Technik - Stadtmarketing will Einzelhandel und Dienstleister für elektronische Besuchererkennung gewinnen / Probelauf in der Stadtverordnetenversammlung Mit der Lampertheimer Corona-App zum Friseur

Von 
Uwe Rauschelbach
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Lampertheim. „Isch waa dou“ ist Lampertheimer Dialekt und heißt frei übersetzt: „Ich war hier.“ Wenn ab März die Friseure wieder öffnen, muss jeder Besucher aufgrund der Pandemielage genau das bestätigen: „Isch waa dou“. Bislang musste hierfür ein Zettel ausgefüllt werden. Künftig kann man den Nachweis über eine App führen. Sie wurde speziell für Nutzer entworfen, die in Lampertheim leben oder arbeiten.

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„Isch waa dou“ ist der Name eines Programms, das man sich auf seinem Smartphone herunterladen kann. Es wurde von der Softwarefirma P3 Group mit Hauptsitz in Stuttgart entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem Lampertheimer Stadtmarketing an lokale Belange angepasst. Über die App sollen Kontakte mit Corona-Infizierten durch das Gesundheitsamt besser nachvollzogen werden können. Zwar mussten Besucher von Gaststätten oder Friseuren auch bisher schriftliche Kontaktdaten hinterlassen; doch diese Angaben wurden nicht selten unvollständig oder gar bewusst falsch gemacht, um seine Identität nicht preisgeben zu müssen. Dies ist dank der Authentifizierung über eine App so nicht mehr möglich.

Die Lampertheimer Corona-App auf dem Smartphone. © Alexandra Hoffmann

Der Vorteil für den Nutzer: Er kann leichter verständigt werden, sollte er sich ohne sein Wissen in der Nähe eines mit Sars-CoV-2-Infizierten aufgehalten haben. Die bundesweite Corona-App leistet dies im Prinzip auch. Doch ob sich ein an Covid-19 Erkrankter auch tatsächlich registriert, ist nicht gewiss. Als Besucher einer Gaststätte oder eines körpernahen Dienstleisters muss er sich dagegen ausweisen. Sollte er sich während seines Besuchs noch für gesund gehalten, anschließend aber positiv auf das Virus getestet werden, würden die anderen Besucher zwangsläufig davon verständigt.

Auch die Nutzung der lokalen App bleibt jedoch freiwillig. Das Lampertheimer Stadtmarketing setzt hier auf die Einsicht möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger, dass eine hohe Beteiligung auch eine höhere Sicherheit für Geschäftsleute wie für Kunden bietet. Nach Ablauf der vierwöchigen Speicherfrist würden alle Personendaten automatisch gelöscht. Im Stadthaus wird auch überlegt, inwieweit der Besuch städtischer Einrichtungen über eine solche App geregelt werden kann. Gedacht ist dabei etwa an den Rathaus-Service im Haus am Römer. Die Besucher der Lampertheimer Stadtverordnetenversammlung an diesem Donnerstag werden die App erstmals nutzen können. Anschließend sollen Funktionsweise und Erfahrungen ausgewertet werden, um weitere Einsatzmöglichkeiten zu erproben. Denkbar ist, so der Sprecher der Lampertheimer Stadtverwaltung, Christian Pfeiffer, auch die Nutzung der App beim Besuch von kulturellen Ereignissen oder von Vereinsveranstaltungen.

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So habe die Freiwillige Feuerwehr aktiv Interesse an der Nutzung der App bekundet. Den Vorteil einer solchen lokalen App sieht Stadtsprecher Pfeiffer in der leichteren Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten auf kommunaler Ebene. Sie könne auch optimaler auf lokale Belange angepasst werden als vergleichbare Programme, die bundesweit kursieren. Für ihn steht fest: „Die App ist nur so gut wie ihre Nutzer. Je mehr mitmachen, umso besser funktioniert sie.“

Wer sich beim Besuch von Geschäften oder Dienststellen künftig per App identifizieren möchte, muss hierzu seine Post- und E-Mail-Adresse sowie seine Telefonverbindung eingeben und sich über ein Passwort einloggen. Damit versetzt man sich in die Lage, sich bei einem Besuch beim Friseur – oder eines Restaurants, sobald die Gastronomie wieder öffnen darf – auf Knopfdruck auszuweisen.

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Die Betreiber von Geschäften, Friseurstudios oder Gaststätten müssen lediglich einen sogenannten QR-Code auslegen, den man mit der „Isch waa dou“-App abscannt und auf diese Weise seine Kontaktdaten hinterlässt und sich im Übrigen auch wieder verabschiedet. Das Ausfüllen eines Papiers entfällt – die Möglichkeit, sich als „Micky Mouse“ auszuweisen, weil man seine persönlichen Daten unter Verschluss halten möchte, allerdings auch.

Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).