Einnahmequellen sind momentan nur die Mitgliedsbeiträge.“ Dennoch muss der Museumsverein nicht unbedingt um sein wirtschaftliches Überleben kämpfen, da er auf finanziell gesunden Füßen steht.

Mutmachbrief verschickt

„Durch die Corona-Krise ruht das klassische Vereinsleben und das soziale wie auch das kulturelle Leben kommt zu kurz“, bekräftigt die Vereinsvorsitzende. Zu Weihnachten hatte Margit Karb deshalb einen Brief an ihre Mitglieder geschrieben. Darin sprach sie ihnen Mut zu, wie diese schwierige Zeit besser überwunden werden könne. „Wir müssen in Kontakt bleiben“, betont Karb.

AdUnit urban-intext2

Im Gespräch mit dieser Zeitung verweist sie auf die Aktionen, die normalerweise regelmäßig stattfinden und von denen zahlreiche Besucher angezogen werden – wie der „Lampertheimer Mundartabend“, der ein nicht mehr wegzudenkendes gesellschaftliches Ereignis sei. Traditionell bietet der Verein an drei aufeinander folgenden Abenden im Sommer den Freunden des Lampertheimer Dialekts beste Unterhaltung mit einem Mundarttheaterstück und Gedichten.

Ausgelassene Stimmung herrscht besonders über die Kerwe-Tage, zumal im Museumshof die Kerwe ausgegraben und wieder beerdigt wird. „Extra für das Kerwe-Fest haben wir alle Jahre Hausmacherwurst hergestellt“, erinnert Karb. Sie ist bekümmert darüber, dass auch das Heimatkundliche Seminar, bei dem altes Wissen vermittelt wird, nicht stattfinden konnte. Ihre letzte Hoffnung für 2020 war der „Adventszauber“, der die Gäste in der Vorweihnachtszeit zum Verweilen einladen sollte. „Aber auch dieses Event musste abgeblasen werden“, sagt die Vorsitzende mit trauriger Stimme.

AdUnit urban-intext3

Immerhin: Auch eine positive Seite kann sie der Corona-Pandemie abringen „Es bestand jetzt die Gelegenheit, die „Scheier“ des bäuerlichen Anwesens auszuräumen, damit das Dach von Profis saniert werden kann.“

AdUnit urban-intext4

In der Scheune sind historische Holzwagen und -karren untergebracht. Zu einem späteren Zeitpunkt soll der Dachstuhl neu errichtet werden. Dafür hat eine Spezialfirma schon das Dach mit Holzbalken stabilisiert, gesichert und vorbereitet. „Die Kosten übernimmt der Eigentümer, die Stadt Lampertheim“, berichtet die Vereinsvorsitzende.