Bürgerstiftung - Neunte Schautafel der Reihe „Historisches Lampertheim“ am Ende des Lorscher Weges in Neuschloß erinnert an die Altlastensanierung Sodabuckel als Stück Stadtgeschichte gewürdigt

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Kevin Schollmaier
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Der sanierte Sodabuckel erinnert an die Zeiten, als in Neuschloß eine chemische Fabrik in Betrieb und Umweltschutz noch kein Thema war. © Kevin Schollmaier

Neuschloß. Nach Hofheim und Rosengarten hat die Bürgerstiftung nun auch in Neuschloß ein Infoschild aus der Reihe „Historisches Lampertheim“ aufgestellt. Es ist das neunte im Stadtgebiet und wurde vorm „Sodabuckel“ am Ende des Lorscher Wegs enthüllt.

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Die Tafel zeigt mit zwei Bildern und einem kurzen Text die verhängnisvolle Geschichte des menschengemachten Hügels – und steht damit sinnbildlich für die wechselhafte Historie des Stadtteils: von der fürstlichen Jagdresidenz über einen großen Industriestandort bis hin zur „größten bewohnten Altlast“.

Abenteuerspielplatz voller Gift

Historisches Lampertheim

Das Projekt der Bürgerstiftung begann im Juni 2017 mit einer ersten Schautafel in der Kaiserstraße, das sowohl Amtsgericht als auch Kaiserhof zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigt.

Weitere Tafeln zeigen die Schillerschule, das Alte Rathaus und die St. Andreas-Kirche, die Domkirche, die Balthasar-Neumann-Kirche in Hofheim sowie die Rheinbrücke bei Rosengarten. ksm

Es ist noch gar nicht so lange her, da spielten auf diesem Hügel noch fröhliche Kinder. Damals lag der Sodabuckel noch hinter der Waldgrenze. 1987 errichtete die Stadt just an diesem Ort, der voller Giftstoffe ist, einen Abenteuerspielplatz. Doch lange hält die Kinderfreude darüber nicht an. Schon bald stellt sich heraus, was viele längst geahnt hatten: Der Sodabuckel ist wie fast der ganze Stadtteil mit giftigen Abfallstoffen verseucht.

Denn auf dem Gelände des heutigen Ortskerns stand von 1829 bis 1927 eine chemische Fabrik – eine der größten Anlagen der damaligen Zeit. Die Abfälle aus der Soda- und Kunstdünger-Produktion landeten praktisch ungefiltert in Wald und Grundwasser. Schon der Sand an der Oberfläche der späteren Hausgärten und des Sodabuckels gefährdeten die Gesundheit – er enthielt massiv Schwermetalle und Dioxine.

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Auch Marius Schmidt hat daran noch lebhafte Erinnerungen. Wegen seiner Familienbande nach Neuschloß hat er sich entschieden, diese Tafel als Sponsor mit zu finanzieren. Ihren Standort haben mit Altbürgermeister Erich Maier und Bürgerkammer-Vorsitzender Carola Biehal zwei maßgebliche Protagonisten der späteren Altlastensanierung ausgewählt. „Die Tomaten“, erinnerte sich Schmidt bei der Enthüllung, „sind hier bei meiner Tante immer besonders schnell gewachsen“. Biehal bedankte sich bei der Einweihung rückwirkend für Maiers Einsatz als Bürgermeister zwischen 1997 und 2013. „Wir wissen, dass viele Dinge in Lampertheim nicht drin waren, weil die Sanierung in Neuschloß so teuer war“, sagte sie.

Allerdings hat auch sie als ehemalige Wortführerin im Projektbeirat und Altlastenverein einen Löwenanteil am nie dagewesenen Sanierungsprogramm, das immer wieder mit Pilotprojekten aufwartete. Zwar stehen mit den Sandgruben und dem Roten Hof noch immer Projekte an, auch die Grundwasser-Sanierung läuft noch – doch gelten heute der Sodabuckel als „gesichert“ und das Wohngebiet als saniert. Insofern der ideale Ort für eine Schautafel, findet Maier. „Die Schilder sollen an besonderen Standorten auf die Sichtweisen von früher und heute aufmerksam machen“, erklärte er.