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Parteien - CDU Lampertheim startet Sommertour

Politiker zu Besuch beim Gemüsering

Von 
Kevin Schollmaier
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800 Tonnen Tomaten reifen jährlich bei Frank Edel unterm Plastikdach. © ksm

Lampertheim. Die Reaktion ist immer gleich. „Eine Plastikwüste“ nennen es manche, „ein Auswuchs moderner Landwirtschaft, der die Landschaft verschandelt“ andere. „Ich weiß, dass das Plastik erstmal nicht jedem gefällt“, sagt Frank Edel, „aber hier hat sein Einsatz einen Sinn“. Alles eine Frage des Blickwinkels. Die Lampertheimer Christdemokraten haben zum Auftakt ihrer Sommertour genauer hingesehen.

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„Hier“, das ist einige hundert Meter entfernt vom Wohngebiet Rosenstock III an der gleichnamigen Spange Richtung Mannheim. Hier wachsen auf dem sandigen Boden des Rieds jedes Jahr 800 Tonnen Tomaten – in einem sogenannten Kaltgewächshaus. 240 Meter lang und 160 Meter breit ist die Anlage – vom Plastikmeer in der spanischen Provinz, wo Gewächshäuser so groß wie ganz Malta Unmengen an Wasser und Energie verschlingen, ist der „Gemüsering Südhessen“ nicht nur flächenmäßig mit vier Hektar weit entfernt. Auch die Methoden sind gänzlich andere.

„Ich bin froh, dass wir diese Missverständnisse aufklären konnten“, wird Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb nach dem anderthalbstündigen Besuch sagen. „Wir wollten sehen, was in Lampertheim fernab unserer traditionellen Landwirtschaft so passiert. Auch wenn hier kein Öko-Label drauf ist – kurze Wege direkt in den Lampertheimer Handel, das hat schon was Nachhaltiges“, begründet Fraktionsvorsitzender Alexander Scholl den Besuch der CDU beim Landwirt.

Frank Edel baut hier fünf Monate im Jahr Tomaten an, im Herbst folgt Feldsalat, im Winter wachsen Radieschen. „Aber warum im Gewächshaus?“, will Nunzio Galvagno wissen. Weil das der einzig nachhaltige Weg für Tomatenanbau im größeren Stil sei, erklärt Edel. Vor dem Bau 1997 habe man sich an gleicher Stelle einige Jahre mit Freilandanbau versucht. „Das hat auf Dauer nicht funktioniert“, so der Landwirt.

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Tomaten seien extrem wetteranfällig, Ernteausfälle wegen zu viel oder zu wenig Regen keine Seltenheit. Beim Freianbau verbrauche man entgegen der landläufigen Meinung sogar mehr Ressourcen, rechnet er vor: „Rund 30 Prozent der Bewässerung verdunsten.“ Seine Schläuche liegen dagegen unter einer Folie direkt am Kopf der Pflanze, Tensiometer messen und steuern dauerhaft die Bodenfeuchtigkeit. Weil Tomaten zwar viel Wasser, aber trockene Luft brauchen, sind die Foliendächer fast immer geöffnet. So entsteht ein trockener Luftzug, der Pilzkrankheiten verhindert. Ansonsten setzt Edel auf veredelte Pflanzen aus Holland und jede Menge Nützlinge. Neben tausenden Hummeln schwirren auch Schlupfwespen und Mücken herum. Zusätzlich zu den natürlichen Gästen gibt Edel jede Woche mehrere tausend Euro für Insekteneier aus. Das sei inzwischen aber fast Standard. Bei seinem Bodenanbau ohne Steinwolle setze er keinerlei Insektizide ein, lediglich mineralischer Dünger komme gezielt zum Einsatz.

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