Schlecht beraten

Von 
Uwe Rauschelbach
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Über den Standort für eine neue Kinderkrippe mag man füglich streiten. Und man sollte es durchaus tun. Schließlich hat eine solche Entscheidung Konsequenzen für viele Jahre. Nicht nur in der CDU, sondern auch in Teilen der Fraktionen, die sich schließlich für Neuschloß ausgesprochen haben, gibt es Bedenken gegen eine Einrichtung im Stadtteil. Würde man diese Bedenken sachlich begründen - etwa mit dem Nachweis, dass der Standort am Bedarf vieler Familien vorbei gehe -, müsste man darüber reden.

Uwe Rauschelbach

© Berno Nix
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Doch die CDU war schlecht beraten, ihre Bedenken mit dem Hinweis auf die Existenz von Altlasten im Neuschlösser Boden zu verknüpfen. Einem Stadtteil, der so weit saniert worden ist, dass von einem Grundstück, auf dem Kinder spielen, keine Gefahr mehr ausgehen kann - und der um eine altlastenbefreite Zukunft ringt. Familien in Neuschloß, die jene christdemokratischen Bedenken ernst nehmen würden, müssten eigentlich die Koffer packen und fluchtartig das Weite suchen. Da wird die CDU gegenüber dem gebeutelten Stadtteil wohl Wiedergutmachung betreiben müssen.

Neben der Tatsache, dass sich unweit von Neuschloß viele junge Familien angesiedelt haben - in Rosenstock und Europaring -, sprechen schließlich auch wirtschaftliche Gründe für eine solche Nutzung des auf dem freien Markt kaum verkäuflichen Grundstücks. Unterdessen wird man sich bei der Debatte über künftige Krippen-Neubauten durchaus fragen müssen, welche Standorte auch im Hinblick auf die Altersentwicklung der Bevölkerung sinnvoll sind. Denn dass Kinderkrippen nicht auf Ewigkeit von Kindern bewohnt sein werden - sondern womöglich als Seniorenwohnheime infrage kommen -, davon sprechen Demografen nicht erst seit heute.

Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).